Vertiginous Le Vertige
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Vertiginous Le Vertige
„Vertiginous“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Die Freude von Bruno hält sich in Grenzen, als ihn sein bester Freund Jacques früh morgens aus dem Bett klingelt. Denn eigentlich wollten er und seine hochschwangere Freundin noch schlafen. Doch es ist zu wichtig, was Jacques da zu sagen hat. Und richtig verrückt, behauptet er doch allen Ernstes, dass sie alle in einer Simulation leben und nichts von dem, was sie sehen und berühren, real ist. Bruno will das natürlich nicht glauben, hält seinen Kumpel für übergeschnappt. Dann beginnt dieser aber, auf eigenartige Phänomene aufmerksam zu machen, die sich abspielen. Und tatsächlich wachsen auch in dem Skeptiker die Zweifel, ob die Welt, die er kennt, so stimmt. Nur was bedeutet das? Und können die zwei etwas dagegen ausrichten, in dieser Simulation gefangen zu sein?

Komische Realitätsflucht

Quentin Dupieux ist sicher einer der bemerkenswertesten Regisseure der Gegenwart. Nicht nur, dass der auch unter seinem Musikprojekt Mr. Oizo bekannte Franzose auch ein Vierteljahrhundert nach seinem ersten Film noch eine verrückte Idee nach der anderen heraushaut. Er ist dabei außerdem sehr produktiv. Seit einiger Zeit hat er jährlich Nachschub am Start, vereinzelt sind es sogar zwei neue Filme pro Jahr. Nachdem er vergangenes Jahr in The Piano Accident von einer schmerzbefreiten Influencerin und einem folgenreichen Unfall erzählte, gab es 2026 wieder ein Doppel zu bewundern. Zum einen kehrte er mit Full Phil zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt zum englischsprachigen Kino zurück und konnte mit Woody Harrelson und Kristen Stewart zwei echte Hollywoodstars engagieren. Zur gleichen Zeit feierte auch Vertiginous Premiere, das für Dupieux selbst ein Novum ist: Es handelt sich um seinen ersten Animationsfilm.

Wenig überraschend geht er dabei visuell einen eigenen Weg. Schön ist es sicher nicht, was er da zu zeigen hat. Vielmehr greift er auf eine Optik zurück, die an selige PS2-Zeiten erinnert. Zwar sind die Vorbilder der Figuren klar zu erkennen: Alain Chabat und Jonathan Cohen spielen die beiden Protagonisten. Aber das ist alles schon extrem grob modelliert, die Hintergründe und Texturen sind spärlich, die Animationen abgehackt. Auf den ersten Blick wirkt Vertiginous wie das Werk eines Debütanten und Dilettanten. Und doch haben diese Bilder ihren eigenen Charme. Sie passen auch zu der absurden Atmosphäre dieses Abenteuers. Es ist eine Sache, wenn reale Schauspieler erkennen müssen, dass das um sie herum alles falsch ist – siehe Die Truman Show oder Free Guy. Aber wenn Figuren, die ohnehin aussehen, als wären sie einem Videospiel entnommen, darüber diskutieren, ob sie in einer Simulation leben, dann bringt das eine eigene Komik mit sich.

Ein kurzes Vergnügen

Dupieux zieht das Vergnügen zum einen aus der Präsentation, wenn alles bewusst billig aussieht und für ein heutiges Publikum irgendwie surreal. Aber auch inhaltlich hat der Film etwas zu bieten. Dabei sollte man keine hochtrabend philosophischen Diskurse erwarten, ob und wie eine Realität überprüft werden kann. Es steht dann doch primär der Spaß im Vordergrund, nicht das Thema an sich. Interessanter ist da schon die zweite Hälfte, wenn Vertiginous von den langfristigen Folgen dieser ungeheuren Entdeckung handelt. Der Film gewinnt dabei sogar eine satirische Note, wenn er sich mit den menschlichen Abgründen auseinandersetzt, von Gier und Dummheit handelt.

Sicher hätte man das alles noch etwas weiter treiben können, Themen vertiefen, komplett abdrehen. Doch das will Dupieux gar nicht, er zielt auf skurrile Einfälle ab, die er in kurzer Zeit abarbeitet. Seine Filme sind traditionell kürzer, meist um die 80 Minuten lang. Bei Vertiginous hat es nicht einmal für die 70 gereicht. Das ist einerseits schade, weil man schon das Gefühl hat, dass da Potenzial auf der Strecke geblieben ist. Andererseits wird es einem aber eben auch nicht langweilig. Der Mix aus Komödie, Mystery und Science-Fiction, der 2026 auf der Quinzaine des cinéastes in Cannes Weltpremiere hatte, ist ein wohltuend schräger Film für zwischendurch, wenn man mal wieder eine Auszeit von der Realität braucht. Oder von dem, was wir für die Realität halten.

Credits

OT: „Le Vertige“
Land: Frankreich
Jahr: 2026
Regie: Quentin Dupieux
Drehbuch: Quentin Dupieux

Bilder

Trailer

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Vertiginous
fazit
In „Vertiginous“ entdecken zwei Freunde, dass sie nur in einer Simulation leben. Das Konzept ist bekannt, wird bei Quentin Dupieux aber zu einem schön schrägen Mix aus Komödie, Mystery und Science-Fiction. Die PS2-Optik verleiht dem Animationsfilm noch einen eigenen Charme.
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