The Menu
© 20th Century Studios

The Menu

„The Menu“ // Deutschland-Start: 17. November 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Wer einen Tisch im Restaurant von Julian Slowik (Ralph Fiennes) bekommen hat, der hat es im Leben geschafft. Schließlich handelt es sich dabei um ein sehr exklusives Nobelrestaurant, welches sich auf einer abgelegenen Insel befindet und sehr selektiv bei den Gästen ist. Umso größer ist die Freude bei Tyler (Nicholas Hoult), dass er einer der Glücklichen ist. Denn er ist ein großer Fan des exzentrischen Küchenchefs, hat sich alles von ihm angesehen – im Gegensatz zu seiner Freundin Margot (Anya Taylor-Joy), die mit all dem nichts anfangen kann. Dass sie eigentlich bei der exklusiven Veranstaltung nicht auf der Gästeliste steht, sorgt zu Beginn für Irritationen. Schließlich ist an dem Abend alles bis ins Detail vorbereitet. Letzten Endes darf aber auch sie Platz nehmen. Wobei sich ihre Freude in Grenzen hält. Nicht nur, dass die streng konzeptionierte Haute Cuisine so gar nicht nach ihrem Geschmack ist. Etwas scheint bei dieser Veranstaltung zudem nicht mit rechten Dingen vor sich zu gehen …

Ein Menü voller Spannungen

Wenn in Filmen Essen thematisiert wird, dann geht es oft um die Freude daran. Geht es um Menschen, die sich einen Traum erfüllen und diesen mit anderen teilen wollen. Natürlich muss auf dem Weg ins Glück das eine oder andere Hindernis aus dem Weg geräumt werden. Aber dafür schmeckt es später umso besser. Auch bei The Menu geht es um Selbstverwirklichung und Träume, geht es ums Teilen und die Suche nach dem Glück. Während viele andere Filme aus diesem Bereich aber rein auf Wohlfühlbauchpinselei aus sind, da merkt man hier schon recht früh, dass die Richtung eine andere ist. Zwar sind die ersten Bilder idyllisch, viel Sonne, das Meer. Die Insel ist ein grünes Paradies. Doch all das hat zugleich etwas Bedrohliches an sich.

Was dieses Bedrohliche letztendlich ist, das wird erst relativ spät verraten. Regisseur Mark Mylod (Ali G in da House) lässt es recht gemütlich angehen und erhöht nur langsam die Intensität. Spannungen gibt es dabei durchaus in The Menu, sowohl bei den Gästen wie auch im Verhältnis zwischen diesen und dem Koch und seiner Heerschar an Bediensteten. Von Freude ist da nichts zu spüren. So tritt Oberkellnerin Elsa (Hong Chau) zwar freundlich auf, verbirgt dahinter aber kaum die Härte. Beim Rest des Küchenteams hat man ohnehin den Eindruck, dass es sich vielmehr um das Militär handelt, angeführt von einem Koch, bei dem man nicht sagen kann, ob er seine Arbeit liebt oder hasst. Bei dem nicht klar ist, ob er seinen Gästen etwas Gutes tun möchte oder diese mit seinen sonderbaren Kreationen, die mehr Konzept als Nahrung sind, vorführen will.

Zwischen Kunst und Klassenkampf

Dabei wird das Thema Essen zu einem Aufhänger für deutlich universellere. Ganz wichtig ist in dem Zusammenhang der Umgang mit der Kunst, wenn wir kontinuierlich zwischen dem Erschaffer und dem Rezipienten wechseln. Was wollen wir mit Kunst? Was kann sie, darf sie? Ist sie an die Menschen gebunden oder steht sie für sich? The Menu erzählt von Kreisen, in denen sich das Spiel so sehr verselbständigt hat, dass kaum jemand mehr selbst hinterfragt. Doch zu dem Zweck ist eben Margot da, die als Außenseiterin die Spielregeln nicht kennt und in Folge immer wieder aneckt. Zum Teil geschieht das aus einer Notwendigkeit heraus. Zum Teil tut sie dies bewusst, weil sie trotz ihres geringeren sozialen Status’ nicht die Anweisungen von oben akzeptiert. So oder so wird sie zur Identifikationsfigur, wenn wir mit den Leuten am Tisch Platz nehmen und auf das große Finale warten.

Diese Überlegungen sind mit solchen verbunden, die eine stärker gesellschaftliche Ausrichtung haben und den Umgang von Menschen im Allgemeinen behandeln. Slowik unterscheidet zwischen den Gebern und Nehmern. Zwischen denjenigen, die etwas für andere tun möchten, und solchen, die andere ausnutzen und dabei auf sie herabblicken. Obwohl das Nobelrestaurant eigentlich nur in den höchsten Kreisen spielt, mit einer entsprechenden Klientel, wird es doch zu einem Schauplatz des Klassenkampfes. Und zu einem Wettstreit der Egos, wenn sich praktisch alle für sehr wichtig nehmen. Nein, sympathisch sind die Figuren in The Menu überwiegend nicht. Beim Anschauen wird man dann auch nicht immer wissen, wen man hier anfeuern soll – oder ob man das überhaupt tun will.

Ein köstlicher Spaß

Das ist alles sehr gut gespielt, das Ensemble geht völlig in den Rollen auf. Spaß macht die Mischung aus Komödie und Thriller, die auf dem Toronto International Film Festival 2022 Premiere feierte, sowieso. Ein paar Punkte schmälern zwar das Vergnügen. Neben der angesprochenen Langsamkeit, wenn die Geschichte immer mal wieder nicht recht vorankommt, ist die mangelnde Glaubwürdigkeit ein Problem. Dass die Gäste wie Schafe dasitzen und auf ihr Ende warten, wird selbst innerhalb des Films kritisiert. Darüber sollte man bei The Menu nicht weiter nachdenken. Muss aber auch nicht, da der Film auch so sehr viel zu bieten hat, das einem danach im Kopf herumschwirrt. Und selbst wer nicht die Gedankenspiele mitmachen möchte, kann hier auf seine Kosten kommen, sich zurücklehnen und zusehen, wie die Messer gewetzt werden – innerhalb wie außerhalb der Küche.

Credits

OT: „The Menu“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Mark Mylod
Drehbuch: Seth Reiss, Will Tracy
Musik: Colin Stetson
Kamera: Peter Deming
Besetzung: Ralph Fiennes, Anya Taylor-Joy, Nicholas Hoult, Hong Chau, Janet McTeer, Judith Light, John Leguizamo

Bilder

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The Menu
fazit
„The Menu“ ist eine spaßige Mischung aus Komödie und Thriller um ein exklusives Nobelrestaurant, bei dem ein etwas anderes Menu geplant ist. Dabei gibt es viel Stoff zum Nachdenken, sowohl im Hinblick auf das Verhältnis von Menschen zu Kunst wie auch Klassenunterschiede. Man kann sich aber auch einfach zurücklehnen und die langsam steigende Eskalation genießen, sofern man sich nicht an dem eher gemächlichen Tempo stört.
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