
Seit einem Unfall, den er als Kind hatte, kann Roman (Bart Kelchtermans) nicht mehr sehen. Seine visuelle Beeinträchtigung gleicht er jedoch durch ein umso besseres Gehör wieder aus. So kann er Details heraushören, die anderen verborgen bleiben. Diese Begabung möchte er nun für einen guten Zweck nutzen, indem er sie der Polizei zur Verfügung stellt. Kommissar Nico (Frank Lammers) und sein Team sind zwar anfangs skeptisch, können ihn aber gut brauchen bei den neuen Abhörmaßnahmen, mit denen sie endlich die Drogenkriminalität in Rotterdam eindämmen wollen. Bei Romans schwangerer Freundin Caro (Sigrid ten Napel) hält sich die Begeisterung über die neue Tätigkeit jedoch in Grenzen, befürchtet sie doch, dass ihr Partner sich auf diese Weise in Gefahr begeben könnte …
Belgische Krimiserie
Der späte Sonntag gehört im ZDF bekanntlich dem Krimigenre. Der Sender zeigt dann diverse Reihen und Serien aus dem europäischen Ausland. Zuletzt war man auf diesem Programmplatz in Skandinavien unterwegs und brachte neue Folgen der Dauerbrenner Mord im Mittsommer und Dan Sommerdahl. Jetzt gibt es zur Abwechslung mal wieder eine brandneue Serie. Blind Sherlock würde man des Titels wegen wohl in Großbritannien vermuten. Stattdessen handelt es sich aber um eine primär belgische Produktion. Dass diese dann in den Niederlanden spielt, ist zwar etwas komisch, zumal die Geschichte beinahe überall spielen könnte. Aber es stört auch nicht weiter.
Das Szenario erinnert ein wenig an die britische Krimiserie Code of Silence: Tödliches Schweigen, die vor rund einem Monat im Ersten ausgestrahlt wurde. Dort war es eine gehörlose Frau, die von der Polizei als Lippenleserin eingesetzt wird, da sie dort deutlich besser ist als die Menschen mit Gehör. Bei Blind Sherlock ist das Prinzip um einen Menschen mit Behinderung und zugleich großer Begabung identisch, lediglich die Sinne wurden vertauscht. Das hat dann auch Auswirkungen auf die Ermittlungen. Wo es bei der obigen Serie vor allem um das Beobachten geht, sei es bei Videos oder in der realen Welt, da wird es hier stärker akustisch. Das Ergebnis kommt ein bisschen übertrieben rüber. Dass jemand auf Anhieb eine Automarke heraushört, muss man nicht unbedingt glauben.
Ordentlich, aber austauschbar
Gemeinsam ist den beiden Serien auch, dass die Hauptfigur private Probleme mit sich herumschleppt und dazu neigt, auf eigene Faust etwas zu tun. Dadurch ähneln sich die Abläufe, obwohl es um andere Waren geht, statt Diamanten werden Drogen gehandelt. Überhaupt ist Blind Sherlock, wenn man die Besonderheit des Protagonisten weglässt, alles andere als besonders. Es mangelt hier an spannenden Figuren oder auch an einer eigenständigen Geschichte. Man hat das Gefühl, das meiste doch schon woanders gesehen oder gehört zu haben. Am originellsten sind noch die Decknamen der Verbrecher, die gejagt werden müssen. Das war es aber auch schon, vom Rest des Inhalts bleibt nicht so wahnsinnig viel hängen.
Dennoch ist das Ergebnis ordentlich geworden. Das liegt auch daran, dass hier ständig etwas los ist. So geht es diesmal nicht nur darum, dass die Guten gegen die Bösen kämpfen. Auch die Bösen sind nicht gut aufeinander zu sprechen, weshalb es im Laufe der sechs Folgen zu wechselnden Allianzen kommt. Da darf man schon gespannt sein, wie das alles ausgeht und wer am Ende auf der Strecke bleiben wird. Das große Genrehighlight ist aus Blind Sherlock zwar nicht geworden. Zumindest ist die Serie aber besser als so manch andere, die auf diesem Sendeplatz sonst zu sehen ist. Sollte es zu einer zweiten Staffel kommen, darf aber gern noch mehr Inhalt geboten werden, anstatt sich derart auf dem „Gimmick“ auszuruhen.
OT: „Blind Sherlock“
Land: Belgien, Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Joost Wynant
Drehbuch: Maarten Fabricio Goffin, Kristof Hoefkens
Idee: Maarten Fabricio Goffin, Kristof Hoefkens
Musik: Willem Ardui
Kamera: Dries De Clercq
Besetzung: Bart Kelchtermans, Frank Lammers, Charlie Chan Dagelet, Sigrid ten Napel, Pierre Bokma, Cynthia Abma, Ayşegül Karaca, Rein Hofman, Denzel Goudmijn, Eline ten Camp
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