„Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ // Deutschland-Start: 20. August 2026 (Kino)
Jahrelang war das fiktive Camp Miasma das Zentrum eines florierenden Horror- und Slasherfranchises. Der See nahe des beliebten Reiseziels für Jugendgruppen beherbergte Little Death, einen Menschen mit dem Kopf eines Lüftungsschachts, der einmal aufgeweckt unschuldige Campbewohner mit seinem Speer abschlachtet, bis sein Hunger gestillt ist. Nach einer Reihe gescheiterter Fortsetzungen und Prequels wurde die Filmreihe schließlich eingestellt. Als sich ein Studio die Rechte sichert, um das totgeglaubte Franchise wieder auferstehen zu lassen, engagiert es die junge ambitionierte Filmemacherin Kris (Hannah Einbinder), die Camp Miasma nicht nur zu kommerziellem Erfolg führen, sondern gleichzeitig modernisieren und kulturell anpassen soll. Als diese nach Camp Tahoe fährt, um den ursprünglichen Drehort und das Final Girl des ersten Teils kennenzulernen, gerät sie auf eine spirituelle Reise voller Verlangen, Klarheit und Selbstfindung.
Horrorhistorie at Camp Miasma
Ähnlich wie mit I Saw the TV Glow adaptiert, paraphrasiert und dekonstruiert Schoenbrun auch mit Teenage Sex and Death at Camp Miasma das Horrorgenre. Dieses Mal verfolgt Schoenbrun einen deutlich direkteren Ansatz und seziert insbesondere das Slasherkino, während gleichzeitig ein Film entsteht, der von tiefer Liebe und einem ausgeprägten Verständnis für das Genre zeugt. Teenage Sex and Death at Camp Miasma schwelgt dabei regelrecht in Referenzen auf einige der ikonischsten Horrorfilme und Franchises der Filmgeschichte. Szenen aus Freitag der 13., Hommagen an Psycho, dessen Remake, Halloween, Sleepaway Camp, The Burning und viele weitere Werke. Während Inszenierung und vor allem Stilistik dieser Filme bewusst imitiert werden, interessiert sich Schoenbrun im Gegensatz zu ihrer Protagonistin jedoch nicht für ein bloßes Remake oder eine nostalgische Rückbesinnung auf vergangene Zeiten. Zwar bedient sich der Film stellenweise klassischer Horrortropen rund um Gewalt und Blut, doch der eigentliche Kern von Teenage Sex and Death at Camp Miasma reicht weit über die abgelegene, verschneite Kulisse von Camp Tahoe beziehungsweise Miasma hinaus.
Woke Hollywood?
Wie bereits in Janes vorangegangenen Filmen findet sich ihre Persönlichkeit markant in der Protagonistin Kris wieder. Eine junge queere Filmemacherin, welche beauftragt wurde, ein totgeglaubtes und aus der Zeit gefallenes Franchise wieder aufleben zu lassen. Das Ziel bleibt trotz vorgeschobener Unterstützung keine ehrliche und innovative Aufarbeitung queerer Themen innerhalb des Genres, sondern Vermarktbarkeit und kommerzieller Erfolg. Ähnlich ging es Schoenbrun, die selbst nach dem großen Erfolg von I Saw the TV Glow Schwierigkeiten hatte, die Vision von Teenage Sex and Death at Camp Miasma realisiert zu bekommen. Während der Film Hollywoods kommerzielle Prioritäten parodiert, funktioniert die selbstreferenzielle Beziehung zwischen Regisseurin und Protagonistin gleichzeitig als humoristisches Ventil.
Queerness im Genrespiegel
Vor ihrer Arbeit liegt der Kern von Teenage Sex and Death at Camp Miasma jedoch in den persönlichen Erlebnissen Jane Schoenbruns. Wie Hannah Einbinders Figur war die nonbinäre Filmschaffende auf der Suche nach ihrer eigenen Identität. Innerhalb des Films erlebt Kris ihr Awakening, während sie alte Filme des Camp Miasma Franchises ansieht. Im Folgenden thematisiert Teenage Sex and Death at Camp Miasma anhand ihrer Reise und ihrer Verbindung zu Gillian Andersons Billy Verlangen, Unsicherheit, Mut zur Selbstfindung und Sex als neue respekt- oder gar angsteinflößende Erfahrung. Zusammen erforschen Filmemacherin und Schauspielerin trotz iher Unterschiedlichkeit Identität durch Sinnlichkeit. Die Tagline „If it gets too real you can always turn it off“ unterstreicht eine Möglichkeit, aufhören zu können und zu dürfen. Wenn ein Horrorfilm zu erschreckend ist, wenn sich Sex trotz Verlangen nicht richtig anfühlt. Schoenbruns Referenzen zu Selbstfindung im Bezug auf Queerness und Transgeschlechtlichkeit sind erneut Dreh- und Angelpunkt ihres Films, diesmal aber weniger abstrakt und damit wesentlich erfahrbarer.
VHS Nostalgie mit Identität
Stilistisch orientiert sich Teenage Sex and Death at Camp Miasma ebenso nah am klassischen Slasherkino der Siebziger- und Achtzigerjahre. Körnige Bildsprache, künstlich wirkende Beleuchtung und ein Setdesign voller ikonischer Campästhetik erzeugen eine bewusst entrückte Atmosphäre. Gerade diese permanente Künstlichkeit entwickelt parallel zur Handlung des Films eine besondere Wirkung. Einerseits projiziert Schoenbrun damit Nostalgie für die Frühzeit des Slashergenres, andererseits verschwimmen Realität, Fantasie und die filmische Vision der Protagonistin zunehmend miteinander. Camp Tahoe wirkt dadurch weniger wie ein realer Ort als vielmehr wie ein liminaler Raum zwischen Realität und Film.
OT: „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“
Land: USA, Kanada
Jahr: 2026
Regie: Jane Schoenbrun
Drehbuch: Jane Schoenbrun
Musik: Alex G
Kamera: Eric Yoe
Besetzung: Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Amanda Fix, Arthur Conti, Eva Victor, Zach Cherry, Sarah Sherman, Patrick Fischler, Dylan Baker, Jasmin Savoy Brown, Quintessa Swindell, Jack Haven, Kevin McDonald
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