
Bislang war das Leben von Debbie Claybourne (Octavia Spencer) eigentlich alles andere als außergewöhnlich. Sie ist glücklich mit dem Politiker David (Jamie Parker) verheiratet, dem sie ein bisschen bei der Arbeit hilft. Ansonsten passiert nicht viel bei ihr. Sie ist Mutter, Hausfrau, das Übliche eben. Das ändert sich, als im Laufe eines Abends ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt wird. Schlimm genug, dass ihr Mann auf dem Weg zu einer Party die Bombe platzen lässt, dass er sie verlassen will. Es kommt auch noch zu einem tödlichen Zwischenfall. Während Debbie nicht mehr weiß, was da gerade geschieht, macht sie eine weitere schockierende Entdeckung: Ihr beste Freundin Judith Burton (Hannah Waddingham), die sie seit so vielen Jahren kennt und die immer da war, entpuppt sich als Auftragsmörderin. Und ehe es sich Debbie versieht, schwebt sie selbst in Lebensgefahr, da David offensichtlich noch mehr Geheimnisse hatte …
Bewährtes Szenario
Bei Amazon Prime Video hat es in den letzten Jahren bemerkenswert viele selbstproduzierte Actionkomödien gegeben, die mit großen Stars protzen können. Gerade erst ist Over Your Dead Body veröffentlicht worden, bei dem ein Ehepaar einander während eines gemeinsamen Wochenendausflugs ermorden will – mit ungeahnten Folgen. Im Frühjahr war da Balls Up über zwei Männer, die mit besonderen Kondomen zu Reichtum kommen wollen. Anfang des Jahres versuchte man mit The Wrecking Crew sein Glück, damals ging es um zwei entfremdete Halbbrüder, die den rätselhaften Tod ihres Vaters aufklären wollen. Mit der Serie Ride or Die kommt nun ein weiterer Mix aus Action und Komödie zu uns, der mit einigen großen Namen auf Publikumsjagd geht. Dieses Mal in der weiblichen Variante.
Das Szenario ist dabei alles andere als originell. Es kommen ständig Filme und Serien heraus, in denen die Hauptfigur feststellen muss, dass ein ihr nahestehender Mensch in Wahrheit eine andere Identität hat und ein geheimes Leben führt. Das kann mal mit einer Agententätigkeit zusammenhängen. Aber auch mörderische Geheimnisse sind keine Seltenheit. In Nur ein kleiner Gefallen muss ebenfalls eine Frau feststellen, dass eine Freundin nicht der Mensch ist, für den sie diese hielt. Ride or Die erzählt dann wie die diversen anderen Beiträge davon, dass jemand, der bislang ein ganz gewöhnliches Leben führte, plötzlich mitten in einem gefährlichen Abenteuer steckt. Die Serie wandelt dabei zwischen der Komik, wenn alles ganz absurd und übertrieben wird, und Spannung, wenn jeder Moment der letzte sein könnte. Theoretisch zumindest, praktisch wissen natürlich alle, dass Debbie überlebt.
Frage der Freundschaft
Was die Serie ein wenig von anderen inhaltlich ähnlich gelagerten Produktionen unterscheidet, ist das Motiv der Freundschaft. Während Debbie verständlicherweise nichts mehr mit dem Menschen zu tun haben möchte, der insgeheim für Geld jahrelang andere tötete, ist Judith bereit, für ihre Freundschaft zu kämpfen. Ride or Die stellt dadurch auch immer wieder Fragen, die tatsächlich lebensnah sind. So überzogen das Szenario an sich, hat es doch etwas Universelles, wenn die beiden Protagonistinnen darüber streiten, was eigentlich eine Freundschaft ausmacht. Kann ein einzelnes Geheimnis alles andere überdecken, was man gemeinsam erlebt hat? Wie weit bin ich auch bereit zu gehen, um einen Menschen in meinem Leben zu behalten?
Man sollte in der Hinsicht aber nicht zu viel erwarten. Die Serie lebt davon, wie sich die Ereignisse überschlagen, mehrere Gruppen aufeinander Jagd machen und dabei zunehmend die Grenzen zwischen gut und böse verschwimmen. Ride or Die lebt vor allem aber auch von dem spielfreudigen Ensemble. Zwar nimmt man Hannah Waddingham (The Woman in Cabin 10) die eiskalte Killerin nicht so wirklich ab. Sie wirkt in dem Metier immer fehl am Platz. Dafür macht Octavia Spencer (Ma – Sie sieht alles) jede Menge Spaß als Hausfrau, die nicht nur erkennen muss, dass ihr Umfeld ganz anders ist als gedacht, sondern auch in sich selbst neue Seiten entdeckt.
OT: „Ride or Die“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Peyton Reed, DeMane Davis, Allison Liddi-Brown, Lauren Wolkstein
Drehbuch: Tessa Coates, Matt Miller, Katherine Kearns, Liz Friedman, Laura Jacqmin, Alison Barton, Bonnie Dennison
Musik: Isabella Summers
Kamera: Dani Vilar, Craig Wrobleski, David Luther
Besetzung: Octavia Spencer, Hannah Waddingham, Ed Skrein, Calam Lynch, Savannah Steyn, Jamie Parker, Sylvia Hoeks, Bill Nighy, Jacky Ido
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