
Carrie White (Angela Bettis) wächst zurückgezogen mit ihrer Mutter Margaret (Patricia Clarkson) auf, einer streng religiösen Frau, die überall die Sünde wittert. Die scheue Jugendliche passt daher kaum in die Schule und wird von den anderen dort auch regelmäßig gemobbt. Vor allem Chris Hargensen (Emilie de Ravin) und Tina Blake (Katharine Isabelle) haben es auf sie abgesehen. Als Carrie ihre erste Periode hat und darauf nicht von ihrer Mutter vorbereitet wurde, glaubt sie, sterben zu müssen – was sie erneut zum Opfer ihrer Mitschülerinnen macht. Erst als ihre Lehrerin Miss Desjarden (Rena Sofer) einschreitet, hat die Tortur ein Ende. Doch eben dieses Einschreiten bedeutet auch, dass die Lage an der Schule immer weiter eskaliert. Gleichzeitig macht Carrie eine überraschende Entdeckung …
Auftakt einer nie gedrehten Serie
Was einmal geht, das geht auch mehrfach. Zumindest bei Stephen King scheint man dieser Ansicht zu sein. So kommt es regelmäßig vor, dass seine Geschichten gleich mehrfach adaptiert werden. Hin und wieder ist eine solche Neuauflage erfolgreich, siehe Es. Meistens stellt sich aber heraus, dass man das doch vielleicht lieber hätte bleiben lassen sollen, wie zuletzt Salem’s Lot – Brennen muss Salem und The Running Man demonstrierten. Und auch bei Carrie muss man im Nachhinein sagen, dass Zeit und Geld anderweitig sicher besser hätten verwendet werden können. Ursprünglich als Pilotfolge einer Serie produziert, wurde aus Letzterer nichts. Der Film selbst kam auch gar nicht gut beim Publikum an, obwohl das Drehbuch immerhin von Bryan Fuller (Hannibal) geschrieben wurde.
Aber es ist auch weniger der Inhalt an sich, der hier störend ist. Schließlich hat man sich eng an die Vorlage gehalten. Dass die Geschichte in die Gegenwart verlegt wurde und damit dreißig Jahre in die Zukunft, ist nicht schlimm. Mobbing ist schließlich in den 2000ern ebenso aktuell wie in den 1970ern. Man hätte sicherlich diese Verlegung nutzen können, um auch bei der Handlung für Neuerungen zu sorgen – Stichwort Internet. Dass darauf verzichtet wurde, ist verschenktes Potenzial, aber letztendlich nicht sehr wichtig. Relevanter ist da schon, wie Carrie das Ende des Romans umschreibt, eben mit dem Ziel, dass danach noch eine Fortsetzung kommen kann. Ein puristisches Publikum könnte empört sein. Prinzipiell funktioniert die Neufassung aber schon und man darf sich fragen, wie es danach wohl weitergegangen wäre, hätte es die Serie doch noch gegeben.
Billig und spannungsarm
Tatsächlich problematisch ist dafür die Umsetzung. So macht sich beispielsweise die TV-Herkunft bei den billigen Spezialeffekten bemerkbar. Die Szenen gegen Ende hin, wenn es ordentlich zur Sache geht, entwickeln überhaupt keine Wirkung, weil alles falsch aussieht. Fans wissen, dass die Protagonistin eine unbekannte und unheimliche Seite an sich entdeckt, wodurch die Geschichte eine andere Richtung einschlägt. Wenn diese Besonderheit aber so schäbig präsentiert wird, bringt das nicht sehr viel. Spannend wird Carrie auch nie. Während die Mobbingszenen noch einigermaßen überzeugend sind, versagt die TV-Adaption als Horrorfilm. Ein Grund dafür ist, dass die Verhörszenen, welche quasi die Rahmenhandlung bilden, sich ewig ziehen. Mit 132 Minuten Laufzeit ist das insgesamt viel zu lang geworden.
Und dann ist da noch die Besetzung. Dass man für die neue Protagonistin jemanden wollte, der etwas aktiver ist, als es Sissy Spacek 1976 in Carrie – Des Satans jüngste Tochter war, ist zwar prinzipiell in Ordnung. Man darf auch eigene Akzente setzen. Dass aber eine 29-Jährige eine Teenagerin spielen soll, war völlig idiotisch. Man nimmt ihr das zu keiner Zeit ab. Klar, in Hollywood werden häufiger mal Leute engagiert, die zu alt für die Rollen sind. Hier wird es aber so albern, dass es einen zu oft aus dem Geschehen reißt. Da Bettis zudem recht ausdruckslos agiert, darf man Carrie getrost ignorieren. Auch wenn die Geschichte für sich genommen immer noch gut war, die Adaption war lediglich mäßig. Und eben überflüssig, die erste Version reicht nach wie vor aus.
OT: „Carrie“
Land: USA
Jahr: 2002
Regie: David Carson
Drehbuch: Bryan Fuller
Vorlage: Stephen King
Musik: Laura Karpman
Kamera: Victor Goss
Besetzung: Angela Bettis, Patricia Clarkson, Rena Sofer, Kandyse McClure, Emilie de Ravin

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