
Als der Junge Hadara in Folge eines Sandsturms von seiner Karawane getrennt wird und in der Sahara verlorengeht, scheint dies sein sicheres Ende zu sein. Doch es kommt anders: Wie durch ein Wunder wird er von einer Gruppe Strauße aufgenommen und wächst fortan bei ihnen auf. Bald kommt noch ein kleiner Wüstenfuchs hinzu, der für ihn zum besten Freund wird. Zumindest ist das die Geschichte, welche die 15-jährige Sun (Neige De Maistre) von ihrem Großvater gehört hat. Die Geschichte ist so gut, dass sie diese unbedingt aufschreiben musste. Kaum ist ihr Buch erschienen, muss sie sich von Kharouba (Moon Ghazali) sagen lassen, dass das in Wahrheit etwas anders war …
Die nächste Tiergeschichte
Wenn ein neuer Film von Gilles de Maistre herauskommt, weiß man in den meisten Fällen schon vorher, was einen erwartet. Da geht es dann um junge Menschen, die irgendwelche exotischen Tiere finden und mit ihnen Freundschaft schließen. Ob Mia und der weiße Löwe (2018), Der Wolf und der Löwe (2021), Ella und der schwarze Jaguar (2024) oder Moon, der Panda (2025) – die Titel dieser Werke sprechen ziemlich für sich. Das Publikum weiß hier schon vorher, welche Tierarten auf dem Programm stehen. Bei Die Legende des Wüstenkindes, dem aktuellen Werk des französischen Regisseurs, ist das mit den Tieren zwar nicht schon am Titel erkennbar. Ansonsten ist das aber ein ganz typisches Werk geworden.
Erneut geht es darum, wie ein junger Mensch die Bekanntschaft von Tieren macht. Diesmal sind es zwei Arten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Da sind zum einen die riesigen Straußenvögel, die zu Beschützern des Jungen werden. Und da ist der Fuchs, der die Funktion des besten Freundes übernimmt. Wie schon die letzten Filme von de Maistre ist Die Legende des Wüstenkindes ein Hohelied auf die Natur und die Verbundenheit zwischen Menschen und Tieren. Das ist natürlich schon schön, aber auch reichlich idealisierend. Zwar soll der Film, eine Adaption eines Buches der schwedischen Journalistin Monica Zak, auf einer wahren Geschichte basieren. Aber das muss ja nicht viel heißen, in Filmen kann man aus der Wahrheit so ziemlich alles machen.
Schön anzusehen
Interessant ist in der Hinsicht die Rahmenhandlung. An und für sich ist diese völlig überflüssig und man hat den Eindruck, dass der Regisseur und seine Frau Prune, welche das Drehbuch geschrieben hat, nur einen Vorwand brauchten, damit Tochter Neige im Film mitspielen darf. Denn eigentlich hätte man das mit der Jugendlichen, die ein Buch über den Vorfall geschrieben hat, auch weglassen können. Das Thema ist aber durchaus relevant: Die Legende des Wüstenkindes erzählt zum einen, wie Geschichten ein Eigenleben entwickeln und sich dabei verändern können. Zum anderen wird das Buch nicht von einer Einheimischen geschrieben, sondern jemandem, der im Ausland lebt. Da geht es also schon auch um das Thema kulturelle Aneignung. Zu viel sollte man in der Hinsicht aber nicht erwarten. Das Abenteuer richtet sich nun einmal an ein junges Publikum.
Letzteres dürfte dann auch wieder auf seine Kosten kommen mit den zahlreichen Tierszenen, die wie üblich mit großem Aufwand vorbereitet wurden. Erwachsene Augen erfreuen sich zudem an den tollen Landschaftsbildern aus der Wüste. Die Filme von de Maistre sind durch die exotischen Settings immer Hingucker, man darf schon etwas neidisch sein, wie der Mann herumkommt. Die Legende des Wüstenkindes ist da eben keine Ausnahme. So ganz reicht das dann alles zwar nicht aus, um wirklich einen ganzen Film damit zu füllen – selbst mit der Hinzunahme von der Rahmenhandlung ist das erzählerisch dünn. Wer aber die bisherigen Werke des Regisseurs mochte oder gern Tierfilme sieht, kann hier schon einmal vorbeischauen und ein bisschen trockene Wüstenluft schnuppern.
OT: „L’enfant du désert“
Land: Frankreich, Belgien
Jahr: 2026
Regie: Gilles de Maistre
Drehbuch: Prune de Maistre
Musik: Armand Amar
Kamera: Vincent van Gelder
Besetzung: Nahil Bouazzaoui, Zayn Sekkat, Nahil Tran, Neige De Maistre, Moon Ghazali, Kev Adams
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