Kritik

Captive State

„Captive State“ // Deutschland-Start: 10. Dezember 2020 (Blu-ray)

2027 liegt die Alien-Invasion bereits einige Jahre zurück, die meisten Menschen haben sich damit abgefunden, dass sie in einem Überwachungsstaat leben und sie den außerirdischen Herrschern folgen müssen. Doch im Geheimen sind einige längst zum Gegenangriff übergegangen und planen einen Aufstand gegen die Unterdrücker. Auch die Brüder Gabriel (Ashton Sanders) und Rafe (Jonathan Majors), deren Eltern bei dem Versuch, aus der besetzten Stadt zu fliehen, getötet wurden, werden in die Aktivitäten von Phoenix hineingezogen. Das wiederum will William Mulligan (John Goodman), der bei der Chicago Polizei arbeitet, unter allen Umständen verhindern, fürchtet er doch die Reaktion der Aliens …

Eine düstere Zukunft mit holpriger Vergangenheit
Letztes Jahr war Captive State eine der größeren Hoffnungen für Science-Fiction-Fans. Nicht nur, dass der Film um eine Alien-Invasion prominent besetzt war. Es handelte sich zudem um das neueste Werk von Rupert Wyatt, dessen Planet der Affen: Prevolution 2011 zu einem echten Hit avancierte und der beliebten Science-Fiction-Reihe zu neuen Ehren verhalf. Das Ergebnis war jedoch ernüchternd. Die Kritiken fielen eher gemischt aus, an den US-Kinokassen floppte der Film. Der Deutschland-Start wurde sogar ganz gestrichen, ohne dass klar war, was nun passieren würde. Erst anderthalb Jahre später gibt es ein verspätetes Wiedersehen, nachdem der Titel ohne großes Aufsehen fürs Heimkino veröffentlicht wird – und das nur auf Blu-ray wohlgemerkt. Große Erwartungen hatte man also wohl nicht mehr.

Das ist einerseits verständlich nach den ersten Reaktionen. Und tatsächlich ist Captive State ein Film, der zwar einiges an Massen-Appeal mitbringt, jedoch nicht wirklich das ist, was man davon erwarten durfte. Andererseits ist er dann doch deutlich interessanter als das, was es sonst oft in diesem Segment zu sehen gibt. Hier geht es eben nicht darum, dass eine Gruppe strahlender Helden in actionreichen Szenen den bösen Aliens so richtig eins auf die Tentakel geben. Gekämpft wird hier praktisch kaum, auch weil die Invasoren einfach zu mächtig sind: Wer ihnen blöd kommt, wird gleich ganz in Luft aufgelöst. Außerdem wird nie so wirklich klar, wer denn eigentlich die Hauptfigur des Films ist: Gabriel oder Mulligan.

Ein Kampf an vielen (Themen-)Fronten
Das hört sich nach einem Film an, bei dem man sich zu wenig Gedanken gemacht hat. Tatsächlich ist es aber so, dass Wyatt, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch mitschrieb, eher ganz viel in Captive State packen wollte. So ist sein Film beispielsweise nicht einfach effektreiches Kopfausspektakel, bei dem der Kampf gegen die Aliens zum Selbstzweck wird. Vielmehr ist die Geschichte um eine extraterrestrisch abgeriegelte Stadt eine nicht sonderlich versteckte Allegorie auf totalitäre Staaten und eine wachsende Überwachung der einfachen Bevölkerung. Verbunden wird dies noch mit Kommentaren zur sozialen Situation, die man eher in einem Gesellschaftsdrama vermuten würde.

Wer sich der Actionszenen wegen das hier anschauen wollte, der wird sich daher wundern, was denn das ganze Drumherum soll. Umso mehr, da Actionszenen an sich auch eher eine Ausnahmeerscheinung sind. Das wiederum ist kein Nachteil. Vielmehr gleicht Captive State einem klassischen Spionagefilm, wenn die Mitglieder von Phoenix alle nur im Geheimen agieren, es um mysteriöse Hintermänner und -frauen geht, von denen keiner sagen kann, wer sie sind. Sehenswert ist in der Hinsicht auch, welche Folgen dieser Überwachungsstaat auf die Kommunikation hat, wenn der Rebellengruppe nichts anderes übrig bleibt, als auf alternative Mittel zuzugreifen, die so gar nicht nach 21. Jahrhundert aussehen und damit einen reizvollen Kontrast bilden.

Es sind dann auch die diversen Überraschungen, trotz des bekannten Szenarios, welche Captive State sehenswert machen. Gerade weil man oft nicht schlau daraus wird, was der Film denn nun genau sein will und verfolgt, darf man trotz gelegentlicher Längen neugierig sein, wie das Ganze denn nun endet. Dennoch bleibt im Anschluss Enttäuschung übrig, dass das hier nicht griffiger ist, dass so vieles nicht ausgearbeitet wurde. Wyatt nimmt sich so viel Zeit, um seine futuristische Welt aufzubauen und die Situation zu demonstrieren, dass gar nicht mehr der Raum bleibt, etwas damit anzufangen. Damit ist die Geschichte um einen Alien-Widerstand eine, die man vielleicht doch lieber im Rahmen einer Serie gesehen hätte, die der Vielzahl an Themen und Figuren angemessener gewesen wäre.

Credits

OT: „Captive State“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Rupert Wyatt
Drehbuch: Erica Beeney, Rupert Wyatt
Musik: Rob Simonsen
Kamera: Alex Disenhof
Besetzung: John Goodman, Ashton Sanders, Jonathan Majors, Colson Baker, Vera Farmiga

Bilder

Trailer

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Captive State
„Captive State“ zeigt uns eine Welt, die von Aliens eingenommen wurde, welche daraufhin überall Überwachungsstaaten errichtet hat. Der Film ist dabei einerseits klassischer Spionagethriller, zugleich Allegorie auf Totalitarismus und Gesellschaftskritik, garniert mit einem Science-Fiction-Szenario. Die Mischung ist ungewöhnlich, teilweise etwas unbefriedigend, aber doch einer der interessanteren Genrevertreter der letzten Zeit.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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