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Linkin Park: Unshatter

„Linkin Park: Unshatter“ // Deutschland-Start: 30. September 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Zwischen dem Tod von Chester Bennington am 20. Juli 2017 und dem Release-Konzert des Albums From Zero von Linkin Park am 15. November 2024 in São Paulo liegen genau sieben Jahre, drei Monate, drei Wochen und fünf Tage, oder insgesamt 2675 Tage. Bei einem Tod, der weltweit Millionen von Herzen hat brechen lassen, bei Menschen, die Bennington gar nicht persönlich kannten, kann kaum annährend erahnt werden, was dieser innerhalb der Band ausgelöst hat, mit der viele aus mindestens der Generation Z aufgewachsen sind. Was der Prozess bedeutet, nach solch einer Tragödie als Musikgruppe, als Persönlichkeiten, wieder auf die Beine zu kommen, und aus der verbliebenen Asche einen positiv gestimmten, wieder Spaß habenden Phönix auferstehen zu lassen, zeichnet Linkin Park: Unshatter nach, ein Dokumentarfilm, bei dem Linkin Parks eigener DJ Joe Hahn Regie führte.

„Cock it back and then watch it go“

Der Film startet im Jahre 2022 – fünf Jahre nach Chesters Tod, ohne weitere Throwbacks oder nähere Beschreibungen; Ground Zero für die Band quasi, als man sich langsam wieder daran traute, zusammen zu musizieren und behutsam, eventuell, sogar in eine Art Zukunft zu blicken, doch dies alles ganz unverbindlich. Der Stil von Linkin Park: Unshatter ist ein äußerst gängiger, der typischen MTV-Dokumentation der 2000er nicht unähnlicher: Talking Heads der Bandmitglieder und der nah assoziierten Personen tauchen auf, doch davor gibt es starke Konzertvideo-Vibes, die die Richtung des Films vorgeben sollen – Unshatter ist kein Nachruf, sondern eine Wiedergeburt, eine Zelebration.

Im November 2022 versammeln sich die übrigen Bandmitglieder Mike Shinoda, Joe Hahn und Dave Farrell im Studio, auch ein Brad Delson würde in einer reduzierten, aber Entscheidungen tragenden Rolle wieder mitmachen. Ein passionierter, kreativer Schlagzeuger ist in Colin Brittain fix gefunden, doch wer soll die riesigen Fußstapfen eines Chester Bennington füllen können? Geht es überhaupt darum, diese auszufüllen? Oder liegt der Fokus erst einmal darauf, den Spaß und die Lockerheit am Musikmachen wiederzufinden? Klar wird: Linkin Park sind noch lange nicht im Alter, an die Rente zu denken, aber tragen auch eine übergroße Bürde mit sich. Zumindest für Mike Shinoda ist es eindeutig: Eine neue Gesangsperson muss her, denn er selbst hat seine Stimme genug ausgereizt und braucht einen kongenialen Gegenpart.

„Remember all the sadness and frustration and let it go“

In all diesen Séancen, die die Band ab 2022 abhält, wird klar, dass auch Multimillionäre, die den Sound einer ganzen Generation geprägt haben und bis heute damit viral gehen, einfache Menschen mit einerseits dem Drang nach Kreativität und Öffentlichkeit sind, andererseits aber auch sowohl traurig als auch goofy sein können. Das Drücken auf die Tränendrüse, das offensichtlich mit dem Tod Chester Benningtons einhergeht, ist ein authentisches Trauern von Freunden, die sich seit ungefähr 30 Jahre kennen/kannten. Und doch kippt Unshattered niemals in eine künstlich sentimentale, nostalgisch melancholische Richtung, denn sobald der auf natürlichem Wege gefundene „Ersatz“ in Emily Armstrong deutlich wird, erblickt man eine Band, die endlich wieder druckfreien Spaß am Entstehungsprozess eines Albums hat. Das Einzige, was Linkin Park abseits der Bekanntheit und des Geldes nun von einer kleinen Indie-Band unterscheidet, ist der goldene Broccoli-Korb in der Küche, der wirklich saftige, grüne Broccolis bereithält, jeweils einem kleinen Urwald ähnelnd.

Zwischen Live-Auftritten und Studio-Sessions zeigt sich die Band bodenständig und zielstrebig in einer Entwicklung, die sich stets ergibt, statt erzwungen zu werden. Fast das gesamte Augenmerk liegt auf dem Aktuellen, doch die zwischendurch gezeigten Titelcards reminiszieren ältere Songs, und auch die Auftritte mit der neuen Sängerin Emily Armstrong beinhalten so manche bekannte Banger, die den Kinosaal sicherlich zum Mitsingen animieren werden, aber niemals den unmöglichen Vergleich mit Chester Bennington suchen. Das, was diese Dokumentation an Innovationen im Stil vermissen lässt, macht diese am Inhalt wieder wett: Erfrischenderweise soll kein Nostalgie-Bait stattfinden (und wenn dies geschieht, dann zu den genau perfekten Zeitpunkten, so wie beispielsweise am Ende, kurz vor den Credits). Dabei bleibt Linkin Park: Unshattered zumeist in der Mitte zwischen persönlichem Einblick, professioneller Dokumentation und hochpoliertem Konzertclip, der nur einmal von einer Szene, in der YouTube-Streamende auf den Geschichte-schreibenden Auftritt in Brasilien reagieren, aufgebrochen wird.

Credits

OT: „Linkin Park: Unshatter“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Joe Hahn
Drehbuch: Igor Kovalik
Musik: Alec Puro
Kamera: Adam Evans
Mitwirkende: Emily Armstrong, Mike Shinoda, Joe Hahn, Dave Farrell, Colin Brittain

Trailer

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Linkin Park: Unshatter
fazit
Sucht man nach Effekthascherei, einer medienwirksamen Aufarbeitung von Chester Benningtons Tod oder gar nach einem Dokumentarfilm, der das Rad neu erfindet, ist „Linkin Park: Unshatter“ die falsche Adresse. Diese sehr klassisch geratene, aber stark nach vorne blickende Musik-Doku bietet in jeglichem Fall eine Heimat für alte und neue Linkin Park Fans und für alle, die diese Superstars von Weltrang auf einer persönlichen, sympathischen und introspektiven Ebene kennenlernen möchten – viele Mitsing-Momente inklusive.
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