Travis Knight bei der Deutschlandpremiere von "Masters of the Universe)  in Berlin am 28. Mai 2026 (Foto: Sebastian Reuter/Getty Images for Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/ © 2026 Getty Image)

Travis Knight [Interview]

Basierend auf der berühmten Spielzeugreihe erzählt Masters of the Universe die Geschichte von Prinz Adam (Nicholas Galitzine), der während der Invasion von Skeletor (Jared Leto) und dessen Truppen seinen Heimatplaneten Eternia verlassen muss und Zuflucht auf der Erde findet. Dabei verliert er jedoch das Schwert der Macht, welches der Schlüssel zur Herrschaft seiner Welt ist. Erst 15 Jahre später, aus dem Jungen von einst ist ein Erwachsener geworden, findet Adam nach langer Suche das Schwert wieder und kehrt mit der Kriegerin Teela (Camila Mendes) nach Eternia zurück. Doch seither ist viel geschehen, von dem geliebten Königreich ist kaum etwas geblieben. Zum Kinostart am 4. Juni 2026 durften wir Regisseur Travis Knight sprechen. Im Interview verrät er uns mehr über seine Beziehung zu den Figuren, was diese so besonders macht und was für ihn die Schönheit des Kinos ausmacht.

Was hat dich an Masters of the Universe gereizt? Warum wolltest du diesen Film machen?

Als man mich gefragt hat, ob ich bei diesem Film Regie führen will, war ich total überrascht. Woher wussten die, dass ich ein großer Fan von He-Man war? Das ist schließlich nichts, worüber du normalerweise auf Cocktailpartys sprichst. Aber ich bin ein Kind der 1980er und war deshalb da, als alles losging und He-Man wie eine Bombe in meinem vorpubertären Gehirn einschlug. Und ich liebte es! Es war eine seltsame Destillation von allem, was ich liebte. Du hattest Fantasy, du hattest Science-Fiction. Die Welt war so eigenartig. Da war dieser Barbar mit einem Schwert – und ich liebte Conan – Der Barbar. Aber es war auch wie Flash Gordon und Stars Wars mit den Raumschiffen und Laserwaffen. All diese verrückten Sachen, von denen du nie geglaubt hättest, dass sie zusammen eine kohärente Welt bilden könnten. Und in vielerlei Hinsicht war sie das auch nicht. Aber das war eben auch irgendwie das Schöne daran, dieser irrsinnige Exzess. Das war etwas, das ich seit meiner Kindheit mit mir getragen habe. Ich war deshalb absolut begeistert, als man mir den Film anbot und die Möglichkeit, diese Figuren zum Leben zu erwecken. Und ich muss sagen: Die zweieinhalb Jahre, die ich an diesem Projekt gearbeitet habe, waren die freudvollsten in meiner beruflichen Laufbahn.

Bei dieser Reihe gab es die unterschiedlichsten Figuren. Welche davon war dein Liebling?

Das ist jetzt vielleicht etwas langweilig, aber es war tatsächlich He-Man. Er war die erste Figur, die ich kennenlernte und durch die ich mit allem in Berührung gekommen bin. Aber ich mochte auch die Figur an sich. Er sieht aus wie der typische 80er-Jahre-Held mit diesen riesigen Muskeln und dieser lächerlichen Frisur. Der Typ, der alle Bösen verprügeln konnte. Das tat er auch, wenn er es musste. Aber er versuchte immer, mit anderen einen Konsens zu finden. Er sprach über Mitgefühl, er sprach über Freundschaft. Er war ein nobler Mann – mit einem Sixpack natürlich. Mich hat das damals umgehauen. Die Vorstellung, dass jemand so stark und trotzdem ein anständiger Kerl sein kann, das war für mich etwas völlig Unerhörtes. Das war so, als würdest du entdecken, dass du sowohl einen Panzer als auch ein Tagebuch haben kannst. Als Kind war das unglaublich für mich. Und es ist glaube ich noch immer eine Seltenheit, im Jahr 2026, einen Superhelden zu haben, der so sein kann.

In den 1980ern hatten wir eine Menge seltsamer Spielzeuge. Warum haben ausgerechnet die Masters überlebt?

Sie sind ungewöhnlich und unverwechselbar. Dabei hat man immer wieder neue Versionen davon gemacht und die Figuren neu interpretiert. Es gab im Laufe der Jahre so viele Fassungen, die Spielzeuge, die Comics, die Zeichentrickserien und die Filme, die alle auf ihre Weise einzigartig waren. Alles, was so lange auf dem Markt ist – bei den Masters sind es über 40 Jahre –, wird irgendwann notgedrungen widersprüchlich. Wir haben uns deshalb auch von den unterschiedlichsten Versionen inspirieren lassen, die mit der Zeit herausgekommen sind, darunter auch einige sehr obskure Sachen.

Als die Masters auf den Markt kamen, richteten sie sich eindeutig an Kinder. Diese Kinder sind inzwischen natürlich Erwachsene geworden. Gleichzeitig ist das Franchise immer noch eher für Kinder gedacht. Welche Zielgruppe wolltet ihr ansprechen, die Leute, die damals Kinder waren, oder heutige Kinder?

Beide. Ich wollte mit diesem Film wirklich alle ansprechen. Wir haben eine Reihe von Testvorführungen gemacht, um zu sehen, ob der Film ankommt. Und wir haben gesehen, dass sowohl Leute, die wie ich ihr Leben lang Fans vom Franchise waren, als auch solche, die noch nie etwas davon gehört haben, eine gute Zeit hatten. Selbst wenn man nicht alle Anspielungen versteht, merkt man doch, dass das sehr spezifisch ist und auf etwas basiert, was dem Film eine Geschichte gibt, die außerhalb des Films existiert. Der Film ist für Kinder und Familien, aber auch für Erwachsene, die einfach eine gute Zeit im Kino haben wollen.

Anspielungen wie die im Fitnessstudio?

Zum Beispiel. Wir haben ganz viele Anspielungen in dem Film, offensichtliche wie versteckte, fast schon in einem verantwortungslosen Ausmaß. Fans haben deshalb noch eine ganz andere Ebene, die sie entdecken können.

Masters of the Universe hat überraschend viel Humor, wenn ihr euch über die Eigenheiten des Franchises lustig macht – siehe etwa die Namen oder der Sixpack. Wie schwierig war es, die Balance zu finden, diese Eigenheiten auf den Arm zu nehmen, ohne dass daraus eine Parodie wird?

Ich wollte definitiv keine Parodie machen. Dafür sind mir die Masters zu wichtig. Ein Teil des Spaßes war für mich aber immer, wie abgefahren und seltsam das alles war. Das war immer mit einer Albernheit verbunden, die Teil dieses Franchises ist. Und das ist nichts, wovon wir uns distanzieren wollten. Für mich ist das sogar eine Stärke. Wir wollten diese Albernheit annehmen, diese wunderbare Absurdität. Aber es war uns wichtig, dass wir den Figuren nicht mit Ironie begegnen wollten, mit einer herablassenden Distanz. Wir wollten sie ernst nehmen und auch die Themen, die dabei angesprochen werden. Das Herz des Films sind He-Man und seine Beziehung zu den anderen. Das ist es, wovon wir erzählen. Und solang du dir dessen bewusst bist und darauf achtest, kannst du auch Witze darüber machen, dass diese Leute so bescheuerte Namen haben.

Adam hat zu vielen von diesen Figuren aufgesehen, als er aus Eternia geflohen ist, und er hat sich diese Bewunderung bewahrt, auch nachdem er erwachsen geworden ist. Welche Kindheitshelden hattest du?

Ich war als Kind ein Bücherwurm und habe die ganze Zeit gelesen. Ich wurde dabei sehr von meinen Eltern geprägt, die selbst sehr viel gelesen haben, aber auch sehr cinephil waren. Sie haben mich in alle möglichen Filme geschleppt, egal, wie unangemessen diese auch gewesen sein mögen. Das war letztendlich ein Geschenk, weil es mir die Augen geöffnet hat für die unterschiedlichsten Sachen und mich letztendlich auch zu dem gemacht haben, der ich bin. Viele meiner Helden damals waren deshalb auch Figuren aus Filmen oder Büchern. Oder aus Comics, ich liebte Comics. Spider-Man. X-Men. Ich hatte keine Sportler, die ich verehrte, wie viele andere Kinder es taten. Ich liebte lieber die Sachen, die eine Vorstellungskraft beinhalteten, die Geschichten erzählten. Und ich lebe noch immer in dieser Welt. Im Grunde habe ich mich nicht sehr verändert, seitdem ich acht Jahre alt bin.

Du hast erwähnt, wie verrückt vieles von dem ist, was man in der Welt von He-Man findet. Was war am schwierigsten davon als Film umzusetzen?

Für mich ist es eine Frage der Tonalität und der Balance. Du hast dieses abgedrehte Kaleidoskop, diese knallbunte Optik – das war schon schwierig als Live-Action-Film umzusetzen. Du fängst dann an, das irgendwie anzugleichen, das weniger extrem zu machen, du hast weniger Kanten, mehr Grau. Dabei macht es die Schönheit von Masters of the Universe aus, dass du diese Kanten hast. Dass das alles so seltsam ist. Das waren Diskussionen, die ich mit meinen Teams hatte, ob mit Art Design, Production Design, Visual Effects. Mir war es wichtig, dass wir gegen diese Tendenz arbeiten, alles farbloser zu machen. Ich wollte keinen Film, der dann irgendwo in der Mitte landet. Er sollte extrem sein.

Ich kenne dich ursprünglich durch deine Arbeit bei Laika. Wo ist die Gemeinsamkeit zwischen den kunstvollen Stop-Motion-Filmen, die ihr dort macht, und deinen 80er-Jahren-Spielzeugfilmen Bumblebee und Masters of the Universe?

Ich gebe zu, auf den ersten Blick sind diese Filme sehr unterschiedlich. Auf der einen Seite sind die Stop-Motion-Filme, die mit viel Handarbeit entstehen und sehr langsam sind. Und dann hast du auf der anderen Seite diese Großproduktionen mit ganz vielen Spezialeffekten. Von außen betrachtet ist das sehr unterschiedlich. Mein Zugang zu beidem ist aber identisch. Wenn du eine Geschichte erzählen willst, suchst du nach dem emotionalen Kern und den Beziehungen zwischen den Figuren. Und dann baust du die Geschichte drumherum. Als ein Animator, und das bin ich in erster Linie, sehe ich die Welt visuell. Bei einem Stop-Motion-Film fängst du wirklich bei Null an, mit einer komplett weißen Leinwand. Alles, was du in dem Film siehst, jede Figur, jedes Gebäude, jeder Grashalm, ist etwas, das sich jemand ausgedacht und designt hat und das dann per Hand erschaffen wurde. Bei Eternia ist das ähnlich, du betreibst da World Building. Insofern sind sich die Filme da schon ähnlich. Und auch bei der Ausführung gibt es Gemeinsamkeiten. Wir haben alles ganz genau per Storyboard vorher festgelegt, damit alle wissen, was getan werden muss. Das erlaubt dir, das Beste aus allem herauszuholen.

Und warum wolltest du überhaupt Filmemacher werden?

Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich das wirklich tue und dass das mein Beruf ist. Ich bin in einer ländlichen Gegend von Oregon aufgewachsen, wo ich wirklich keinerlei Verbindung zu Hollywood oder dem Filmemachen hatte. Als Kind habe ich wie gesagt sehr viele Filme geschaut, weil ich Filme liebte, ebenso wie ich Comics oder Kunst liebte. Ich habe auch ständig ein Notizbuch mit mir herumgeschleppt, in das ich gezeichnet habe. Ich habe ständig etwas gezeichnet oder Geschichten erfunden oder auch mit der Kamera meines Vaters erste Filme gedreht. Das war also immer ein Teil meines Lebens gewesen. Und doch hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich das mal beruflich machen würde. Für mich ist es ein großes Geschenk, das machen zu dürfen und andere Menschen damit zu erreichen. Als Kind war es immer so, dass ich eine Verbindung zu den Leuten fühlte, die diese Sachen gemacht haben. Und das hat mir geholfen, mich weniger allein zu fühlen, selbst wenn ich diese Leute gar nicht gekannt habe. Das Kino kann die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringen, mit den unterschiedlichsten Hintergründen, aus den unterschiedlichsten Ländern, ob jung oder alt. Du kannst dir einen Film von Kurosawa anschauen und von ihm bewegt sein, obwohl du in einer ganz anderen Ära aufwächst. Das ist die Schönheit des Kinos.

Vielen Dank für das Interview!



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