Frühstück bei Audrey (Kinostart: 10. September 2026) erzählt die Geschichte von Rémi (Vincent Macaigne), der so sehr von der Liebe enttäuscht wurde, dass er beschließt, in Zukunft doch lieber mit einer lebensechten Puppe sein Leben zu teilen. Das ist schön einfach, dachte er. Bis es doch sehr kompliziert wird. Nicht nur, dass seine neue Kollegin Patricia (Cécile de France) ihm ein wenig den Kopf verdreht. Er muss auch noch feststellen, dass Audrey (Zoé Marchal) zum Leben erwacht ist. Wir haben uns mit Regisseurin Sophie Beaulieu unterhalten. Im Interview zur Fantasykomödie spricht sie über filmische Einflüsse, Geschlechterbilder und die Schönheit des Natürliche.
Könntest du uns etwas über die Entstehungsgeschichte von Frühstück bei Audrey verraten? Wie bist du auf die Idee für die Geschichte gekommen?
Ich habe im Fernsehen eine Dokumentation über Männer gesehen, die mit solchen Puppen zusammenleben. Sie führten eigentlich ein ganz normales Leben, aßen gemeinsam zu Abend, schauten zusammen fern. Für sie war es eine Schande, dass sie ihre Beziehungen verstecken mussten, weil das für sie wahre Liebe war, eine echte Beziehung. Für sie waren die Frauen perfekt, sie mit allem glücklich waren und sich über nichts beklagten, kein Wort sagten. Als ich das gesehen habe, wollte ich schreien: „Das ist keine Beziehung!“ Am Anfang wollte ich deshalb einen Rachefilm drehen, einen Horrorfilm, bei dem die Frau zum Leben erwacht und sagt, dass sie damit nicht einverstanden ist. Dass das nicht das Leben ist, das sie für sich will. Nur wurde mir klar, dass diese Männer es eigentlich ernst meinten. Also entschied ich mich, daraus eine Liebeskomödie zu machen über einen Mann, der jemanden an seiner Seite will, der nicht wirklich mit ihm interagiert. Was macht es mit der Beziehung, wenn es auf einmal och zu einer Interaktion kommt?
Der Film erinnerte mich an verschiedene Komödien aus den 1980ern, wo Dinge zum Leben erwachten. Mannequin zum Beispiel, wo eine Schaufensterpuppe lebendig wird. Oder L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn, da ist es eine Computerfigur. Haben dich diese Komödien bei deinem Film beeinflusst?
Ich hatte die Idee schon, bevor ich die Filme gesehen habe. Aber sie haben mir geholfen, weil sie mir gezeigt haben, wo die Schwierigkeiten sind beim Drehbuchschreiben zu dem Thema. Das war also schon interessant für mich. Wirklich beeinflusst haben mich die Filme aber nicht. Mir war es nur wichtig, dass die Puppe nicht auf eine magische oder sehr künstliche Weise zum Leben erwacht. Sie sollte einfach irgendwann atmen und lebendig sein, so als wäre das alles ganz normal.
Und gibt es ganz allgemein jemanden, der dich als Filmemacherin beeinflusst?
Ich habe ganz viele Einflüsse. Amerikanische Komödien, zum Beispiel von den Farrelly Brüdern oder auch Apatow. Ich bin in den USA und England aufgewachsen, weshalb ich stark vom englischen Humor beeinflusst wurde. Ich mag bei den Farrellys, dass sie eine Welt erschaffen, die zwar eigentlich nicht realistisch ist, die du aber trotzdem glaubst. Das wollte ich bei mir auch. Sie haben außerdem auch immer etwas über unsere Welt zu sagen, was mit sehr gefällt. Komödien sollten einen Bezug zu unserer Welt haben. Allgemein würde ich aber sagen, dass ich – von Jacques Tati abgesehen – eher von Filmemachern beeinflusst wurde, die keine Komödien machen.
Dann lass uns über die Puppen sprechen. Du hast die Dokumentation erwähnt, dass das ein reales Phänomen ist. Auf der einen Seite ist es schon traurig, wie Menschen sich in diese Fantasiewelt zurückziehen. Gleichzeitig macht sie das aber offensichtlich glücklich. Ist es gut oder schlecht, dass es solche Puppen gibt?
Mir geht es nicht darum, zu sagen, ob das gut oder schlecht ist. Auch wenn das für uns von außen traurig aussieht, vielleicht sogar erbärmlich, die Männer selbst empfinden das nicht als traurig. Sie würden auch nicht sagen, dass sie einsam sind. Für sie ist das ihr normales Leben. Ich will das deshalb auch nicht verurteilen. Ich sage nur, dass es vermutlich Alternativen gibt zu einer solchen Puppe. Lass uns vorstellen, wie diese Puppen zum Leben erwachen. Vielleicht kann ja etwas Schönes mit realen Menschen passieren? Manchmal tun wir etwas, ohne es zu hinterfragen, und erkennen nicht, dass wir eine Alternative haben. Dass unser Leben unsere Wahl ist. Bei den Puppen kommt noch hinzu, dass sie auch mit dem Bild zusammenhängen, das die Männer von Frauen haben. Sie sehen vielleicht nicht, dass Frauen auch anders sein können.
Das hatte ich mich beim Anschauen auch gefragt: Würde die Geschichte mit vertauschten Geschlechtern funktionieren, also einer Frau, die mit einer Männerpuppe zusammenlebt?
Die Frage wird mir manchmal gestellt. Ich muss da an etwas denken, das Simone de Beauvoir mal gesagt hat. Für Männer sind Frauen ein Element unter mehreren im Leben. Sie haben ihre Karriere, haben ihre Freunde. Frauen sind da nur ein Teilaspekt. Für Frauen haben die Männer eine größere Bedeutung. Sie brauchen die Liebe. Deswegen wäre es zwar schon möglich, dass eine Frau mit einer Männerpuppe zusammenlebt. Aber das wäre für sie nicht erfüllend, ihr würde das nicht so reichen, wie es einem Mann reichen würde.
Mir gefiel, wie in deinem Film die Puppe mit der Mutter des Protagonisten gleichgesetzt wird, die letztendlich auch nur ein Accessoire ihres Mannes ist. Wer ist schuld an dieser Situation? Ist es der Mann, der die Frau zu einer Puppe macht, oder die Frau, die sich zu einer Puppe machen lässt?
Damit hast du die gesamte Intention meines Films zusammengefasst. Wir leben in einem System, in dem Männer dominieren. Aber wir haben alle einen Anteil an diesem System und sind gemeinsam dafür verantwortlich, dass sich etwas ändert. Die Mutter ist mitverantwortlich für das Leben, das sie führt. Wir alle haben Verantwortung. Und ich denke, dass ein moderner Feminismus sich dessen bewusst sein muss. Natürlich haben wir ein Problem mit Männern und einem System, in dem Männer alles bestimmen. Aber die Frauen sind ebenfalls Teil des Problems.
In deinem Film haben neben Rémi auch andere Figuren Schwierigkeiten, mit anderen Menschen zusammenzukommen und Verbindungen aufzubauen. Bei der Schwester ist es so, bei Patricia auch. Wird es allgemein schwieriger, Verbindungen zu anderen Menschen aufzubauen?
Ich weiß nicht. Persönlich finde ich es nicht schwierig, Verbindungen zu anderen aufzubauen. Und ich kenne auch andere, denen es leicht fällt. Das Leben ist hart. Es kann schwierig sein, überhaupt andere Menschen kennenzulernen, vor allem gute Menschen. Die Schwester ist die vernünftigste Person in meinem Film. Sie denkt nach, setzt Sachen in Verhältnis, ist tolerant. Für mich ist sie ein Vorbild und meine Lieblingsfigur. Und ich will mit meinem Film auch Hoffnung machen. Wir sollten alle weiterhin an die Liebe glaube, an andere Menschen glauben – und weniger in künstliche Intelligenzen.
Da du künstliche Intelligenz schon erwähnst: Es gibt in deinem Film eine Reihe von Sachen, die künstlich sind. Da ist nicht nur die Puppe und die Beziehung, sondern auch das künstliche Gras. Da wird natürliches Gras zerstört, um es durch Kunstgras zu ersetzen. Das ist etwas, das wir tagtäglich sehen, wie etwas Echtes durch etwas Künstliches ersetzt wird. Warum tun wir das?
Das frage ich mich selbst. Aus dem Grund habe ich die Geschichte auch an diesem wunderschönen Ort spielen lassen, wo es ganz viel Natur gibt, mit Bäumen, Gras und Blumen, als Kontrast zu dem Kunstgras, das die Leute dort verkaufen. Und selbst, als das Team zum Teambuilding zusammenkommt, dann ist das alles nicht echt. Das Trampolin, die Musik, nichts davon hat einen Bezug zu der Welt, in der wir leben. Wobei ich das nicht verurteilen will. Wenn du Spaß mit solchen Aktivitäten hast, nur zu. Aber ich wollte die Schönheit der Natur zeigen, des Organischen, und wie wichtig es ist, dazu eine Verbindung zu haben.
Ganz allgemein, was hoffst du, dass dein Publikum aus dem Film mitnimmt?
Für mich wäre es schön, wenn es im Anschluss sagen würde: Ich habe gelacht und der Film hat mich zum Nachdenken gebracht. Das wäre das größte Kompliment, das man mir machen könnte.
Und wie sieht es bei dir selbst aus? Was hast du gelernt, als du den Film gemacht hast?
Ich habe gelernt, dass es nicht einfach ist, einen Film zu machen, weil du ständig irgendwelche Hindernisse überwinden musst, mit denen du niemals gerechnet hättest. Das und dass ich einen weiteren machen möchte.
Was waren denn die größten Hindernisse?
Was ich lernen musste, war mein Ego zu unterdrücken. Du wirst ständig Leute haben, die dir sagen, dass etwas nicht gut ist und du das ändern musst. Es bringt da nichts, wenn du dich immer verteidigen willst. Das wäre Zeitverschwendung. Du musst da einfach eine gewisse Demut mitbringen. Quentin Dupieux hat mal zu mir gesagt: Wir retten nicht die Welt, wir machen Filme. Und damit hat er recht.
Vielen Dank für das Interview!
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