
Das Leben der 17-jährigen Annie (Ella Rubin) wird auf den Kopf gestellt, als sie nicht an einer renommierten Wirtschaftsschule aufgenommen wird, wie sie es eigentlich geplant hatte. Und das ist nicht die einzige unerwartete Wendung: Ihr entfremdeter Großvater ist gestorben und hat Annie sowie ihrem Zwillingsbruder Connor (Keen Ruffalo) eine Insel in Kanada hinterlassen. Und so beschließen die beiden Jugendlichen, die bei ihrem Adoptivvater Steven (Jay Duplass) in New York City aufgewachsen sind, sich das vor Ort anzusehen. Dabei erhoffen sie sich nicht nur Inspirationen für ihre Zukunft. Annie will auch ihrer Vergangenheit nachspüren und mehr über ihre verstorbene Mutter herausfinden …
Drama auf der Insel
Drama geht immer! Dieser Ansicht ist man offensichtlich bei Amazon Prime Video, das mit dem Genre gute Erfahrungen zu machen scheint. Zumindest veröffentlicht der Streamingdienst regelmäßig neue Beiträge aus diesem Bereich, bei denen es dann ordentlich menscheln darf. Da war vor einigen Wochen etwa Every Year After über eine alte Jugendliebe, die noch einmal eine zweite Chance erhält. Auch in Love Me, Love Me ging es um die Liebe, wenn eine Jugendliche zwischen zwei grundverschiedenen Männern steht. Mit Culpa Tuya – Deine Schuld: London gab es zudem den neuesten Teil des erfolgreichen Franchises. Wer das alles schon durch hat und noch mehr Drama auf dem Bildschirm sehen möchte, hat jetzt dank Sterling Point die Möglichkeit dazu.
Im Gegensatz zu den obigen Titeln gibt es hier jedoch keine Romanvorlage, auf die man sich stützen könnte. Gibt es keine bestehende Fanbase, die angezapft werden könnte. Stattdessen hat sich Megan Park, die als Schauspielerin ihre Karriere begonnen hat, inzwischen aber auch immer wieder selbst inszeniert und schreibt, die Geschichte einfallen lassen. Der Anfang ist dabei noch irgendwie mysteriös. Sterling Point arbeitet mit offenen Fragen zur Vorgeschichte der Hauptfiguren und deren Familie. Außerdem ist das Erbe einer abgelegenen Insel etwas, das grundsätzlich neugierig macht, da wir eine solche mit Abenteuern oder Krimis in Verbindung bringen. Im Genrekino ist dieses Setting nicht ohne Grund sehr beliebt. In dieser Hinsicht sollte man aber nichts erwarten. Die Serie ist in erster Linie ein figurenbezogenes Drama.
Nicht sehr interessant
Das heißt nicht, dass es hier nicht das eine oder andere Geheimnis gibt, welches die Figuren entdecken müssen. Schließlich wird von Anfang an stark impliziert, dass da einiges nicht ausgesprochen wurde. Nur sind die Geheimnisse nicht sonderlich interessant. In Sterling Point geht es überwiegend darum, wer mit wem etwas hatte oder Gefühle hatte. Manche der Probleme sind nachvollziehbar, andere weniger. Zuweilen ist das hier mal wieder alles ziemlich forciert und konstruiert. Dinge geschehen, weil sich manche dämlich verhalten. Zu einem gewissen Maß ist das zwar menschlich. Wer ist nicht hin und wieder umständlich oder kompliziert? Wenn das aber zum Selbstzweck wird und immer wieder Konflikte unnötig in die Länge gezogen werden, ist es schwierig, sich noch dafür zu interessieren.
Insgesamt ist die Serie dann auch nicht weiter erwähnenswert. Das Setting macht schon Laune, die Landschaft ist schön anzusehen und verbreitet eine gewisse Urlaubsstimmung. Die Besetzung ist zudem attraktiv, das ist sie ja immer bei solchen Produktionen. Wem das reicht, kann hier einmal vorbeischauen. Wirklich viel verkehrt macht man hiermit nicht, wenn eine Gruppe junger Menschen sich selbst suchen und mit komplizierten Gefühlen klarkommen müssen. Spannend ist Sterling Point aber nicht. Die Serie hat nicht wirklich viel Eigenes zu erzählen, in Erinnerung bleibt da wenig. Schauspielerisch ist da jetzt auch nichts dabei, das als wirkliches Argument durchgehen würde, warum man sich das anschauen muss. Da gibt es einfach deutlich bessere Jugenddramen.
OT: „Sterling Point“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Megan Park, Aurora Guerrero, Andrew Ahn
Drehbuch: Megan Park, Warren Hsu Leonard, Erica Lipez, Jared Frieder, Raffi Donatich, Jared Lopez, Katie Boland
Idee: Megan Park
Musik: Tyler Hilton, Jaco Caraco
Kamera: Kristen Correll, Ante Cheng
Besetzung: Ella Rubin, Amélie Hoeferle, Jacob Whiteduck-Lavoie, Daniel Quinn-Toye, Bo Bragason, Keen Ruffalo, Mabel Strachan, Missi Pyle, Jay Duplass, Jeffrey Dean Morgan
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