© Variations on Violence

Variations on Violence

„Variations on Violence“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Johnny (Lars Drew) ist Soldat bei der US-Army, doch während viele seiner Kameraden an der Front dienen, ist seine Aufgabe eine ganz andere. Als Drohnenpilot beobachtet und tötet er Ziele, die weit entfernt von seiner Heimat sind. Obwohl er die Konsequenzen seiner Missionen nicht direkt sieht und nur erahnen kann, haben seine Einsätze Spuren bei dem jungen Mann hinterlassen. Immer wieder plagen ihn schreckliche Visionen von Menschen, die durch seine Drohneneinsätze ihr Leben verloren haben könnten. Weder am Tag noch in der Nacht hat er Ruhe vor diesen Albträumen und Bildern.

Seine Schwester Mary (Noelia Antweiler) ahnt, was ihr Bruder durchmachen muss, doch sie hat mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Sie fühlt sich einsam und sehnt sich nach einer Beziehung. Mit Johnny geht sie hin und wieder in die Bars der Umgebung, aber zu mehr als kurzen Annäherungen zwischen ihr und anderen Männern kommt es nicht. Findet sie doch jemanden, ist die Beziehung meist nicht von langer Dauer.

Mit der Zeit werden Johnnys Visionen immer schlimmer, sodass er nicht mehr zwischen Realität und Traum unterscheiden kann. Mary fürchtet, dass ihr Bruder sich etwas antun könnte, damit sein Trauma endlich ein Ende hat. Doch trotz ihrer Versuche, sich ihm zu nähern und Verständnis zu zeigen, scheint Johnny ihr immer mehr zu entgleiten.

Neue Kriege

Eigentlich versteht sich Zachary Nichols mehr als bildender Künstler und Bildhauer denn als Filmemacher. Bei seiner Arbeit an Variations on Violence, die ursprünglich als Kunstinstallation intendiert war, stellte sich jedoch heraus, dass bei diesem Thema eine andere erzählerische Form besser passen würde. Während seiner Recherche beschäftigte sich Nichols mit dem Drohnenkrieg als neuer Form des Krieges, wie er den Krieg an sich verändert und wie Menschen damit umgehen, wenn sie aus weiter Entfernung militärische Ziele ins Visier nehmen. Für Variations on Violence, der aktuell auf dem Filmfestival Oldenburg zu sehen ist, sprach er mit Militär-Drohnenpiloten des US-Militärs über ihre Erfahrungen und darüber, welche Spuren dieser „Krieg aus der Distanz“ bei ihnen hinterlassen hat. Sein Film ist auf der einen Seite ein Beziehungsdrama und auf der anderen Seite eine bisweilen sehr experimentelle Sichtweise auf das Trauma eines Krieges. Nichols nimmt sowohl die Beteiligten selbst als auch ihr Umfeld dabei in den Blick.

Bilder und Eindrücke von Kriegstraumata meint man als Zuschauer von vielen Kriegsfilmen zu kennen. Filme wie Kathryn Bigelows Tödliches Kommando – The Hurt Locker oder Oliver Stones Platoon nehmen zwar unterschiedliche Kriegsschauplätze in den Fokus, jedoch sind die körperlichen und psychologischen Traumata dieselben. Ein normales Leben ist nicht mehr möglich, weil sich unter anderem die Perspektive auf Normalität verändert hat – es zieht einen zurück in den Konflikt, weil nur dort alles einen Sinn zu haben scheint. Ähnlich ergeht es Johnny, gespielt von Lars Drew, der nur einen vagen Bezug zur Normalität zu haben scheint, weil seine Visionen so stark geworden sind, dass er die Realität nur noch durch deren Filter wahrnehmen kann. Die Versuche seiner Schwester, ein Gespräch zu führen, lösen sich auf vor Bildern einer Drohne, die über ein Kriegsgebiet fliegt. Eine verpixelte Aufnahme einer Häuserfront löst sich auf in einer Explosion und Johnny schreckt auf – unsicher, ob er bei einem seiner Einsätze ist oder zu Hause in vermeintlicher Sicherheit.

Nichols gibt seinem Zuschauer nicht die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Die Distanz, die man bei vielen vergleichbaren Geschichten hat, gibt es in Variations on Violence nicht. Wir erleben mit, wie plötzlich, drastisch und verstörend diese Bilder und Geräusche auf Johnny einprasseln. Teils wird dies zu einer schwer erträglichen Kakophonie, aus der man sich – wie auch Johnny – wegwünscht. Drew betont die körperliche und mentale Erschöpfung seiner Figur, die keine Ruhe mehr findet und der es immer schwerer fällt, einen Weg zurück zu so etwas wie einer Normalität zu finden.

Annäherungsversuche

Jedoch ist dies nicht die einzige Perspektive, die Variations on Violence zeigt. Durch Noelia Antweilers Mary erhalten wir eine andere Sichtweise auf Johnnys Trauma, die zwischen Verständnis und Empathie sowie den eigenen Problemen schwankt, bei denen sie auf Johnnys Hilfe angewiesen wäre. Da sie die Gespräche führen muss und sich bemüht, ihren Bruder wieder zurück in die Realität zu holen, ist auch ihr Leben geprägt von der Gewalt und dem Trauma dieser neuen Kriege. Antweiler betont ebenfalls die emotionale Erschöpfung einer Figur, die immer mehr an ihrer Einsamkeit sowie der Hilflosigkeit leidet, da sie Johnny aus seiner Katatonie nicht befreien kann.

So wird Variations on Violence zu einem intensiven Kammerspiel. Die Szenen der beiden Figuren zeugen von Annäherung und Rückzug, während die audiovisuell verfremdeten Eindrücke des Krieges zunehmend die Welt der Charaktere überlagern. In Nichols‘ Film ist das Kriegstrauma kein Thema bei Tisch oder eine Diagnose – es übernimmt den Alltag der Menschen und wird zu einem alles einnehmenden Virus.

Credits

OT:Variations on Violence
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Zachary Nichols
Drehbuch: Zachary Nichols
Kamera: Sean Hanley
Besetzung: Noelia Antweiler, Lars Drew, Krissy Garber, Zainab Sadia Saeed, Eric Wilson

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Variations on Violence
fazit
"Variations on Violence" ist ein intensives und bisweilen verstörendes Drama über die psychischen Folgen einer neuen Form der Kriegsführung. Zachary Nichols zeigt, wie die vermeintliche Distanz des Drohnenkriegs zusammenbricht und die Gewalt schließlich den Alltag der Menschen vollständig einnimmt.
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