La Gioa – Süchtig nach dir
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La Gioia – Süchtig nach dir

La Gioa – Süchtig nach dir
„La Gioia – Süchtig nach dir“ // Deutschland-Start: 6. August 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Gioia Montefiori (Valeria Golino) unterrichtet Französisch an einem Turiner Gymnasium und lebt, den Fünfzig näher als den Vierzig, noch immer im Elternhaus: Der Vater (Giorgio de Paoli) ist an Alzheimer erkrankt, die Mutter (Betti Pedrazzi) streng gläubig und kontrollierend. Die große Liebe kennt Gioia bislang nur aus Romanen und aus Teenagerfilmen wie La Boum – Die Fete. Das ändert sich, als sie den Sitzenbleiber Alessio (Saul Nanni) kennenlernt, den seine Mutter Carla (Jasmine Trinca) und deren Freund Cosimo (Franceso Colella) nebenbei in die Sexarbeit gedrängt haben. Aus improvisiertem Nachhilfeunterricht in Französisch wird Nähe, aus Nähe eine gemeinsame Fantasie vom Aufbruch: Alessio malt Gioia ein neues Leben zu zweit in Monte Carlo aus, sie überlässt ihm dafür ihre kompletten Ersparnisse von 220.000 Euro. Am Tag der angeblichen Abreise wartet sie vergeblich am Flughafen auf ihn.

Eine Bovary aus dem Piemont 

Regisseur Nicolangelo Gelormini nimmt für La Gioia – Süchtig nach dir den realen Mordfall an der Lehrerin Gloria Rosboch nicht als Vorwand für plumpes True-Crime-Kino, sondern als Ausgangspunkt für eine Studie über das, was er selbst „diseducazione sentimentale“ nennt: eine Unfähigkeit, Liebe von Bedürftigkeit und Manipulation zu unterscheiden. Getragen wird das vor allem von Valeria Golino, die als Gioia kaum wiederzuerkennen ist – sie dimmt ihre sonst so präsente Eleganz bewusst herunter und macht aus einer auf den ersten Blick lächerlichen Frau eine anrührend naive, am Ende tragische Figur. Die Kostüme von Antonella Cannarozzi unterstreichen das: bunte, unförmige Pullover, altmodische Brille und Accessoires machen aus Gioia eine Madame Bovary aus dem Piemont, deren Äußeres ein nie eingelöstes romantisches Versprechen konserviert.  

Alessio dagegen, gespielt von einem bemerkenswert vielschichtigen Saul Nanni, wechselt zwischen Schuluniform und hypersexualisierten Club-Looks mit Netzstrümpfen, Korsage und Perücke – sein Körper ist Ware, sein Charakter bleibt bis zum Schluss changierend zwischen Täter und Kind, ohne dass der Film ihn zum eindimensionalen Bösewicht macht. Auch Jasmine Trinca als überforderte Carla und Francesco Colella als zunehmend bedrohlicher Cosimo tragen zu einem insgesamt starken Ensemble bei. 

Der Architekt hinter der Kamera 

Dass Gelormini ursprünglich Architektur studierte, sieht man dem Film in fast jeder Einstellung an. Turin wird nicht als postkartentaugliches Italien gezeigt, sondern als kühle, industrielle Stadtlandschaft mit winterlichem Licht; Wohnräume erscheinen fragmentiert, über Flure und Türrahmen, als Topografie emotionaler Abgeschlossenheit. Zum stärksten Bild des Films wird die Lingotto-Piste, die einstige Fiat-Teststrecke: Hier erlebt Gioia einen kurzen Moment subjektiver Freiheit, und hier endet der Film mit einer Kunstinstallation in leerem Raum – die Architektur übernimmt buchstäblich die Erzählung, wenn die Figuren selbst längst verschwunden sind. 

Ähnlich sorgfältig gesetzt ist der Soundtrack. David Bowies Modern Love grundiert die Eröffnungssequenz, Richard Sandersons aus La Boum – Die Fete bekanntes Lied Dreams Are My Reality liefert den Klang zu Gioias Fantasiewelt aus Kitschfilmen und Literatur, und Erik Saties Gymnopédie Nr. 1 verstärkt in der Lingotto-Sequenz das Gefühl einer sich nie auflösenden, zyklischen Emotion. Zusammen mit New Orders Blue Monday entsteht so eine Art zweites, musikalisches Drehbuch, das Figuren und Illusionen oft treffender charakterisiert als der Dialog. 

Wenn der Spannungsbogen schlapp macht 

Nur: Trotz all dieser handwerklichen Qualitäten – Bildgestaltung, Kostüm, Musik, Schauspiel – wird La Gioia – Süchtig nach dir nie zu dem Thriller, als der er verkauft wird. Gerade in der zweiten Hälfte, in der der Film direkter und weniger allegorisch erzählt als Gelorminis Debüt Fortuna, zieht sich die Geschichte spürbar in die Länge. Man ahnt früh, wohin die Reise geht, und der Film nimmt sich dafür überraschend viel Zeit, ohne dass echte Spannung entsteht – die Katastrophe wird eher beobachtet als gefürchtet. Das mindert nicht die psychologische Genauigkeit, mit der Gelormini seine beiden Hauptfiguren zeichnet, wohl aber den Sog des Films als Ganzes. 

Credits

OT: „La Gioia“
Land: Italien
Jahr: 2025
Regie: Nicolangelo Gelormini
Buch: Giuliano Scarpinato, Benedetta Mori, Chiara Tripaldi
Vorlage: Giuliano Scarpinato, Gioia Salvatori
Musik: Tóti Guðnason
Kamera: Gianluca Rocco Palma
Besetzung: Valeria Golino, Saul Nanni, Jasmine Trinca, Francesco Colella, Betti Pedrazzi

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La Gioia – Süchtig nach dir
fazit
"La Gioia - Süchtig nach dir" überzeugt mit starken Darstellern, präzisen Kostümen und einer von Architektur wie Musik getragenen Bildsprache, verliert sich aber in seiner Länge, ohne wirkliche Spannung zu erzeugen.
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