Enter the Dragon Der Mann mit der Todeskralle
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Der Mann mit der Todeskralle

Enter the Dragon Der Mann mit der Todeskralle
„Der Mann mit der Todeskralle“ // Deutschland-Start: 25. Januar 1974 (Kino) // 21. Juni 2023 (DVD / Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Lee (Bruce Lee) ist ein Meister der Kampfkünste und einer der besten Schüler des Shaolin-Tempels, dem er schon seit vielen Jahren angehört. Eines Tages wird ihm vom Leiter des Tempels der Auftrag erteilt, einen ehemaligen Schüler des Tempels, einen Mann namens Han (Shih Kien), aufzusuchen und sich ihm im Kampf zu stellen, hat er sich doch von den Idealen der Shaolin abgewandt. Parallel bekommt Lee eine Mission vom britischen Geheimdienst, die ihn auf die Insel Hans schickt, wo er an einem Kampfturnier teilnehmen und zugleich die Drogenoperation Hans offenlegen soll. Auf der Insel angekommen, trifft Lee auf die anderen Teilnehmer des Turniers, unter ihnen Williams (Jim Kelly) und Roper (John Saxon), die ihre eigenen Gründe haben, warum sie sich mit anderen Sportlern im Kampf messen wollen. Es dauert nicht lange und Lee lernt, was hinter der Fassade des Geschäftsmannes Han steckt, nämlich ein gut organisiertes Drogenlabor sowie das Geschäft mit Menschen, die in den Katakomben der Insel gefangen gehalten werden. Jedoch bleiben seine Nachforschungen nicht ohne Folgen, denn Han schöpft längst Verdacht, wer der Eindringling ist, der jede Nacht in sein Labor einbricht.

Der Triumph Bruce Lees

Nachdem Bruce Lee in Hollywood nur auf Ablehnung und Enttäuschung gestoßen war, kehrte er in die Heimat seiner Eltern Hongkong zurück, um im dortigen Filmgeschäft Fuß zu fassen. Trotz anfänglicher Probleme etablierte er sich durch Projekte wie Die Todesfaust des Cheng Li und Todesgrüße aus Shanghai als Hauptdarsteller, der durch seine Physis wie auch sein Charisma einen Film tragen konnte. Der Mann mit der Todeskralle, eine Koproduktion mit den USA, stellte einen wichtigen Schritt in seiner Karriere dar, denn damit erreichte er genau das, wofür er jahrelang in Hollywood vergeblich gekämpft hatte: eine Hauptrolle in einem Film, der Asiaten jenseits bekannter Klischees darstellte und in dem er seine Philosophie über das Kämpfen und das Leben an sich einfließen lassen konnte. Den Triumph sollte Lee leider nicht miterleben dürfen, denn er starb noch vor der US-Premiere des Filmes, der bis heute zu seinen bekanntesten und populärsten Projekten gehört.

Der Mann mit der Todeskralle zeigt Lee zum einen auf dem Höhepunkt seiner körperlichen Form sowie seines Status als Hauptdarsteller von Martial-Arts-Filmen. Bereits in Die Todeskralle schlägt wieder zu hatte er gezeigt, wie er eine Hauptrolle definiert und welchen Wert er auf Kampfszenen innerhalb der Handlung legt, sodass Der Mann mit der Todeskralle eine Erweiterung dieser Ideen darstellt. Dass den US-amerikanischen Investoren an einer aus ihrer Sicht für das Publikum geläufigen Identifikationsfigur gelegen war, sieht man zwar an der  Besetzung von Darstellern wie John Saxon, doch dies ist eindeutig Lees Film, der durch seine Präsenz in jeder Szene positiv auffällt.

Die Figur Lee ist dabei eine Verbindung zwischen Tradition und Moderne, zwischen der asiatischen und der westlichen Kultur, und geht dabei doch einen ganz eigenen Weg. Entsprechend deutlich wird dies bereits in seiner Doppelmission, wenn er dem britischen Agenten gegenüber seine Souveränität (fast schon Überlegenheit) zeigt, was bis heute im Kontext asiatischer Rollenbilder im US-amerikanischen Kino eine Seltenheit darstellt. Darüber hinaus ist er sowohl physisch wie auch körperlich hoch trainiert, was ihn zu einem Gegner macht, der wie kein anderer innerhalb der Handlung eine Bedrohung darstellt und so etwas wie das Pendant zu James Bond repräsentiert, wobei er sich ganz auf die oben beschriebenen Eigenschaften verlässt und weniger auf Gadgets oder Waffen.

Die Spuren des Kolonialismus

Aus heutiger Sicht muss man Der Mann mit der Todeskralle aus als eine Abrechnung mit dem Kolonialismus sehen. Bruce Lees Figuren verkörpern immer auch ein neues Bewusstsein, das sich zu den asiatischen Traditionen bekennt und daraus ein Selbstbewusstsein schöpft, welches nicht länger hinnehmen kann, dass die ehemaligen Kolonisten es unterjochen oder beeinflussen. Der von Shih Kien gespielte Han ist dabei ein Verräter der eigenen Kultur sowie der spirituellen Werte und gehört entsprechend eliminiert, wobei der Auftrag des britischen Geheimdienst ein Nebeneffekt zu sein scheint. Für Han ist die eigene Kultur eine Themenpark, wie das Fest in seinem Palast bereits zeigt, welches all jene Stereotypen bedient, die vor allem der Westen (oder vielmehr westliche Popkultur) mit Asien verbinden, und die von Lee folglich mit einer gewissen Verachtung angesehen werden. Das Zurückgreifen auf eine Waffe wie die im Titel angesprochene Kralle vervollständigt den Verrat, den Lees Meister zu Beginn schon angesprochen hat.

Insbesondere die Kampfszenen verdienen eine besondere Erwähnung. Zum einen aus technischer Sicht, denn im Schnitt, in der Visualisierung sowie der Choreografie wird Lees Ansatz klar, der diese wie ein kleines Drama inszenieren wollte und nicht als reinen Selbstzweck. Das brillante Finale, das Lee in einer Art Spiegellabyrinth zeigt, in das sich sein Gegner zurückgezogen hat, verdeutlicht dies und dient ebenso als letztes Kapitel der spirituellen Ausbildung des Protagonisten. Darüber hinaus erscheinen diese Szenen wie eine Betonung der Durchtriebenheit des Antagonisten oder seiner Falschheit, wenn er sich hinter Spiegeln versteckt.

Credits

OT: „Enter the Dragon“
Land: USA, Hongkong
Jahr: 1973
Regie: Robert Clouse
Drehbuch: Michael Allin
Musik: Lalo Schifrin
Kamera: Gilbert Hubbs
Besetzung: Bruce Lee, John Saxon, Jim Kelly, Shih Kien, Bolo Yeung, Ahna Capri, Robert Wall

Trailer

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Der Mann mit der Todeskralle
fazit
„Der Mann mit der Todeskralle“ zeigt Bruce Lee auf der Höhe seines Könnens und ist damit sein bester Film. Darstellerisch wie auch technisch gesehen ist Robert Clouses Film bis heute ein Standardwerk im Martial-Arts-Genre, sodass es nicht verwundert, dass selbst Produktionen wie die "John Wick"-Filme wiederholt auf die Bilder und Sequenzen dieser Produktion zurückgreifen.
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