Oskar das Schlitzohr und Fanny Supergirl
© ARD Degeto/Knut Koops

Oskar, das Schlitzohr und Fanny Supergirl

Inhalt / Kritik

Oskar das Schlitzohr und Fanny Supergirl
„Oskar, das Schlitzohr und Fanny Supergirl“ // Deutschland-Start: 3. Januar 2021 (Das Erste)

Oskar (Dieter Hallervorden) erzählt ganz gern Geschichten und nimmt es dabei mit der Wahrheit nicht immer so genau. Das kann ganz amüsant sein, bringt ihn aber auch regelmäßig in Schwierigkeiten. So saß er bis vor Kurzem im Gefängnis, weil ihm Hochstapelei vorgeworfen wurde. Völlig zu Unrecht natürlich, zumindest seiner Meinung nach. Kaum entlassen, steht er vor dem nächsten Problem: Er hat keine Bleibe. Zu seiner Tochter Tilda (Chiara Schoras) kann er nicht, die ist noch immer sauer auf ihn. Also macht er es sich erst einmal in seinem Bauwagen gemütlich, vorübergehend. Der steht zwar im Garten von Tilda, aber sie muss ja nichts wissen von seiner Anwesenheit. Dummerweise begegnet er dabei schon nach kurzer Zeit seiner Enkelin Fanny (Julia Kovacs), die selbst eine schwierige Phase durchmacht. Schließlich wird das autistische Mädchen an der Schule ständig gemobbt. Und auch ihre Mutter und ihr Vater Christian (Bernhard Piesk) sind mit der eigensinnigen Achtjährigen überfordert …

Die Gefahr des Andersseins

Auch wenn es immer wieder heißt, dass jeder Mensch ein Unikat ist und wie toll es ist, ganz individuell zu sein: Zu viel ist auch nicht gut. Auch beim Anderssein gibt es schließlich Regeln, die es einzuhalten gilt. Wer das nicht tut, sondern tatsächlich sein eigenes Ding durchzieht, der riskiert, zum Außenseiter abgestempelt zu werden. Dabei spielt es keine wirkliche Rolle, auf welche Weise man anders ist oder auch in welchem Alter man ist. Zumindest ist das das Szenario von Oskar, das Schlitzohr und Fanny Supergirl. Denn auch wenn der chronisch schwindelnde Opa und die autistische Enkelin zunächst wenig miteinander gemein haben, so passen sie doch beide nicht in diese Welt. Beide tun sich deshalb auch schwer damit, irgendwie einen Platz für sich zu finden. Sie werden gemieden, abgelehnt, im Fall von Oskar sogar eingesperrt.

Dass sich da zwei gefunden haben, weiß das erfahrene Publikum natürlich. Eine Komödie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Die braucht eine versöhnliche Note, das ist ungeschriebenes Gesetz. Wobei sich die ARD-Produktion recht viel Zeit lässt, bis sie an diesem Punkt ankommt. Tatsächlich sind die beiden Hauptfiguren so losgelöst von einem normalen Leben unter Menschen, dass sie am Anfang gar nicht wissen, was sie miteinander anfangen sollen. Zumal Fanny nicht einmal weiß, dass sie einen Großvater hat und entsprechend fremdelt. Ob diese Unkenntnis glaubwürdig ist, darüber lässt sich streiten. Oskar, das Schlitzohr und Fanny Supergirl bleibt an der Stelle schon recht vage und verrät nie so wirklich, warum Tilda derart stark mit ihrem Vater gebrochen hat, dass die immerhin acht Jahre Tochter nichts von ihm weiß.

Alles irgendwie nett

Aber es geht in Oskar, das Schlitzohr und Fanny Supergirl auch gar nicht so sehr um Realismus oder Glaubwürdigkeit. Stattdessen erfreut sich Drehbuchautorin Silke Steiner (Wendezeit) an der Skurrilität der beiden Figuren. Oskar erzählt die seltsamsten Lügen, wobei nie ganz klar wird, ob er diese nun glaubt oder nicht. Fanny wiederum ist so sehr in ihren Ritualen verhaftet, dass sie kaum noch einen Schritt vorangehen kann. So etwas kann natürlich schnell zu einer bloßen Karikatur werden. Tatsächlich dürfte die Darstellung des Mädchens nicht überall gut ankommen, gerade wenn später das Thema Inselbegabung angesprochen wird. Immerhin wird ihre Besonderheit nicht für allzu billige Kalauer missbraucht.

Große Lacher sollte man so oder so nicht erwarten. Vereinzelt wird es amüsanter, wenn Oskar mal wieder auf dreiste Weise eine Lüge auspackt. Das liegt aber auch am Komik-Urgestein Dieter Hallervorden (Mein Freund, das Ekel), der mit Mitte 80 noch mehr Charme und Persönlichkeit hat als die meisten, die man tagtäglich im Fernsehen so ansieht. Fans der Legende dürfen allein hierfür einschalten, auch wenn das Ergebnis selten mehr als nett sind. Die stärksten Szenen sind noch die, wie Tilda an ihrer eigenen Mutterrolle zweifelt und nicht weiß, was sie tun soll. Oskar, das Schlitzohr und Fanny Supergirl erzählt davon, wie man nur das Beste will und dabei doch ständig überfordert ist. An diesen Stellen bewegt sich der Film stärker in die Dramarichtung, ohne aber auf die Tränendrüse drücken zu wollen. Am Ende geht es dann doch weiter, irgendwie, alle finden sie ein Plätzchen für sich. Das ist dann alles schön, irgendwie rührend, reißt dabei jedoch nicht unbedingt mit. Stattdessen plätschert die Komödie lange vor sich her, ist bei aller Sympathie ein bisschen belanglos.

Credits

OT: „Oskar, das Schlitzohr und Fanny Supergirl“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Markus Herling
Drehbuch: Silke Steiner
Musik: Birger Clausen
Kamera: Peter Steuger
Besetzung: Dieter Hallervorden, Julia Kovacs, Chiara Schoras, Bernhard Piesk, Gesine Cukrowski, Jan Sosniok

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„Oskar, das Schlitzohr und Fanny Supergirl“ erzählt von einem chronischen Lügner und seiner autistischen Enkelin, die sich näherkommen und darin Halt finden. Das ist nicht so richtig lustig oder auch bewegend, eher ein nett-amüsanter Film, den man sich allein schon für Dieter Hallervorden gut anschauen kann.
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