Regisseur Matthew Walker bei der Deutschlandpremiere von "Shaun das Schaf: Spuk im Kürbisfeld" beim Filmfest Hamburg 2026

Matthew Walker [Interview]

Halloween muss groß gefeiert, selbst als Schaf! Doch dann geht in Shaun das Schaf: Spuk im Kürbisfeld alles schief. Schlimm genug, dass der tollpatschige Farmer die schöne Ernte der Herde zerstört. Als sich Shaun danach an einem Experiment versucht, welches die Kürbisse schneller wachsen lassen soll, hat er zwar Erfolg. Leider hat seine Mixtur aber auch unerwünschte Folgen, als sie in die falschen Hände gerät. Der dritte Kinofilm um die beliebte Stop-Motion-Truppe startet am 1. Oktober 2026. Wir hatten das Glück, Regisseur Matthew Walker während der Deutschlandpremiere beim Filmfest Hamburg 2026 einige Fragen stellen zu dürfen. Im Interview zu dem Animationsabenteuer spricht er über filmische Einflüsse, die Herausforderungen einer Kinoproduktion und was er gern erfinden würde.

Shaun das Schaf ist eine feste Größe, seinen ersten Auftritt hatte er vor mehr als 30 Jahren. Warum ist er deiner Ansicht nach immer noch so populär?

Das hängt teilweise sicher auch mit der Art der Komik zusammen, weil es bei ihm keine Dialoge gibt. Wir machen ja im Grunde Stummfilme. Dadurch kann bei der Übersetzung nichts verlorengehen. Aber es sind auch die Figuren an sich, Shaun und all die anderen. Das sind alles Figuren, mit denen du dich gut identifizieren kannst. Und dann kommt noch die Dynamik zwischen diesen Figuren hinzu. Du hast Shaun und die Herde, den Farmer und Bitzer, den Hund. Die sind wie eine Familie, was viel zu der Komik beiträgt. Außerdem kannst du eigentlich alles mit ihnen machen. Wir kennen diese Figuren inzwischen so gut, dass du sie in alle möglichen Situationen stecken kannst und darin die Komik findest.

Du hast zuvor auch schon an der Serie gearbeitet, Spuk im Kürbisfeld ist dein erster Langfilm. Wie war diese Erfahrung für dich?

Das war natürlich ein großer Schritt für mich und mit einer steilen Lernkurve verbunden. Wenn du eine Folge mit sechs Minuten Länge drehst, musst du dir nicht so viele Gedanken machen wie bei einem Film, der 80 Minuten dauert. Eine Herausforderung war, das Gesamtbild im Auge zu behalten und die einzelnen Szenen als Teil einer großen Geschichte zu drehen. Du musst auch immer aufpassen, dass die Figuren sich treu sind, auch über eine so lange Distanz hinweg. Bei einem Film läufst du immer Gefahr, dass du dich ein wenig verlierst. Von daher war es gut, dass ich mir die Regie mit Steve Cox teilen konnte, weil wir beide so immer jemanden hatten, mit dem wir an Ideen arbeiten und über alles sprechen konnten.

Und ist es einfacher oder schwieriger, in 80 Minuten eine Geschichte zu erzählen anstatt in ein paar Minuten?

Beides. (lacht) Es ist auf der einen Seite einfacher, weil du dir alle Zeit nehmen kannst, die du brauchst, um die Geschichte zu erzählen. Du kannst sehr viel mehr Nuancen einbauen. Wenn du nur sechs Minuten hast, bist du schon sehr eingeschränkt und musst ganz effizient arbeiten. Aber es gibt eben auch die Herausforderungen bei einem Langfilm, von denen ich gesprochen habe. Dazu gehört, dass du einen Weg finden musst, dich nicht selbst zu wiederholen, und wir bei jedem Film etwas Neues bieten wollen.

Wie lange habt ihr insgesamt gebraucht, von der ersten Idee bis zum fertigen Film?

Insgesamt müssen das um die vier Jahre herum gewesen sein. Steve und ich wurden früh in den Prozess einbezogen. Es gab damals schon die Idee eines Monsters und dass Shaun zu einem verrückten Wissenschaftler wird. Damals war das Ganze noch als halbstündiges Special geplant. Dann wurde die Idee aber immer größer und uns wurde bewusst, dass wir daraus einen Langfilm machen können. Es war auch mal wieder an der Zeit für einen Shaun-Langfilm. Diese Entwicklungsphase dürfte so zwei Jahre gebraucht haben. Danach fing die Vorproduktion an, die auch noch ein Jahr dauerte. Der eigentliche Dreh war vergleichsweise kurz, gerade mal zehn Monate. Das war einer der schnellsten Drehs, die wir je hatten bei Aardman. Und auch die Postproduktion war ziemlich kurz.

In den letzten Jahren hat sich die Animationsindustrie stark gewandelt. Nehmt ihr das als Einfluss auf oder versucht ihr euch auf das Bewährte zu konzentrieren?

Wir versuchen schon, mit der Zeit zu gehen und neue Technologien zu nutzen. Aber es ist uns wichtig, dass wir uns auch selbst treu bleiben und das machen, wofür Aardman bekannt ist. Was die Menschen an unseren Filmen lieben, ist das Handgemachte. Das wollten wir auf jeden Fall bewahren. Wir versuchen so viel wie möglich vor der Kamera zu machen. Das heißt nicht, dass wir nicht auch Computer einsetzen, zum Beispiel beim Meer. Aber es war uns wichtig, dass diese Szenen in diese Stop-Motion-Welt hineinpassen.

Du hast bereits gesagt, dass Shaun in jedem Kontext funktioniert. Dieses Mal habt ihr euch für Halloween entschieden und ihr spielt auch mit bekannten Figuren und Bildern. Wie schwierig war es für euch, die richtige Balance zu finden, einerseits schon diese gruseligen Elemente zu verwenden, aber nicht zu gruselig zu werden? Denn am Ende ist Spuk im Kürbisfeld eine Komödie für Kinder.

Wir hatten Massen an Ideen und Filme, auf die wir anspielen wollten. Aber es war uns bewusst, dass unsere Zielgruppe sehr jung ist und dass wir darauf Rücksicht nehmen müssen. Ein bisschen Spannung sollte schon drin sein. Aber es war immer klar, dass die Komik an erster Stelle stehen sollte, dass wir auf Humor setzen, nicht auf Horror. Wir haben deshalb auch immer von einem Halloween-Film gesprochen und nicht von einem Horrorfilm. Wir wollten diese bekannten Elemente nutzen, um das Publikum zum Lachen zu bringen, nicht zum Fürchten.

Was waren diese Filme, auf die ihr anspielen wolltet?

Eine frühe Inspiration waren die Horrorfilme von Hammer Film Productions. Das sind einfach Klassiker des Genres, besonders Dracula und Frankenstein. Sachen wie die Windmühle am Ende und der Sturm wurden davon inspiriert. Wir wollten aber auch, dass sich der Film wie ein Abenteuerfilm aus den 80ern anfühlt. Zurück in die Zukunft zum Beispiel, also nicht nur Horror.

Du hast die Figur des verrückten Wissenschaftlers erwähnt. Wenn du ein solcher wärst und alles erfinden könntest, was du willst, was wäre deine erste Wahl?

Ich liebe die Idee der Zeitreise. Aber ich weiß, dass diese furchtbare Folgen haben kann, wenn du die Vergangenheit veränderst und dadurch alles durcheinanderkommt. Also sollte ich wohl besser die Finger davon lassen. Aber vielleicht könnte ich stattdessen einen Zeitreisefilm machen, das würde Spaß machen.

Vielleicht im vierten Shaun das Schaf Film?

Vielleicht. Die Idee gefällt mir.

Neben Shaun gibt es in diesem Franchise viele andere Figuren. Welche ist dein Liebling?

Bitzer. Er ist wahnsinnig lustig und ich kann mich gut mit ihm identifizieren. Er versucht immer, alles richtig zu machen – und dann geht doch dauernd etwas schief. Ich mag es, wie er das Bindeglied zwischen dem Farmer und der Herde ist. Auf der einen Seite versucht er, die Arbeit des Farmers zu machen und alles am Laufen zu halten. Aber er muss sich eben auch mit dem Chaos der Herde beschäftigen. Er steht immer irgendwo dazwischen, was es sehr leicht macht, sich Gags zu ihm auszudenken.

Vielen Dank für das Interview!



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