
Acht Kinder zwischen zehn und 13 Jahren aus aller Welt hat Regisseur Damon Gameau aus rund 1000 Bewerbungen für seinen Film FUTURE COUNCIL – Komm an Bord ausgewählt, um mit ihnen in einem umgebauten gelben Schulbus quer durch Europa zu reisen. Was sie verbindet, ist ihre Sorge um die Zukunft des Planeten – und ihr Wunsch, nicht länger tatenlos zuzusehen. Bereits vor der Reise engagieren sich alle auf unterschiedliche Weise für Umwelt- und Klimaschutz. Die Schottin CC organisiert beispielsweise Strandreinigungen, während Joseph von der indonesischen Insel Bali mit gerade einmal elf Jahren ein Unternehmen gegründet hat, das aus Plastikmüll nützliche Alltagsgegenstände herstellt. Mit den Gewinnen konnte er bereits einigen Kindern den Schulbesuch ermöglichen.
Im Schulbus durch Europa
Die Reise im biodieselbetriebenen Bus verfolgt dabei ein klares Ziel: Die jungen Aktivistinnen und Aktivisten wollen zunächst verstehen, wie es um die Erde tatsächlich steht, um anschließend Lösungen zu entwickeln und diese direkt in die Chefetagen großer Unternehmen zu tragen. Auf ihrem Weg treffen sie Wissenschaftlerinnen, Umweltaktivisten und Unternehmer. Besonders prägend ist die Begegnung mit dem Unternehmen Faith in Nature, das als erstes Unternehmen weltweit der Natur selbst einen Platz im Vorstand eingeräumt hat. Experten vertreten dort die Interessen der Umwelt mit vollem Stimmrecht.
Von diesem Modell inspiriert entwickeln die Kinder eine eigene Idee: Warum sollte nicht auch die jüngste Generation in den Führungsgremien großer Unternehmen vertreten sein? Ihr Vorschlag eines „Future Council“, eines Zukunftsrats aus Kindern und Jugendlichen mit beratender oder sogar stimmberechtigter Funktion, wird zum zentralen Anliegen der Reise.
Mit diesem Konzept suchen sie das Gespräch mit einigen der größten Unternehmen der Welt. Tatsächlich öffnen ihnen drei Konzerne ihre Türen: Nestlé, die niederländische Großbank ING und der französische Sportartikelhersteller Decathlon. Die Begegnungen mit hochrangigen Unternehmensvertretern bilden das emotionale Herzstück des Films. Es ist faszinierend zu beobachten, wie die unverstellte Ehrlichkeit und die aufrichtige Sorge der Kinder selbst routinierte Manager sichtbar herausfordern. Natürlich bleiben die Gesprächspartner professionelle Kommunikatoren und vermeiden es, sich allzu sehr in die Defensive drängen zu lassen. Dennoch machen diese Gespräche deutlich, welchen Wert solche direkten Begegnungen haben können.
Optimismus statt Untergangsszenarien
Wie bereits in seinem Dokumentarfilm 2040 – Wir retten die Welt setzt Damon Gameau auf Optimismus statt auf Weltuntergangsszenarien. Dabei nimmt er selbst eine zentrale Rolle ein. Als Reiseleiter, Busfahrer und Mentor begleitet er die Kinder nicht nur hinter der Kamera, sondern unterstützt sie auch dabei, ihre Gedanken zu formulieren und ihre Anliegen selbstbewusst zu vertreten. Er erklärt Zusammenhänge, vermittelt Wissen und hilft ihnen dabei, Enttäuschungen einzuordnen, wenn die Realität nicht immer ihren Vorstellungen entspricht.
Um komplexe wirtschaftliche und ökologische Zusammenhänge für sein junges Publikum greifbar zu machen, führt Gameau zudem das Fantasiewesen „Groth“ ein. Ursprünglich geschaffen, um den Menschen zu helfen, entwickelt das Wesen durch seinen unstillbaren Hunger auf Ressourcen eine zerstörerische Eigendynamik und beginnt, die Natur zu verschlingen. Die Allegorie auf Industrialisierung, Konsum und Kapitalismus mag auf Erwachsene mitunter etwas plakativ wirken, dürfte aber insbesondere jüngeren Zuschauerinnen und Zuschauern einen niederschwelligen Zugang zum Thema ermöglichen.
Letztlich lebt der Film jedoch von seinen acht jungen Protagonistinnen und Protagonisten. Die kluge Aurvi aus Singapur, der eigenwillige Vogelliebhaber Hiva von den Norfolkinseln, die zunächst zurückhaltende Australierin Ruby mit ihrem bemerkenswerten musikalischen Talent oder der eloquente Niederländer Joaquin – sie alle bringen ihre ganz eigenen Persönlichkeiten mit und wachsen einem schnell ans Herz. Das Casting erweist sich als großer Glücksgriff. Junge Zuschauer dürften in ihnen Vorbilder erkennen, die greifbar und authentisch wirken, während Erwachsene vor allem von ihrer Offenheit und Ernsthaftigkeit beeindruckt sein werden.
Werbung für eine Idee
Natürlich verfolgt FUTURE COUNCIL – Komm an Bord eine klare Agenda. Der Film wirbt unmissverständlich für mehr Klimaschutz und stellt bestehende wirtschaftliche Strukturen kritisch infrage. Allerdings geschieht dies nicht unterschwellig, sondern offen und transparent. Wer die Klimakrise grundsätzlich leugnet, wird sich von diesem Film vermutlich kaum überzeugen lassen. Doch das scheint auch nicht sein Anspruch zu sein.
Vielmehr möchte Gameau Mut machen und zeigen, dass Engagement etwas bewirken kann. Tatsächlich ist aus dem im Film dokumentierten Projekt inzwischen eine internationale Bewegung entstanden. Die beteiligten Kinder sprachen bereits vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen, und mehrere der im Film gezeigten Unternehmen arbeiten weiterhin mit vergleichbaren Beteiligungsmodellen. Bei Decathlon wurden laut Abspann sogar erste Maßnahmen umgesetzt.
So ist FUTURE COUNCIL – Komm an Bord durchaus auch Werbung – Werbung für eine Idee, für Beteiligung und für die Überzeugung, dass junge Menschen stärker in Entscheidungen einbezogen werden sollten. Doch es ist eine Form von Werbung, die inspiriert statt manipuliert. Damon Gameau ist ein ebenso unterhaltsamer wie engagierter Dokumentarfilm gelungen, der seinem jungen Publikum Hoffnung vermittelt, ohne die Herausforderungen unserer Zeit zu beschönigen. Und allein das ist heute schon bemerkenswert genug.
OT: „Future Council“
Land: Niederlande, Australien
Jahr: 2024
Regie: Damon Gameau
Buch: Damon Gameau, Jimmi James Wright
Musik: Sergio Escoda De Grroot, Jesse Koch, Niels van der Willen, Ruby Rodgers, Ivo Janssen, Massivemusic
Kamera: Judd Overton
Mitwirkende: Karla Albjerg, Clemence „CC“ Currie, Hiva Tuki Grube, Aurvi Jaine, Joaquin Minana, Skye Neville, Ruby Rodgers, Josepg Wijaya
Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.
(Anzeige)

