Manipulation (Kinostart: 11. Juni 2026) erzählt die Geschichte von Matteo (Radoslav Gavlas), der in eine Geheimgesellschaft hineingeboren wurde, die im Hintergrund die Fäden zieht. Doch als er sich näher damit befasst, wird ihm bewusst, dass der Einfluss der Organisation nicht ausschließlich gut ist. Je mehr er davon erfährt, umso stärker wird in ihm der Drang, sich davon zu lösen – und umso stärker wird die Gefahr. Wir haben uns bei der Deutschlandpremiere mit Regisseur und Drehbuchautor David Balda getroffen. Im Interview spricht er über allgegenwärtige Manipulationen, sein Ziel als Filmemacher und woran er persönlich glaubt.
Könntest du uns etwas über die Entstehungsgeschichte des Films verraten? Wie bist du auf die Idee gekommen?
Mein Debütfilm ist 2019 erschienen und handelte von dem Thema Freiheit. Ich suche bei meinen Filmen immer Themen, die für eine junge Generation wichtig sind und ihnen vielleicht auch die Augen öffnen können, um zu sehen, was um sie herum geschieht. Als der Film herauskam, habe ich selbst erfahren, wie Manipulation aussieht. Da dachte ich, dass das vielleicht ein gutes nächstes Thema sein könnte. Also habe ich mich mit Leuten getroffen, die Mitglieder von Sekten sind oder von seltsamen Geheimorganisationen. Das war sehr interessant, auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte, nicht sicher zu sein. Ich wollte mit meinem Film zeigen, wie Manipulation funktioniert, beispielsweise durch die Medien. Früher gab es nur Fernsehen und Zeitungen. Heute hast du die sozialen Medien und das Internet, da ändert sich gerade sehr viel. Doch die Prinzipien von Manipulation sind gleich geblieben, die funktionieren heute genauso wie vor 50 oder 100 Jahren.
Wobei du das Thema anhand der Kirche aufziehst.
Das stimmt. Glaube spielt eine große Rolle in dem Film. Und Glaube macht dich auch anfälliger dafür, von anderen manipuliert zu werden. Das bedeutet aber nicht, dass Glaube etwas Schlechtes ist. Glaube ist sehr wichtig und kann etwas sehr Gutes sein. Aber es gibt eben Menschen, die das ausnutzen. Das siehst du auf den ersten Blick vielleicht nicht. Im Film stelle ich eine Geheimorganisation und die Kirche gegenüber. Von außen betrachtet könnten die beiden unterschiedlicher nicht sein. Aber sie unterscheiden sich nicht wirklich, wenn man genauer hinschaut. Beide streben sie nach Macht.
Du möchtest mit deinem Film darauf aufmerksam machen, wie Menschen manipuliert werden. Aber wie schütze ich mich davor, von anderen manipuliert zu werden?
Ich glaube nicht, dass du Manipulation vollkommen verhindern kannst. Das ist unmöglich, wir werden alle irgendwo manipuliert. Wichtig ist aber, dass du die schlechte Manipulation vermeidest. Und das geht, indem du dir bewusst machst, wie sie funktioniert.
Es gibt auch durchaus Menschen, die sich bereits dagegen wehren, manipuliert zu werden. Manche gehen dann aber so weit, die Realität zu leugnen und vieles als Lüge zu bezeichnen, was wahr ist. Wo zieht man da die Grenze?
Ganz so weit sollte man natürlich nicht gehen. Aber man kann zum Beispiel anfangen, nicht automatisch alles zu glauben, was man dir sagt, sondern verschiedene Quellen zu suchen und dich dadurch weniger abhängig zu machen. Die große Gefahr ist derzeit, wie Menschen das aufnehmen, was ihnen gesagt wird, und sich dadurch auch verändern lassen. Aber es ist schwierig, da die Grenze zu ziehen zwischen einer guten und einer schlechten Manipulation. Manche denken vielleicht auch, dass sie anderen etwas Gutes tun, obwohl es schlecht ist. Mein Film soll das alles gar nicht im Detail beantworten. Mir ist es wichtig, das Thema aufzuwerfen und eine Diskussionsgrundlage zu liefern.
Wobei dein Film auch eine Form der Manipulation ist, wenn du das Publikum dazu bringen willst, über das Thema nachzudenken.
Das stimmt. Einen Film zu machen, geht immer mit einer großen Verantwortung einher. Und es bedeutet auch immer Manipulation. Schon wenn wir hier miteinander sprechen und ich Werbung für meinen Film mache, ist das eine Form der Manipulation. Mir geht es aber nicht darum, berühmt zu werden. Das interessiert mich nicht. Mich interessiert auch reine Unterhaltung nicht. Verstehe mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Komödien oder Horrorfilme. Aber mir geht es darum, mit meinen Filmen etwas zu bewegen. Ich bin nicht so naiv zu glauben, die Gesellschaft ändern zu können.
Das Bild einer Geheimorganisation ist eines, das in vielen Verschwörungstheorien vorkommt. Viele Filme und Bücher arbeiten damit, um Spannung zu erzeugen. Was macht deiner Meinung nach den Reiz solcher Geschichten aus?
Die Menschen haben Gefallen daran, etwas zu entdecken, das versteckt ist. Das Unbekannte ist immer interessant. Warum das so ist, weiß ich nicht. Aber es scheint ein fester Teil von uns zu sein.
Von all den Verschwörungstheorien, die da draußen sind, welche ist dein Favorit? Du musst auch nicht daran glauben.
Damit eine Verschwörungstheorie gut funktioniert, sollte sie immer ein wahres Element in sich haben, auf dem aufgebaut wird. Ich kann mir zum Beispiel schon vorstellen, dass es Leute gibt, die so mächtig sind, dass sie im Hintergrund Einfluss üben. Denn wer Macht hat, will diese oft nutzen. Damit meine ich dann nicht, dass da fünf Leute an einem runden Tisch sitzen und die Welt unter sich aufteilen, wie du das in Filmen siehst. Aber dass da einiges im Hintergrund geschieht, von dem wir nichts wissen, das erscheint mir schon plausibel.
Du hast vorhin davon gesprochen, was du mit deinem Film zu erreichen versuchst, wenn das Publikum lernt, bewusster mit dem Thema umzugehen. Was hast du für dich selbst gelernt durch den Film?
Ganz viel! Ich habe mehr zum Thema Manipulation gelernt und das Verhältnis zwischen Kirche und Staat. Ich habe aber auch viel über das Filmemachen gelernt, weil ich mit einem internationalen Team zusammenarbeiten durfte. Mein Debütfilm war ein rein tschechischer Film, weshalb der zweite Film für mich ein großer Schritt nach vorne war. Ich wollte ein internationales Publikum ansprechen, weshalb wir den Film auch auf Englisch gedreht haben. Und wir haben tolle Schauspieler dafür bekommen! Dabei ging es mir nicht darum, möglichst berühmte Leute zu bekommen. Das Talent war ausschlaggebend. Wenn mein Cast ans Set kam, wusste es alles über die Figuren und die Hintergründe. Durch diesen habe ich viel über das Schauspielen gelernt, obwohl ich selbst kein Schauspieler bin.
Vielen Dank für das Interview!
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