(„Hunt For The Wilderpeople“ directed by Taika Waititi, 2016)

Wo die wilden Menschen wohnenEr stiehlt, zerstört, macht eigentlich alles, was er nicht soll – und nichts von dem, was er soll. Kein Zweifel: Ricky (Julian Dennison) ist eine echte Herausforderung, weshalb er auch nie lange bei einer Pflegefamilie bleibt. Doch dieses Mal könnte alles anders werden: Bei der liebevollen Bella (Rima Te Wiata) und ihrem Hec (Sam Neill) scheint er endlich die Familie gefunden zu haben, nach der er sich insgeheim sehnte. Aber wie gewonnen, so zerronnen: Es kommt zu einem Unglück und Ricky flieht in die Wälder. Denn sollte ihn die unbarmherzige Paula (Rachel House) vom Jugendamt in die Hände bekommen, hieße es wieder, ganz von vorne anfangen. Und das will Ricky um jeden Preis verhindern. Selbst wenn das heißt, sich nun in der Wildnis durchschlagen zu müssen.

5 Zimmer Küche Sarg war sicher eine der schönsten Überraschungen, die das Horrorumfeld in den letzten Jahren zu bieten hatte: Eine Mockumentary über eine Vampir-WG? Das ist genau diese Art frischer Wind, den das oft etwas selbstgenügsame Genre braucht. Noch bevor wir im Herbst sehen, ob Taika Waititi – einer der damaligen Co-Regisseure – diesen Wind bis nach Hollywood trägt, für das er Thor 3: Ragnarok inszenieren durfte, machte der Neuseeländer hier noch einmal einen Abstecher nach Hause und für sehr viel weniger Geld.

Buddy Movie trifft Coming of Age
Das war dafür besonders gut angelegt, selbst wenn Wo die wilden Menschen jagen ein weniger originelles Szenario zu bieten hat als der Vorfilm. Im Grunde ist der Ausflug in die neuseeländischen Wälder ein typischer Buddy Movie, wo zwei grundverschiedene Menschen sich zusammenraufen müssen, Gemeinsamkeiten entdecken, am Ende auch ihr Herz. Verknüpft wird das Ganze noch mit Coming-of-Age-Elementen, wenn ein junger Außenseiter seinen Platz in der Welt suchen muss – wobei Welt hier sowohl auf die Wildnis wie auch die Gesellschaft anzuwenden ist.

Die eigentliche Qualität des Films liegt jedoch weniger in dem „was“ als in dem „wie“. Die Geschichte, welche auf dem 1986 erschienenen Roman „Wild Pork and Watercress“ des Neuseeländers Barry Crump basiert, wird nämlich erst durch die Figuren und deren Schauspieler so richtig lebendig. Waititi gelingt dabei das Kunststück, sowohl die komischen, wie auch die traurigen Momente gleichermaßen harmonisch und überzeugend miteinander zu verknüpfen. Wenn wir den völlig unpraktisch veranlagten Ricky beobachten, wie er völlig an dem Leben im Wald scheitert, dann ist das nur eine Seite der Medaille. Der Film nutzt den Jungen für zahlreiche Witze, macht sich aber nicht grundsätzlich über ihn lustig. Denn gleichzeitig erhalten wir zu Herzen gehende Einblicke, spüren, wie einsam er hinter seinem rebellischen Auftreten ist.

Das Zusammenspiel funktioniert … trotz kleiner Längen
Sam Neill (Die Wildente, Das Piano) ist dabei ein wunderbares Gegenstück: Seine schroffe, unnahbare Art reibt sich immer wieder mit der des übergewichtigen Jungen mit dem Kapuzenpulli, der so gern so cool wäre. Sie sind verschieden, kaum zu vereinbaren, auf gewisse Weise jedoch auch Seelenverwandte. Denn beide sind sie irgendwo verloren, passen nicht hinein in diese Welt. Finden in dem anderen doch auch etwas von sich selbst. Das ist insgesamt so unterhaltsam, mal nah am Leben, dann wieder völlig absurd, dass man dem Beitrag der Fantasy Filmfest White Nights 2017 auch nachsieht, wenn das Irren durch die Wälder selbst ein bisschen ziellos wird. Dass dieser Teil sich über Monate hinwegzieht, wird im Film zwar gesagt, man kann es jedoch kaum spüren. Und auch der Survival-Aspekt kommt ein bisschen kurz. Gleichzeitig geht die Flucht vor dem Jugendamt etwas lange, ohne dass mal etwas Entscheidendes passiert, da hapert es in beide Richtungen mit dem Tempo. Aber das lässt sich verschmerzen. Trotz des leichten Schlingerns im letzten Drittel: Wo die wilden Menschen jagen macht Spaß, bietet tolle Bilder und gleichzeitig was fürs Herz – was will man mehr?

Wo die wilden Menschen jagen
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Wo die wilden Menschen jagen
Wenn ein mürrischer Einsiedler und ein schwieriger Junge gemeinsam die neuseeländischen Wälder unsicher machen, bleibt dabei kein Auge trocken. Gleichzeitig bietet die fantastisch gespielte Mischung aus Buddy-Komödie und Coming-of-Age-Drama aber auch sehr schöne und einfühlsame Momente – trotz eines schwächeren letzten Drittels.
8von 10

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