
Seit seiner Kindheit schon boxt Camille (Samuel Kircher). Sein großer Traum ist es, einmal Profiboxer zu werden. Das hat er mit den anderen Jungen gemeinsam, die in dem ländlich gelegenen Sportinternat trainieren. Als Camille eines Tages mit seinem besten Freund Matteo (Faycal Anaflous) unterwegs ist, um Füchse zu beobachten, kommt es zum Unglück und er stürzt einen Abhang hinunter. Zwar kommt er relativ glimpflich davon, schon nach kurzer Zeit sind die Verletzungen verheilt. Und doch leidet er in Folge immer wieder an Schmerzen, die sich niemand erklären kann. Diese Beeinträchtigung droht nicht nur, seine Sportlerkarriere zu beenden, noch bevor sie wirklich angefangen hat. Sie führt auch zu einer allmählichen Entfremdung zwischen dem Jugendlichen und den anderen …
Der Kampf um die Zukunft
Wer es in einem hart umkämpften Feld zu etwas bringen will, muss schon richtig viel Einsatz zeigen und zuweilen Opfer bringen. Das zeigen immer wieder Filme, in denen Jugendliche noch am Anfang einer Laufbahn stehen und sich fragen müssen, ob das alles überhaupt für sie passt. Das trifft auf den musikalischen Bereich zu, Whiplash und Prélude etwa erzählen von jungen Männern, die unter dem Druck zu zerbrechen drohen. Natürlich gilt das aber auch für den Sport, wo quasi von Natur aus ein Wettkampfgedanke vorherrscht und die Welt in Sieger und Verlierer eingeteilt wird. Ein Beispiel hierfür ist das belgisch-französische Drama Wild Foxes, das nach einem erfolgreichen Festivallauf nun auch regulär in den deutschen Kinos gezeigt wird.
Das ist ein Glücksfall, da sich der Film doch ziemlich von dem abhebt, was in thematisch ähnlich gelagerten Werken gezeigt wird. Meistens drehen sich die Geschichte um Leute, die irgendwie zu kämpfen haben und nicht weiter wissen. Als wir Camille kennenlernen, ist das nicht so. Er ist der Star der Gruppe, wird von den anderen bewundert und ruht absolut in sich. Das ändert sich, als er verletzt ist und es für einen Moment so aussieht, als könne die Karriere vorbei sein. Das stimmt – und stimmt gleichzeitig nicht. Denn der Junge ist in Wild Foxes nach dem Unfall nicht mehr derselbe, hat unerklärliche Schmerzen, die ihn daran hindern, den Sport wiederaufzunehmen. Der früher so eindeutig erscheinende Weg ist auf einmal gar nicht mehr so klar.
Stark gespielte Gruppendynamik
Eine rätselhafte Krankheit, die niemand heilen kann? Das klingt nach einer dieser Arztserien, wo dann irgendwann die Götter und Göttinnen in Weiß aus heiterem Himmel auf die Lösung kommen. Doch Regisseur und Co-Autor Valéry Carnoy hat andere Pläne. Die Krankheit an sich ist völlig irrelevant, wird auch nie so ganz erklärt. Vielmehr handelt das Drama, das 2025 bei der Quinzaine des cinéastes in Cannes Weltpremiere hatte, primär von der Dynamik in der Gruppe, die sich im Laufe von Wild Foxes verändert. Wenn ein Umfeld, bei dem Stärke das Ideal ist, eine solche wegfällt, hat das natürlich Auswirkungen. Das zu beobachten und zu erkennen, wie fragil letztendlich sogar Freundschaften sein können, hat Auswirkungen auf den Protagonisten. Er muss sich nicht nur innerhalb der Gruppe finden, sondern sich auch fragen, wer er eigentlich ist, losgelöst von der Boxkarriere.
Wirkliche Antworten gibt der Film nicht, will er auch gar nicht. Vielmehr überzeugt Wild Foxes ja gerade durch die Ambivalenzen und die Vielschichtigkeit, wenn die Welt doch komplizierter ist, als man es gern hätte. Samuel Kircher (Im letzten Sommer) ist für diese Rolle eine sehr gute Besetzung. Er verkörpert auch die Dualität aus Stärke, die der Sport erfordert, und einer Verletzlichkeit, die gerade auch dieses Alter mit sich bringt. Ein Alter, das quasi von Natur aus mit Unsicherheiten verbunden ist, wenn man an der Schwelle zum Erwachsenen steht. Aber auch der Rest des Nachwuchsensembles überzeugt und trägt dazu bei, dass dieses etwas andere Boxdrama ein sehenswerter und Beitrag geworden ist, der mit universellen Themen wie Gruppenzwang, Erwartungen und Selbstzweifeln viel Identifikationsfläche schafft.
OT: „La Danse des renards“
Land: Belgien, Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Valéry Carnoy
Drehbuch: Valéry Carnoy, Jacques Akchoti
Musik: Pierre Desprats
Kamera: Arnaud Guez
Besetzung: Samuel Kircher, Fayçal Anaflous, Anna Heckel, Jef Jacobs, Hassane Alili, Salahdine El Gharchi, Jean Baptiste Durand, Raphaël Thierry
Cannes 2025
Filmfest Hamburg 2025
Französische Filmtage Tübingen-Stuttgart 2025
Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg 2025
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