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The Furious

„The Furious“ // Deutschland-Start: 18. Juni 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Der stumme Wang Wei (Xie Miao) lebt seit seiner Flucht aus China in einem Armenviertel, wo er sich als Handwerker seinen Lebensunterhalt verdient. Seiner Tochter (Yang Enyou) ist das jedoch ein Dorn im Auge, denn sie ist überzeugt, dass ihr Vater weit mehr aus sich machen könnte, wenn er nur den Mut dazu hätte. Nach einem Streit der beiden gerät das Mädchen in die Hände einer Menschenhändlerbande, die bereits seit langer Zeit in den Armenvierteln der Stadt ihr Unwesen treibt. Trotz seines schnellen Eingreifens kann Wang nicht verhindern, dass seine Tochter entführt wird. Da ihm auch die Polizei nicht helfen kann, macht er sich schließlich selbst auf die Suche nach ihr.

Dabei macht er die Bekanntschaft von Navin (Joe Taslim), der ebenfalls nach einer verschwundenen Person sucht. Schnell wird ihnen klar, dass sie sich einer mächtigen kriminellen Organisation entgegenstellen müssen. Um überhaupt eine Chance zu haben, beschließen die beiden zusammenzuarbeiten und den Machenschaften der Bande ein Ende zu setzen. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn neben zahllosen Handlangern verfügen die Drahtzieher auch über eine Reihe hochgefährlicher Kämpfer und Auftragskiller, die keinerlei Skrupel kennen, wenn es darum geht, ihre Bosse zu schützen.

Action made in Hong Kong

Kenji Tanigakis Werk als Regisseur mag noch überschaubar sein, doch als Actionchoreograf kann der Japaner auf eine lange internationale Karriere zurückblicken, die ihn sogar nach Deutschland führte. Seine Mitarbeit an Projekten wie den Rurouni Kenshin-Filmen oder zuletzt City of Darkness macht einen nicht geringen Teil des Erfolgs dieser Produktionen aus. Mit seinem neuen Film The Furious will Tanigaki diesen Erfolg auch als Regisseur fortsetzen – und wenn man den ersten Vorschusslorbeeren Glauben schenken darf, scheint ihm dies zu gelingen. Allein die Besetzung mit Joe Taslim, Xie Miao und Yayan Ruhian reichte vielen Zuschauern und Reviewern bereits aus, um The Furious mit Werken wie The Raid zu vergleichen. Ganz von der Hand zu weisen sind diese Vergleiche zwar nicht, jedoch hat Tanigakis Werk deutlich mehr mit jenen Filmen gemeinsam, die das Actionkino Hongkongs geprägt haben, was den Film im besten Sinne altmodisch erscheinen lässt.

Der Reiz des modernen Actionkinos aus Ländern wie Indonesien (The Raid), Indien (Kill) oder Hongkong liegt vor allem im Zusammenspiel aus Klarheit und Bewegung. Der Eindruck, den Filme wie The Furious beim Publikum hinterlassen, hat viel damit zu tun, dass sich die Kämpfe klar nachvollziehen lassen und nicht durch hektische Kameraeinstellungen oder einen überladenen Schnitt verwirrend wirken. Die Choreografie eines Kampfes folgt einer genau festgelegten Dramaturgie, die durch Aspekte wie Kameraführung, Schnitt und Licht hervorgehoben wird, wodurch jeder Schlag und jeder Tritt spürbar wird – besonders dann, wenn sich deren Folgen unmittelbar bei den Figuren zeigen. Bei einer besonders langen Sequenz in einer Eisfabrik, die dem Menschenhändlerring als „Lagerhalle“ dient, wird diese Herangehensweise besonders deutlich, da der Kampf Wang und Navin körperlich sichtbar erschöpft und an ihre Grenzen bringt. Tanigaki zeigt keine Übermenschen als Helden, sondern Figuren, die bluten, vor Schmerz das Gesicht verziehen oder auch einmal verlieren. Nicht nur wegen des Settings steht The Furious damit eher in derselben Tradition wie Bruce Lee – Die Todesfaust des Cheng Li, wenn sich einzelne Personen einem scheinbar übermächtigen Feind entgegenstellen und dabei bis an ihre Grenzen gehen.

Blut, Schweiß und Kämpfe

Bei einem Film wie The Furious mag die Action im Vordergrund stehen, doch ein emotionaler Kern darf dabei nicht fehlen. Mag sich die Geschichte auf den ersten Blick auch wie die eines x-beliebigen Actionfilms der 1980er-Jahre anhören, so kämpfen die Figuren von Joe Taslim und Xie Miao nicht ohne persönliche Motivation gegen die brutalen Menschenhändler. Die sehr unterschiedlichen Kampfstile der beiden – im Falle Taslims Judo und bei Miao Wushu – sind Teil der Inszenierung und vermitteln Verbissenheit und Wut ebenso wie emotionalen Schmerz und Zurückhaltung. Während die Kämpfe des einen unmittelbarer und härter erscheinen, wirkt Miaos Stil klassischer und präziser, ähnlich der Kommunikation seiner Figur, die auf genau dieselben Eigenschaften setzt. Zudem betont Miao die Verletzlichkeit seines Charakters, wobei die Inszenierung zugleich darauf achtet, dass Wang stets etwas Geheimnisvolles umgibt, da man nur wenig darüber erfährt, wie und warum er zu einem Kämpfer wurde.

Credits

OT: The Furious
Land:
Hongkong, China
Jahr:
2025
Regie:
Kenji Tanigaki
Drehbuch: Mak Tin-shu, Lei Zhilong, Shum Kwan-sin, Frank Hui
Kamera: Meteor Cheung
Musik: Elliot Leung, Olivia Xiaolin, Flying Lotus
Besetzung: Xie Miao, Joe Taslim, Yang Enyou, Jeeja Yanin, Brian Le, Joey Iwanaga, Yayan Ruhian

Bilder

Trailer

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The Furious
fazit
„The Furious“ ist ein Actionfilm, bei dem nicht Effekte oder CGI dominieren, sondern Kampfkunst, elegante Choreografien und Präzision. Kenji Tanigaki erfindet das Rad zwar nicht neu, liefert mit seinem Film jedoch einen weiteren Beitrag zu jener Reihe moderner Martial-Arts-Werke aus Ostasien, die sich ihrer Traditionen bewusst sind und diese gleichzeitig technisch weiterentwickeln.
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