Kritik

Todesgrüße aus Shanghai Fist of Fury

„Todesgrüße aus Shanghai“ // Deutschland-Start: 28. Juni 1973 (Kino) // 7. Mai 2010 (DVD/Blu-ray)

Als er die Nachricht vom Tod seines Meisters hört, reist Chen-zhen (Bruce Lee), dessen untergebenster Schüler, zurück zu dessen Schule in Shanghai, wo er einst in Kung-Fu unterrichtet wurde. In all seiner Trauer kocht aber auch die Wut in dem jungen Mann, glaubt er doch keine Sekunde an die offizielle Todesursache einer Lungenentzündung. Für genaue Untersuchungen bleibt jedoch keine Zeit, denn die Schule wird von einem japanischen Konkurrenten bedroht, der sogleich das Ableben des Meisters zum Ablass nimmt, über diesen zu spotten. Trotz der Mahnungen der anderen Schüler, sich nicht mit diesen anzulegen, ist Chen-zehn entschlossen, diese Beleidigung hinzunehmen, sodass er noch am selben Abend in die japanische Schule geht und dort sowohl deren Schüler als auch deren Meister aufmischt. Nun ist Chen-zhen im Fadenkreuz der Polizei, die, unter dem Druck der japanischen Besatzer, wiederum die chinesische Schule unter Druck setzen, Chen-zhen zum Aufgeben zu überreden. Um ihren Forderungen Gewicht zu verleihen, kehren die Schüler der japanischen Schule ihrerseits zu Chen-zhens ehemaliger Wirkungsstätte zurück und zerstören deren Mobiliar. Währenddessen ist Chen-zhen untergetaucht und erfährt durch einen Zufall, wer wirklich hinter dem Tod des Meisters stehen könnte.

Kein kranker Mann
Anfang der 1970er Jahre wendete sich das Blatt und der Name Bruce Lee wurde immer mehr zu einem Aushängeschild für modernes Martial-Arts-Kino, was vor allem dem Erfolg von Filmen wie Die Todesfaust des Cheng Li geschuldet war. Bereits ein Jahr später setzten Lee, Produzent Raymond Chow und Regisseur Lo Wei ihre Kollaboration fort mit Fist of Fury, der in Deutschland auch als Todesgrüße aus Shanghai bekannt ist. Ausgehend von der Geschichte um den chinesischen Volkshelden Huo Yuanjia konnte man den Erfolg des ersten Films sogar noch übertreffen. Im Gesamtwerk Bruce Lee uns Lo Weis steht Fist of Fury nicht nur für zeitgemäßes, schnörkelloses Actionkino, sondern erzählt zudem eine Geschichte über einen Widerständler und Rebellen, jene Rolle, die Bruce Lee gewissermaßen in all seinen Filmen spielte.

Wichtig zum Verständnis der Geschichte ist deren Einbettung in den historischen Kontext von Shanghai Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Szenario, welches Fans der Ip Man-Reihe nur allzu bekannt sein dürfte, zeigt die Chinesen als ein Volk, welches von den Japanern kontrolliert und überwacht wird und dessen Kampfschulen wie die in Fist of Fury bestenfalls geduldet werden. Da auch die Polizei von den Japanern kontrolliert wird, ist das Anpassen und Nicht-Auffallen an der Tagesordnung für viele Chinesen, sodass jemand wie Chen-zhen mit seiner Art sich schon als Außenseiter, auch unter den eigenen Leuten, zeigt. Nicht nur seine Impulsivität, auch seine tiefe Trauer über den Tod seiner Meisters sorgen für eine Mischung aus Erstaunen und Bewunderung bei den anderen Schülern, die ihre Emotionen eher zu unterdrücken scheinen.

Darüber hinaus entwirft Lo Wei in Fist of Fury eine Zwei-Klassen-Welt, in der Chinesen auf einer Stufe mit Hunden standen. Sinnbildlich ist eine Szene, in der Chen-zhen der Zutritt zu einem Park nicht erlaubt wird wegen seiner Nationalität, was sogleich Spott seitens einer Gruppe japanischer Männer nach sich zieht. Die Kampfkunst ist der Widerstand gegen diese Atmosphäre aus Ressentiments und offen vorgetragenem Rassismus, eine Betonung, dass man mitnichten „der kranke Mann Südostasiens“ ist.

Kunst und Kampf
Dementsprechend ist die Kampfkunst keinesfalls Mittel zum Zweck, sondern eine Form des Ausdrucks, was letztlich auch der Philosophie Lees entspricht. Während der Konfrontationen zeigt sich die tatsächliche Freiheit und die Kunstfertigkeit des jungen Mannes, der nun frei ist von den repressiven Regeln der Umgebung. Selbstsicher und oft mit freiem Oberkörper zeigt er nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Fitness, jenes Talent zu Improvisation, welches den Kampfchoreografien ihre fast schon tänzerische Eleganz gibt. Ein besonderes Highlight ist Lees Kampf gegen den Russen Petrov (gespielt von Robert Baker), nicht nur wegen der Bewegungen, sondern auch wegen der Inszenierung Weis.

Credits

OT: „Jing wu men“
Land: Hongkong
Jahr: 1972
Regie: Lo Wei
Drehbuch: Bruce Lee, Lo Wei
Musik: Wang Fu-Ling, Joseph Koo
Kamera: Chen Ching-Chu
Besetzung: Bruce Lee, Nora Miao, Tien Feng, James Tien, Robert Baker, Riki Hashimoto, Ping-Ao Wei

Trailer

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Todesgrüße aus Shanghai
"Fist of Fury" ist ein Klassiker des Martial Arts-Kinos, der auch heute noch zu überzeugen weiß. Die Präsenz wie auch das Talent Bruce Lees, kombiniert mit der Inszenierung Lo Weis machen die Geschichte zu einer packenden Erzählung über die Rebellion eines Außenseiters, eines Mannes, der nicht gewillt ist, seine Emotionen anzupassen oder kontrollieren zu lassen.
8von 10

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