Regisseur Dave Green (2.v.l.) und der Cast bei der Premiere von "Coyote vs. ACME" (© Eric Charbonneau)

Dave Green [Interview]

Man kann sich gar nicht vorstellen, wie es für Dave Green gewesen sein muss, als Warner Bros. im November 2023 den bereits fertiggestellten Coyote vs. ACME vollständig aus der Welt schaffen wollte – ihn von der Steuer abschreiben wollte. Die Veröffentlichung des von den Fans heiß erwartenden Mix aus Real- und Animationsfilm stand für Monate in der Schwebe. Erst im März 2025 zeichnete sich das Happy End ab, als sich Ketchup Entertainment die Rechte an dem Film sicherte und ihn zur Veröffentlichung freigab. Somit kommt Dave Green doch noch in den Genuss, über den Film sprechen zu können, was er mit uns auch gemacht hat. Zum Kinostart am 17. September 2026 spricht er über filmische Einflüsse,

 

Zunächst einmal Gratulation zu Coyote vs. Acme. Ein sehr schöner Film, mit welchem ich viel Spaß hatte. Und dies bringt mich auch schon zu meiner ersten Frage, inwiefern der Film durch Falsches Spiel mit Roger Rabbit beeinflusst wurde?

Vielen Dank, dass du Falsches Spiel mit Roger Rabbit erwähnst, der für mich ein absolutes Meisterwerk ist und den Goldstandard im Bereich der Hybridfilme darstellt. Ich und mein Team wurden in vielerlei Hinsicht durch den Film inspiriert. In der Vorbereitung zu meinem Film habe ich stets über Falsches Spiel mit Roger Rabbit nachgedacht und mir die Frage gestellt, was ihn seinerzeit so erfolgreich gemacht hat. Für mich liegt die Erfolgsformel im Mix aus seiner dunklen Ernsthaftigkeit und der hysterischen Lächerlichkeit und wie diese beiden Tonalitäten aufeinanderprallen. So etwas ähnliches wollte ich auch in meinem Film haben, weswegen ich Falsches Spiel mit Roger Rabbit als Referenz genannt habe, als ich das Projekt an Warner Bros. gepicht habe.

Falsches Spiel mit Roger Rabbit ist eine Hommage an den Film Noir, Coyote vs. Acme ist wiederum durchzogen von den Gerichtsdramen der 1970er- und 1980er-Jahre.

Ja, genau. Du hast es auf den Punkt gebracht.

Es handelt sich somit um eine bewusste Hommage an jene Art von Filmen?

Absolut. Ich habe mich im Vorfeld mit vielen Thrillern und Gerichtsdramen auseinandergesetzt, um für den Film den richtigen Ton zu finden. Filme wie Insider, The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, aber auch Eine Frage der Ehre und Erin Brockovich haben mich und Drehbuchautorin Samy Burch stark beeinflusst – wir haben uns all diese Filme und noch viele mehr angesehen.

Wir hatten in unserem Büro eine große Pinnwand, auf welcher wir die Eckpfeiler dessen erfasst haben, was diese Filme funktionieren lässt. Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, welche Themen wir uns aus den Filmen ausleihen konnten und vor allem, über welche wir uns lustig machen sollen. Für uns war das ein grosser Spaß, diese Themen mit den Looney Tunes in Verbindung zu bringen. Im Großen und Ganzen ging es wirklich darum, die Looney-Tunes-Figuren in den Kontext eines Gerichtsdramas oder Gerichtsthrillers zu setzen.

Wie muss man sich die Arbeit an einem Mix aus Animations- und Realfilm vorstellen? Waren die Animationen schon fertig, als die Realfilm-Szenen gedreht wurden, oder wurden sie nach dem Realfilm-Teil erstellt?

Ein bisschen von beidem. Vor dem Dreh gibt es eine Menge Vorbereitung. Ich habe mich also mit Animatoren und Storyboard-Zeichnern getroffen, und sie sagten: „Nun, was wäre, wenn Wile E. in dieser Szene dieses und jenes will?“ Und sie haben die Szenen gezeichnet, noch bevor wir einen Drehort oder überhaupt unsere Besetzung hatten. Und sie fingen an, Ideen dafür vorzubereiten, was Wile E. wollen würde und was er tun würde. Und sobald wir unseren Drehort und unsere Schauspieler hatten, gingen wir zum Dreh, wo die Szenen selbst dann zum Leben erweckt wurde. Hierfür hatten wir einen Puppenspieler am Set, der den Schauspielern dann zeigte, was Wile E. tun würde. Und in der Postproduktion haben wir den Puppenspieler dann quasi wegradiert und alles noch mal von vorn gemacht. So ist es dann zu den finalen Animationen gekommen, die man im Film sehen kann. Wir hatten als in der Vorbereitung schon einen klaren Plan, den wir bis in die Postproduktion hinein fortgesetzt haben.

Lass uns nun noch über das Thema sprechen, welches sprichwörtlich im Raum steht. Wie hast du dich gefühlt, als Warner Bros. Coyote vs. Acme gestrichen hat und den Film für immer verschwinden lassen wollte?

Nun, ich dachte vor allem an all die Leute, die über Jahre an dem Film gearbeitet haben. Ich dachte an die Crew, die von ihren Familien getrennt war, als wir den Film in Albuquerque gedreht haben. Aber auch an das Animationsteam in Großbritannien und all die anderen, die Nächte und Wochenenden investiert haben, um den Film zu erschaffen. Sie alle haben ihr Herzblut in den Film gesteckt und ich fühlte mich für jeden Einzelnen verantwortlich, als ich die schlechte Nachricht bekam.

Du hast dich somit auch ein wenig wie Wile E. gefühlt – dich in einer Situation „Klein gegen Groß“ wiedergefunden?

Weißt du, ein Filmemacher zu sein, bedeutet auch, Schläge einzustecken. Manchmal kommt man ans Set und die Kamera funktioniert nicht oder das Wetter ist schlecht oder ein Schauspieler ist krank. Man hat keine andere Wahl, als das Beste daraus zu machen und sich anzupassen. Ich finde es jedoch fantastisch, dass sich das Publikum für uns eingesetzt hat und im Namen unserer Besetzung und Crew gesprochen hat. Es hat was Magisches, was mit dem Film an Ende passiert ist. Wir sind einfach so begeistert, dass der Film tatsächlich auf der großen Leinwand zu sehen sein wird.

Der Film bekommt somit sein Happy End à la Hollywood. Was denkst du, wird den Zuschauern am meisten an dem Film gefallen?

Ich würde mich sehr freuen, wenn das Publikum, von dem überrascht wird, was es in dem Film zu sehen gibt. Ich hoffe auch, dass sie Wile E. dank des Films mit anderen Augen sehen werden. Dass sie diesen Charakter, den sie vielleicht seit 80 Jahren kennen, auf einer tieferen Ebene neu entdecken werden. Dass er mehr ist, als man auf den ersten Blick erkennen mag.

Wenn du nun auf deine Kindheit zurückblickst, wann bist du zum ersten Mal in Kontakt mit den Looney Tunes gekommen – und warst du stets Team Kojote oder eher Team Roadrunner?

Oh, ich war definitiv Team Kojote. Ich glaube, ich bin damit aufgewachsen, die Looney Tunes zu schauen. Sie liefen auf Nickelodeon und im Lokalfernsehen, und hatten auch Gastauftritte in anderen Serien wie Animaniacs, Tiny Toons oder auch Pinky und der Brain. Der Kojote und Roadrunner waren für mich immer sehr präsent und für mich die lustigsten Figuren. Und ja, ich wollte immer, dass der Kojote gewinnt.



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