Carrie – Des Satans jüngste Tochter 1976
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Carrie – Des Satans jüngste Tochter

Carrie – Des Satans jüngste Tochter 1976
„Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ // Deutschland-Start: 22. April 1977 (Kino) // 2. Oktober 2006 (DVD)

Inhalt / Kritik

Das Leben der 16-jährigen Carrie White (Sissy Spacek) ist die Hölle auf Erden. Schlimm genug, dass sie mit ihrer fanatischen Mutter Margaret (Piper Laurie) zusammenleben muss, die ihr in ihrem religiösen Wahn alles verbietet, was auch nur im Entferntesten Spaß macht. An der Schule wird die Jugendliche zudem unentwegt gehänselt. Vor allem ihre Mitschülerin Chris Hargensen (Nancy Allen) hat es sich zur Aufgabe gemacht, sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu demütigen. Als Carrie ihre erste Periode hat und darauf überhaupt nicht vorbereitet ist, eskaliert die Situation. Zu Hause braucht sie auf keine Unterstützung zu hoffen, ihre Mutter sieht in dem Blut ein Zeichen für ihre Sünde. Und das ist erst der Anfang, denn Chris plant bereits die nächste Aktion …

Ein früher Klassiker des King of Horror

Wer sich alle Filme und Serien anschauen möchten, die auf Geschichten von Stephen King basieren, der muss jede Menge Zeit mitbringen. Allein auf imdb sind rund 350 Titel gelistet, bei denen der Meister des Horrors am Drehbuch gearbeitet oder die Vorlage geliefert hat. Viele davon, da macht sich der Autor selbst keine Illusionen, kann man sich sparen. Einer der Titel, die man aber auf jeden Fall gesehen haben sollte, ist ohne jeden Zweifel Carrie – Des Satans jüngste Tochter von 1976. Nicht nur dass es eine Adaption des zwei Jahre zuvor veröffentlichten Debüt-Romans von King war und die erste Adaption eines seiner Werke überhaupt. Der Film um eine junge Frau, die von anderen so sehr gepeinigt wird, bis es zu einer Katastrophe kommt, ist zudem bis heute eine der besten Verfilmungen und gilt als Klassiker des Horrorgenres.

Dabei ist Carrie – Des Satans jüngste Tochter aus heutiger Sicht für viele Horrorfans ein recht harmloser Film. Auch wenn der deutsche Titel es impliziert, geht es über weite Strecken alles andere als dämonisch zu. Es gibt keine übernatürlichen Elemente. Es gibt keine offensichtliche Bedrohung, wie sie andere berühmte Filme wie Es oder Friedhof der Kuscheltiere enthalten, wo früh Menschen ihr Leben an das Böse verlieren. Weder die Protagonistin noch die anderen Figuren der Geschichte sind einer Gefahr ausgesetzt, so scheint es zumindest. Erst gegen Ende hin eskalieren die Ereignisse stark und führen zu der fatalen Szene während des Abschlussballs, welche Filmgeschichte geschrieben hat und zu den ikonischsten der King-Filmografie gehört.

Das Aufwachsen als Hölle

Das bedeutet aber nicht, dass Carrie vor der Eskalation nichts zu bieten hätte. King, der in seinen Geschichten immer mal wieder Coming-of-Age-Elemente einbaute – siehe etwa Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers – beschreibt den Alltag seiner Protagonistin als Hölle auf Erden. Sie wird von den anderen in ihrem Alter auf bösartigste Weise schikaniert und verspottet, was den Film gleichzeitig zu einem Klassiker rund ums Thema Mobbing macht – und einem noch immer aktuellen Film. Aber da ist eben auch die Mutter, die ebenfalls eine deutliche Belastung bedeutet. Sie symbolisiert das Normative, unter dem gerade junge Menschen auf der Selbstsuche oft zu leiden haben. Selbstentfaltung ist in dieser Atmosphäre der Gewalt und Furcht nicht möglich. Der Ausbruch zum Ende hin wird zudem oft gern mit dem Übergang vom Kind zum Erwachsenen gleichgestellt, wenn sich die Bedürfnisse gewaltsam ihren Weg an die Oberfläche bahnen. Auch in der Hinsicht ist der Film zeitlos.

Dass Carrie bis heute ein solches Renommee genießt, hängt aber sicherlich auch an den vielen großen Namen, die hier mitwirkten. Regie führte ein damals noch unbekannter Brian de Palma. Sissy Spacek erhielt für ihre intensive Darstellung die erste von insgesamt sechs Oscar-Nominierungen als beste Hauptdarstellerin. Auch ihre Filmmutter Piper Laurie wurde für ihre Nebenrolle nominiert. Und dann wäre da noch John Travolta, der vor seinem Durchbruch in Saturday Night Fever und Grease hier in der Rolle des ebenfalls fiesen Freunds von Chris zu sehen ist. Auch wenn der Film dem deutschen Titel entsprechend später einen Schlenker zum Übernatürlichen macht, ist es hier doch mehr als viele andere Horror-Werke nach King der menschliche Faktor, der alles bestimmt, sowohl vor der Kamera wie auch innerhalb der Geschichte.

Credits

OT: „Carrie“
Land: USA
Jahr: 1976
Regie: Brian de Palma
Drehbuch: Lawrence D. Cohen
Vorlage: Stephen King
Musik: Pino Donaggio
Kamera: Mario Tosi
Besetzung: Sissy Spacek, Piper Laurie, Amy Irving, William Katt, John Travolta, Nancy Allen

Trailer

Stephen King Special

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Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1977 Beste Hauptdarstellerin Sissy Spacek Nominiert
Beste Nebendarstellerin Piper Laurie Nominiert
Golden Globes 1977 Beste Nebendarstellerin Piper Laurie Nominiert

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Carrie – Des Satans jüngste Tochter
fazit
„Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ ist die erste Adaption eines Romans von Stephen King und bis heute eine der besten. Auch wenn der Film weniger Horror zu bieten hat, als man es von den Geschichten des Autors oft gewohnt ist, so bietet er doch einen spannenden und intensiv gespielten Einblick in den Alptraum des Aufwachsens zwischen despotischer Mutter und mobbenden Mitschülerinnen.
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