Checkout TV Fernsehen Das Erste ARD Mediathek
© HR/Bettina Müller

Checkout

Checkout TV Fernsehen Das Erste ARD Mediathek
„Checkout“ // Deutschland-Start: 21. September 2022 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Caro (Silke Bodenbender) kann nicht mehr. Seit Jahren schon reibt sie sich auf bei ihrer Arbeit als Altenpflegerin, ohne Pause, ohne nennenswerte Anerkennung. Als dann auch noch Frau Rumi (Klara Höfels) stirbt, ihre Lieblingsbewohnerin in der Einrichtung, will sie einfach nur wenig. Und so schnappt sie sich einen Rucksack und ein paar kleinere Habseligkeiten und macht sich auf den Weg in die Natur, ohne jemandem Bescheid zu geben. Nicht einmal ihr Ehemann Markus (Trystan Pütter) sagt sie etwas von ihrem Plan. Dabei hat sie eigentlich keinen Plan. Sie hat auch kein Handy oder nennenswerte Outdoor-Erfahrungen, weshalb es nicht lange dauert, bis sie in einer handfesten Krise steckt …

Burnout und Ausbruch

Früher war es ein Tabu, heute wird schon offener darüber gesprochen: der Burnout. Immer mehr Menschen klagen darüber, wie sie sich innerhalb der Arbeit zerreißen, zu wenig Ausgleich dafür haben, bis sie irgendwann einfach nicht mehr können. Wenn Caro zu Beginn von Checkout einfach alles stehen und liegen lässt, um von einem Moment zum nächsten auszubrechen, dürften nicht wenige durchaus mitfühlen können, wie es ihr gerade geht. Hinzu kommt, dass ihre Arbeit als Altenpflegerin auf einer Demenzstation mit einer starken psychischen Belastung einhergeht, was das Mitgefühl der Zuschauer und Zuschauerinnen noch weiter verstärken dürfte. Dieser Mensch, so viel Konsens dürfte es bei den meisten geben, braucht und verdient eine Auszeit.

Nur ist Checkout keines dieser Aussteigerdramen, die sich intensiv mit dem seelischen Zustand der Betroffenen auseinandersetzen. Es wird auch nicht auf die Tränendrüse gedrückt. Stattdessen versucht die ARD-Produktion diesen Zusammenbruch mit Humor zu nehmen. Ob das der richtige Zugang zu einem ernsten Thema ist, darüber kann man sich natürlich streiten. Die skurrilen Elemente, die zu einem solchen (Pseudo)-Roadtrip dazugehören, führen dazu, dass man die psychische Erschöpfung von Caro kaum als solche wahrnimmt. Das wirkt mehr wie jemand, der ein Wellnesswochenende braucht, anstatt eine fundamentale Krise durchzumachen, bei der das ganze Leben einmal hinterfragt wird. Nicht dass sie dafür die Zeit hätte, wo ihr doch dauernd irgendwelche nervigen Sachen passieren.

Nur manchmal amüsant

Vereinzelt ist das amüsant. Ein Running Gag zeigt beispielsweise, wie sie regelmäßig in einem Bus landet, der von Wilhelm (Ernst Stötzner) gefahren wird und so ziemlich der letzte Ort ist, der einen wirklichen Ausbruch ermöglicht. Denn da geht alles streng nach Regeln. Umgekehrt geht abseits des Weges alles schief, was nur irgendwie schief gehen kann. Das reicht aber maximal zum Schmunzeln. Grund zum lauthalsen Lachen findet man bei dem Beitrag vom Festival des deutschen Films 2022 kaum. Tatsächlich plätschert Checkout nach einem überraschenden Einstieg über längere Passagen müde vor sich hin. Selbst ein gewisses Spannungsmoment, wenn Caro von Markus verfolgt wird, bleibt ohne wirkliche Konsequenz. Es führt lediglich dazu, dass dann eben zwei Menschen in der Natur unterwegs sind, ohne von dieser Ahnung zu haben.

Wie viel unterhaltsamer ein unvorbereiteter Trip in die Wildnis sein kann, zeigte vor einigen Jahren Wo die wilden Menschen jagen. Damals war es ein schwieriger Junge, der in den Wald flieht, weil er nicht zurück ins Pflegeheim wollte, mit der neuen Umgebung aber nicht zurechtkommt. Diese Gegensätze aus Anspruch und Realität kommen hier zu wenig raus, so wie vieles einfach nicht konsequent genug verfolgt wird. Das bedeutet dann nicht, dass Checkout schlecht ist. Ein paar nette Einfälle gibt es hier schon. Hinzu kommen hübsche Bilder der Natur. Aber das reicht in der Summe dann nur für eine recht durchschnittliche Komödie, vor der man abends ein bisschen vor sich hin dösen kann. Der Film bietet weder Tiefgang, noch macht er so viel Spaß, dass man ihn unbedingt gesehen haben müsste. Da hatte Regisseurin Nana Neul zuvor mit dem „richtigen“ Roadmovie Töchter ein deutlich besseres Händchen bewiesen.

Credits

OT: „Checkout“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Nana Neul
Drehbuch: Kristl Philippi, David Ungureit
Musik: Masha Qrella
Kamera: Bernhard Keller
Besetzung: Silke Bodenbender, Trystan Pütter, Klara Höfels, Ernst Stötzner, Hans-Jochen Wagner

Bilder



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Checkout
fazit
„Checkout“ beginnt ganz vielversprechen, wenn eine Pflegerin in der Krise eines Tages einfach fortgeht, um in die Natur zu gehen, und niemandem Bescheid gibt. Der Film versucht das Thema locker und humorvoll anzugehen, bietet aber nicht genügend witzige Einfälle, um das zu rechtfertigen. Trotz vereinzelt netter Einfälle bleibt ein nur durchschnittlicher Film, der zu wenig aus allem herausholt.
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