
Humor ist bekanntlich etwas, das sehr individuell ist. Zwar gibt es schon Witze, über die sehr viele lachen, über andere weniger. Dennoch, was die einen brüllend komisch finden, ist für andere langweilig – oder ein Ärgernis. Wie sehr die Wahrnehmung dessen, was nun lustig ist und was nicht, schwanken kann, führt einem Was haben wir gelacht vor Augen. Der Dokumentarfilm lässt fünf TV-Ikonen zu Wort kommen – die Komikerinnen und Schauspielerinnen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Esther Schweins und Gaby Köster sowie die Moderatorin Bettina Böttinger – und über die 1990er-Jahre sprechen. Diese liegen bekanntlich ein paar Jahrzehnte zurück. Eine Zeit, in der sich doch sehr viel getan hat und der Mainstreamhumor einen Wandel durchgemacht hat.
Kampf gegen frauenfeindlichen Humor
Die fünf sind zweifelsfrei bekannte Fernsehpersönlichkeiten, die auf sehr unterschiedliche Weise das Publikum zum Lachen brachten. Und doch waren sie Ausnahmen in einer Welt, die damals noch mehr von Männern bestimmt wurde, als es heute der Fall ist. Humor wurde nicht nur von Männern definiert und mit ihnen assoziiert, während die Kolleginnen überwiegend Randerscheinungen blieben. Er ging auch oft auf Kosten von Frauen. Was haben wir gelacht zeigt einige der damaligen Beispiele, die heute bei nicht wenigen Fremdscham hervorbringen dürften. Besonders negativ fallen in dieser Hinsicht Thomas Gottschalk und Harald Schmidt auf, deren Shows wieder und wieder zur Veranschaulichung und Abschreckung herhalten müssen.
Während viele solcher Rückblicke eigentlich mit Nostalgie verbunden sind, wenn alte Sendungen ausgekramt werden und in Erinnerungen geschwelgt wird, da ist Was haben wir gelacht von einer deutlichen Bitterkeit geprägt. Manche der Beleidigungen, welche die fünf Protagonistinnen oder Frauen im Allgemeinen über sich ergehen lassen mussten, sind so menschenverachtend, dass man heute kaum noch nachvollziehen kann, weshalb die Fernsehsender das durchgehen ließen. Der Dokumentarfilm ist dabei eine Abrechnung mit den Männern, gleichzeitig aber auch ein Beitrag über weibliche Widerstandskraft und Solidarität. Denn auf ihre Weise haben die fünf durchaus gegen das System angekämpft, die einen lautstark, die anderen durch Sarkasmus.
Sehenswert, aber nicht sehr tiefgründig
Was dabei ein wenig fehlt ist der Versuch einer Erklärung. So werden zwar diverse Beispiele gezeigt, was damals alles üblich war. Aber weshalb Humor frauenfeindlich sein musste, wird nie wirklich erklärt. Die Regisseurinnen Eva Müller und Isabel Schneider begnügen sich bei Was haben wir gelacht mit dem Anekdotischen, zeichnen gemeinsam mit den fünf Frauen ein Bild der Vergangenheit, ohne es herzuleiten. Natürlich braucht es das auch nicht zwangsläufig, der Film will unterhalten, keine wissenschaftliche Abhandlung sein. Und doch ist es etwas schade, wie einseitig das Geschehen teilweise ist. Anstatt an der einen oder anderen Stelle noch einmal ein bisschen tiefer zu bohren, werden weitere Beispiele ausgepackt, die letztendlich nur bestätigen, was vorher schon gesagt wurde.
Sehenswert ist der Dokumentarfilm, der auf dem Filmfest München 2026 Premiere hatte, dennoch. Das liegt nicht nur an den absonderlichen Beispielen deutscher Fernsehgeschichte. Es sind vor allem die fünf Protagonistinnen selbst, die uns mit ihren lebendigen Erzählungen auf eine Zeitreise mitnehmen und dabei auch viel Persönliches teilen. Man muss kein Fan des Quintetts sein, um von ihren Geschichten gefesselt zu sein, von der Schlagfertigkeit und dem Scharfsinn, den sie hier beweisen. Interessant ist dabei auch, wie sie nie gemeinsam interviewt werden, aber immer wieder Auftritte der anderen kommentieren dürfen. Klar, in dem Kontext kann man keine Objektivität erwarten. Aber es ist doch eine schöne Demonstration von Zusammenhalt, wie sie sich gegenseitig unterstützen, mal in einem historischen Kontext und mal aus dem Interview selbst heraus. Insofern ist Was haben wir gelacht trotz der besagten bitteren Elemente auch irgendwie schön geworden, warnend und versöhnlich zugleich.
OT: „Was haben wir gelacht“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Eva Müller, Isabel Schneider
Drehbuch: Eva Müller, Isabel Schneider
Musik: Alexander Hacke, Danielle de Picciotto
Kamera: Thomas Lütz
Besetzung: Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Esther Schweins, Gaby Köster
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