Drei Haselnuesse fuer Aschenbroedel 1973

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (1973)

Inhalt / Kritik

Drei Haselnuesse fuer Aschenbroedel 1973
„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ // Deutschland-Start: 19. Dezember 1975 (Kino) // 13. September 2010 (DVD)

Seit dem Tod ihres Vaters hat Aschenbrödel (Libuše Šafránková) nur noch selten Grund zur Freude. Schuld daran ist ihre böse Stiefmutter (Carola Braunbock), die den Hof und alles, was dazu gehört, an sich gerissen hat. Während sie ihre eigene Tochter Dora (Dana Hlaváčová) verwöhnt, ist Aschenbrödel nicht mehr als eine lästige Magd, die sie immer wieder anfeindet und demütigt. Als eines Tages das Königspaar (Rolf Hoppe, Karin Lesch) vorbeikommt und die Stiefmutter eine Einladung zum Ball erhält, steht daher auch völlig außer Frage, dass Aschenbrödel mitkommt. Die soll gefälligst zu Hause bleiben und sich um den Haushalt kümmern. Da diese dabei auf die Hilfe der Tauben zählen kann, gelingt es der jungen Frau aber sich herauszustehlen und begegnet im Wald dem Prinzen (Pavel Trávníček), der auf dem Ball seine Braut finden soll …

Ein vielgesehener Klassiker

Das Faszinierende an Traditionen und Ritualen ist, dass sie sich irgendwann so verselbständigt haben, dass niemand mehr genau sagen kann, wie sie eigentlich entstanden sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um gesellschaftliche oder religiöse Überlieferungen handelt. Oder um filmische. So gibt es im hiesigen Fernsehen einige Titel, die verlässlich jedes Jahr zum Jahresende ausgestrahlt werden, ohne dass ersichtlich wäre warum. Dinner for One ist Pflichtprogramm an Silvester, obwohl es darin um eine Geburtstagsveranstaltung geht, keine Silvesterfeier. Zu Weihnachten wiederum gehört Drei Haselnüsse für Aschenbrödel fest dazu. Auch da gibt es keinen inhaltlichen Zusammenhang, statt weihnachtlicher Motive gibt es magische. Allenfalls das winterliche Setting passt. Dabei war dieses in der ursprünglichen Drehbuchfassung gar nicht vorgesehen. Hinzu kam, dass es in dem besagten Jahr kaum schneite, weshalb Kunstschnee zum Einsatz kam – zum Teil aus Fischmehl hergestellt. Nicht unbedingt etwas, was man mit dem Fest der Liebe in Verbindung bringt.

Die enorme Popularität ist aber auch deshalb etwas unerklärlich, da es sich bei Drei Haselnüsse für Aschenbrödel letztendlich nur um eine Variation der bestens bekannten Aschenputtel-Geschichte handelt. Während bei der Disney-Variante Cinderella eine Fee für die Verzauberung rund um den Auftritt beim Ball verantwortlich ist, greift die Protagonistin hier auf die im Titel genannten Haselnüsse zurück. Genauer geben diese ihr die Fähigkeit, ein beliebiges Kleidungsstück herbeizuwünschen. Das klingt nach keiner besonders aufregenden Superkraft, zudem nur im begrenzten Maße von Nutzen. Zudem beschränkt die Adaption des Märchens von Božena Němcová Aschenbrödel auf diese Weise ein wenig zu einer Schaufensterpuppe, die sich allein durch die Kleidung definiert.

Ein Paar abseits der üblichen Pfade

Gleichzeitig ist Drei Haselnüsse für Aschenbrödel deutlich progressiver, als sich die Geschichte anhört und als man es bei einem inzwischen knapp 50 Jahre alten Märchenfilm erwarten durfte. Im Gegensatz zu den anderen Werken mit dem Aschenputtel-Motiv ist die Heldin hier nicht allein das liebliche Opfer, das in seiner Ecke von einem besseren Leben und die Errettung durch einen Prinzen träumt. Aschenbrödel geht raus, bewirft fremde Männer mit Schneebällen, darf ihre Schießkünste unter Beweis stellen und gibt auch verbal schon mal Contra. Das hebt diese Version tatsächlich hervor. Gleiches gilt für den Prinzen, der überhaupt keine Lust hat auf das ganze Prinzen-Getue und sich lieber mit Kumpels amüsieren geht, anstatt dem Protokoll am Hof folgen zu müssen. Und selbst als er sich auf das Ganze einlässt, gibt es einen Spruch nach dem anderen, der aufzeigt: Ist doch alles lächerlich hier.

Die beiden sind dann letztendlich auch das beste Argument, warum man sich diesen Märchenfilm anschauen kann und nicht einen der vielen anderen, die letztendlich dieselbe Geschichte erzählen. Der Rest ist weniger erwähnenswert. Die Ausstattung ist hübsch, aber nicht übermäßig auffällig. Gleiches gilt für die Musik. Die Nebenfiguren, darunter die Stiefmutter und das Königspaar, sind nichtssagend. Natürlich braucht es bei solchen Geschichten nicht zwangsläufig Tiefgang oder ausgefeilte Figurenzeichnung. Aber das trägt eben dazu bei, dass Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ein sicherlich netter, hübscher Film ist, dessen Dauerbrenner-Status in keinem direkt erkennbaren Zusammenhang mit den Qualitäten steht. Die Geschichte um eine magische Liebe ist das filmische Pendant zu einer vertrauten Kuscheldecke, mit der man es sich vor dem Fernseher gemütlich machen kann und die einem ein mollig warmes Gefühl verleiht. Manchmal reicht das.

Credits

OT: „Tři oříšky pro Popelku“
Land: DDR, Tschechoslowakei
Jahr: 1973
Regie: Václav Vorlíček
Drehbuch: František Pavlíček
Vorlage: Božena Němcová
Musik: Karel Svoboda
Kamera: Josef Illík
Besetzung: Libuše Šafránková, Pavel Trávníček, Carola Braunbock, Rolf Hoppe, Karin Lesch, Dana Hlaváčová, Vladimír Menšík

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„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ variiert das bekannte Aschenputtel-Motiv, indem die Fee durch magische Nüsse ausgetauscht wurde. Sehenswert ist der Märchenfilm aber in erster Linie für die beiden Figuren, die mehr Persönlichkeit haben, als man es in dem Bereich gewohnt ist. Das Ergebnis ist nett, wohlig vertraut und hübsch, aber dann doch wohl eher aus Tradition beliebt als wegen der tatsächlichen Qualitäten.
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