Die zweigeteilte Frau La Fille coupée en deux arte
© Pathé Films/France 2 Cinéma/Integral Film 2007

Die zweigeteilte Frau

Inhalt / Kritik

Die zweigeteilte Frau
„Die zweigeteilte Frau“ // Deutschland-Start: 10. Januar 2008 (Kino) // 14. August 2008 (DVD)

Als Gabrielle Aurore Deneige (Ludivine Sagnier) dem beliebten Schriftsteller und Frauenheld Charles Saint-Denis (François Berléand) begegnet, dauert es nicht lange, bis seine Verführungskünste von Erfolg gekrönt sind. Die junge Frau fühlt sich trotz des großen Altersunterschiedes zu ihm hingezogen. Doch während Gabrielle tatsächliche Gefühle für den Künstler entwickelt und eine Beziehung mit ihm eingehen möchte, sieht der verheiratete Charles in ihr nur eine Affäre. Enttäuscht darüber verlässt sie ihn daraufhin und kommt dafür Paul André Claude Gaudens (Benoît Magimel) näher, dem Sohn einer sehr reichen Familie. Gleichzeitig kann Gabrielle Charles aber nicht vergessen, für den sie nach wie vor sehr viel empfindet …

Spätwerk jenseits der Genregrenzen

Die zweigeteilte Frau handelt nicht nur von einer Frau, die zwischen zwei Männern steckt, was auf allen Seiten für verletzte Gefühle sorgt. Der Film selbst ist einer, der sich nicht so wirklich entscheiden mag, wie man an der Genreeinteilung sehen kann. Da es sich um ein Werk des französischen Regisseurs Claude Chabrol handelt, ist ein Thriller immer naheliegend, umso mehr weil er sich bei dem von ihm mitverfassten Drehbuch von einem realen Kriminalfall inspirieren ließ. Tatsächlich liest man auch immer wieder, dass dies hier ein Thriller sein soll. Andere bezeichneten den Film hingegen als Komödie oder Satire, auch weil er sich ganz offensichtlich über die Figuren lustig macht. Aber auch Drama ist nicht verkehrt, ist es doch letztendlich die Geschichte einer Tragödie, welche der berühmte Filmemacher hier erzählt.

Wobei Chabrol bei der Charakterisierung der Figuren nie so wirklich in die Tiefe geht. Man erfährt über die drei Hauptfiguren mehr oder weniger schon gleich zu Beginn, was er über sie zu sagen hat. Er revidiert diese Aussage nicht, bringt keine neuen Facetten hinein. Es gibt auch keine nennenswerte Entwicklung, die drei bleiben vom Anfang bis zum Schluss gleich. Das bedeutet aber nicht, dass in dem Film nichts geschieht. Vielmehr ergibt sich die Handlung in Die zweigeteilte Frau aus der Figurenkonstellation. Die bedeutet von Anfang an Ärger, wenn zwei Männer dieselbe Frau wollen. Zumal beide es gewohnt sind, immer das zu bekommen, was sie haben wollen. Charles ist ein erfolgsverwöhnter Frauenheld, Paul der Sohn reicher Eltern. Da ist das mit dem „Nein“ ein wenig schwierig.

Die Gewissheit eines bösen Endes

Man hätte daraus sicherlich etwas über Geschlechterbilder ableiten können. Chabrol war aber wie so oft in seinen Filmen eher damit beschäftigt, Teile der Bevölkerung zu kritisieren bis zu verhöhnen. Tatsächlich kommt in Die zweigeteilte Frau kaum jemand positiv weg. Der Film beschreibt eine Schicht, bei der Macht, Geld und Arroganz Hand in Hand gehen und der Mensch nicht mehr als ein Objekt ist. Wobei das auch außerhalb der beiden Streithähne der Fall ist. Der kurze Ausflug in die Welt der Medien, wenn Gabrielle von der Wetterfee zur Moderation aufsteigt, zeigt dort ebenfalls wenig vorbildliches Verhalten. Gabrielle selbst ist im Vergleich noch am ehesten dazu geeignet, ein „guter“ Mensch zu sein. Das liegt aber eher an ihrer Position und ihrer Unschuld. Wenn einen Chabrol hier eines lehrt, dann dass praktisch alle zu Schlimmem in der Lage sind, sobald sie die Möglichkeit erhalten.

Die Frage ist dann nur: Wie schlimm wird es wirklich? An der Stelle wird dann auch die Einteilung ins Thrillergenre nachvollziehbar. Chabrol lässt keinen Zweifel daran, dass das Ganze irgendwie böse ausgeht, und erhöht nach und nach die Intensität. Dennoch sollte man sich Die zweigeteilte Frau nicht der Handlung wegen anschauen, die ist eher spärlich. Auch die Geschichte an sich gibt nicht so wahnsinnig viel her. Dafür ist die Inszenierung wieder sehenswert, wenn die Regielegende die im Laufe ihrer Karriere angeeigneten Tricks lässig anwendet und mühelos die Figuren vorführt. Mehr als eine Fingerübung ist dieses Spätwerk dann auch nicht, da fanden sich in der Filmografie des Franzosen doch deutlich spannendere Werke. Für sich genommen kann man sich dieses fatale Liebesdreieck aber durchaus anschauen.

Credits

OT: „La Fille coupée en deux“
Land: Frankreich, Deutschland
Jahr: 2007
Regie: Claude Chabrol
Drehbuch: Claude Chabrol, Cécile Maistre
Musik: Matthieu Chabrol
Kamera: Eduardo Serra
Besetzung: Ludivine Sagnier, Benoît Magimel, François Berléand, Mathilda May, Caroline Silhol, Marie Bunel, Valeria Cavalli

Bilder

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In seinem Spätwerk „Die zweigeteilte Frau“ erzählt Claude Chabrol mal wieder von den Abgründen innerhalb der gehobenen Gesellschaft, wenn eine Frau zwischen einem Erfolgsautor und einem Millionenerben entscheiden muss. Das Wissen, dass das irgendwie böse ausgehen muss, sorgt für eine gewisse Spannung. Aber es ist dann doch mehr die routinierte Inszenierung, die den Film sehenswert macht.
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