
Tommy (Mason Thames), Teenager aus einer Kleinstadt bei Kansas City, glaubt das Telefonat seines Lebens zu bekommen, nachdem er bei einer Autogrammstunde im lokalen Plattenladen ein Demotape bei der Band Green Day abgegeben hat: Tré Cool persönlich lädt seine Band Analog Dogs ein, an Silvester in Los Angeles als Vorgruppe von Green Day aufzutreten. Tatsächlich handelt es sich um einen Streich seines älteren Bruders Wayne (Keen Ruffalo), der Tommys musikalische Ambitionen nicht ernst nimmt. Ohne zu fragen leiht sich Tommy Waynes Auto, sammelt seine Bandkollegen Chad (Kylr Coffman) und Fred (Ryan Foust) ein, und die drei brechen zu einem Roadtrip quer durch die USA auf. Unterwegs häufen sich Pannen, Streit und skurrile Begegnungen; kurz kreuzt Reisebekanntschaft Olivia (McKenna Grace) ihren Weg, und in einer Bar überzeugen sie sogar eingefleischte Country-Musik-Fans von ihrem Talent. In Los Angeles müssen sie sich dann jedoch der Wahrheit stellen.
Der Highway ins Déjà-Vu
Wer ein paar Roadmovie-Komödien der letzten zwanzig Jahre gesehen hat, kennt jede Kurve dieser Strecke, bevor sie in Nimrods: A Green Day Comedy gefahren wird. Kaum haben Tommy und seine Freunde den Highway erreicht, wartet der erste Pflichttermin: ein Spontanauftritt in einer Redneck-Country-Kneipe direkt an der Interstate, bei dem die drei punkaffinen Jungs auf ein Publikum treffen, das mit ihrer Musik eigentlich nichts anfangen will – und sie trotzdem, gegen jede Erwartung, für sich gewinnen. Es folgt die branchenübliche Zwischenromanze mit Olivia, dazu die routinierten Zerwürfnisse innerhalb der Band, und, als Gruselnummer mit Ansage, eine nächtliche Motel-Episode, die unverhohlen bei Hitchcocks Psycho Anleihen nimmt, ohne am Ende mehr zu hinterlassen als einen kurzen Schreckmoment.
Regisseur Lee Kirk, der zuvor mit leiseren Arbeiten wie Ordinary World – Eine ganz “normale” Rockstar-Welt (2016, ebenfalls schon mit Green Day Frontmann Billie Joe Armstrong) und The Giant Mechanical Man (2012) für ein Indie-Kino der Randfiguren stand, wechselt hier merklich ins Baukastenprinzip der Teenkomödie. Immerhin trägt das Trio den Film: Mason Thames, seit The Black Phone – Sprich nie mit Fremden als verletzlicher, entschlossener Teenager etabliert und zuletzt als Hicks im Realfilm Drachenzähmen leicht gemacht durchaus überzeugend, bleibt auch hier solide, aber nicht mehr. McKenna Grace, seit ihrer vielgelobten Rolle in Ghostbusters: Legacy über ihr Alter hinaus geschätzt, bekommt als Olivia kaum Raum, ihr Talent zu zeigen – sie huscht durch die Geschichte, ohne echte Spuren zu hinterlassen.
Zurückhaltung mit Zugabe
Bemerkenswert ist, wie sehr sich Green Day selbst zurücknehmen, obwohl ihr Name auf dem Plakat steht und die Band als Produzenten und Ideengeber hinter dem gesamten Projekt steht. Der Auftritt bei der Autogrammstunde bleibt bewusst beiläufig, fast banal – keine Heldenpose, keine Nahaufnahmen. Diese Zurückhaltung passt zur erklärten Absicht, keinen klassischen Fanfilm zu drehen, wirkt praktisch aber auch seltsam halbherzig: Eine Band, die als Sehnsuchtsobjekt der Hauptfiguren fungiert, bleibt über weite Strecken nur Behauptung. Erst im Finale löst der Film dieses Versprechen ein – gleich in doppelter Dosis. Das abschließende Silvesterkonzert nimmt sich ausführlich Zeit für Live-Performance, und wer bis nach dem Abspann sitzen bleibt, bekommt zusätzliche Konzertmitschnitte serviert, aufgenommen im Palladium in Los Angeles.
Der rund 30 Songs starke Soundtrack, ergänzt um vier bislang unveröffentlichte Live-Aufnahmen und die neue Single I’m Never Gonna R.I.P., macht unmissverständlich klar, an wen sich der Film in solchen Momenten wirklich wendet: an die Generation, die mit Dookie und American Idiot groß geworden ist. In Deutschland wird genau dieser Aspekt sogar zum Verkaufsargument – als 4K-Event-Kino mit eigens produzierter Bandeinleitung. Wer diese Fanservice-Rechnung mitträgt, bekommt am Ende, wofür er gekommen ist. Wer stattdessen auf eine Geschichte gehofft hatte, die mehr wagt als die x-te Variante des altbekannten Coming-of-Age-Roadtrips, wird mit einem freundlichen, aber folgenlosen Achselzucken entlassen.
OT: „Nimrods“
Land: USA
Jahr: 2025
Regie: Lee Kirk
Buch: Lee Kirk
Musik: Alec Puro
Kamera: David Robert Jones
Besetzung: Mason Thames, Kylr Coffman, Ryan Foust, Angela Kinsey, Fred Armisen, Bobby Lee, Jolene, Keen Ruffalo, Ignacio Diaz-Silvero, Sean Gunn, Josh Fadem, Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt, Tré Cool, McKenna Grace
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