„A Quiet Place“, USA, 2018
Regie: John Krasinski; Drehbuch: John Krasinski, Bryan Woods, Scott Beck; Musik: Marco Beltrami
Darsteller: John Krasinski, Emily Blunt, Millicent Simmonds, Noah Jupe

A Quiet Place

„A Quiet Place“ läuft ab 12. April 2018 im Kino

Sie sind schnell, schwer gepanzert und absolut tödlich: Als eine außerirdische Spezies die Menschheit angreift, kann diese den Eindringlingen nicht viel entgegensetzen. Zwar können die Aggressoren nicht sehen, ihr Gehörsinn ist dafür umso stärker ausgeprägt. Die wenigen überlebenden Menschen haben ihr Verhalten an diese Situation angepasst, führen ein Leben, das daran ausgerichtet ist, möglichst wenig Geräusche zu machen. Lee (John Krasinski), seine Frau Evelyn (Emily Blunt) und die beiden Kinder Regan (Millicent Simmonds) und Marcus (Noah Jupe) gehören zu den wenigen, die auf diese Weise eine Art Alltag wiedergefunden haben. Doch die Bedrohung hält an: Ein falscher Schritt, ein lautes Geräusch, und es könnte ihr Ende bedeuten.

Manchmal kann es so einfach sein. Da strömen jedes Jahr unzählige Horrorfilme auf den Markt, sei es als Disc, als Leinwanderscheinung oder als Stream, kämpfen oft mehr damit, irgendwie auf sich aufmerksam zu machen, als mit den gezeigten Monstern. A Quiet Place braucht das gar nicht. Und das nicht nur, weil man besagte Monster über weite Strecken des Films gar nicht zu sehen bekommt. Regisseur und Co-Autor John Krasinski gibt sich allgemein sehr minimalistisch, nutzt das Vorhandene dafür sehr effektvoll aus.

Ein anderthalbstündiges Finale
Jetzt bloß keinen Krach machen, lautet die Devise in vielen Horrorfilmen oder auch Thrillern irgendwann. Der Antagonist, egal ob nun irdischer, fantastischer oder menschlicher Natur, ist den Helden ganz nah. Wer sich jetzt verrät, der kann eigentlich gleich sein Testament machen. Sofern die Zeit dafür noch reicht. A Quiet Place nimmt nun diese Situation, die eigentlich für den Höhepunkt eines solchen Genrefilms gedacht ist, und überträgt diese auf die komplette Geschichte. Hört sich nicht nach viel an, ist es im Ergebnis jedoch: Gerade weil hier eine alles verschlingende Ruhe herrscht, kommen weder Protagonisten noch das Publikum zur Ruhe. Die Bedrohung ist permanent, lauert irgendwo da draußen, in den Wäldern, den malerischen Feldern. Wartet nur darauf, dass jemand den Startschuss gibt.

Lobenswert: Die Figuren in A Quiet Place haben sich tatsächlich auf die Situation eingestellt und ganz eigene Mechanismen erdacht, um der Gefahr zu entgehen. Dass von Anfang an sämtliche Menschen nur noch barfuß herumlaufen, ist nur eine der vielen Sonderbarkeiten im Leben der Überlebenden. Auch daheim war Tüftler Lee äußerst einfallsreich, wenn es darum ging, unnötige Geräusche zu vermeiden. Schade ist dabei nur, dass diese Kreativität nicht bis zum Schluss beibehalten wird. Zum einen wird der Horror immer konventioneller, gibt ausgerechnet die unheimliche Stille wieder auf. Zudem ist so manches im Endspurt nicht mehr plausibel – selbst innerhalb des genrebedingt weiten Rahmens.

Als wäre das Leben nicht auch so schon schwierig genug
Ebenfalls etwas zwiespältig ist die Entscheidung, A Quiet Place mehr emotionale Tiefe verleihen zu wollen. Als hätten sich die Macher nicht getraut, sich komplett auf das eigentliche Szenario zu verlassen, verbinden sie den Horror mit einem ausgewachsenen Familiendrama. Der Mittelteil des Films handelt fast gar nicht mehr von der Bedrohung, sondern von Konflikten innerhalb des Quartetts. Auch das ist nicht ungewöhnlich in dem Bereich, viele postapokalyptische Filme – etwa beim guten alten Zombiestreifen – erzählen, wie Menschen in einer solchen Lage mit sich und miteinander klarkommen. So weit, so gut, mit derart versierten Schauspielern sollte sich da auch einiges anfangen lassen. Aber es ist doch manchmal etwas umständlich hier und insgesamt auch zu lange, als dass der Plan so ohne Weiteres aufginge.

Davon sollte sich jedoch niemand abhalten lassen, den Film einmal anzusehen. Weniger horrorversierte Zuschauer dürfen schon einmal ihre Nerven ein wenig stärken, wenn die albtraumhaften und auch visuell interessanten Monster ihre Runden drehen. Aber selbst alte Genrehasen können sich freuen, hier einen der originellsten und spannendsten Vertreter der letzten Zeit auf der Leinwand sehen zu dürfen. A Quiet Place schafft den seltenen Spagat aus Kompetenz und Kreativität, enthält einige herrlich fiese Momente und belohnt das Auge mit wunderbaren Aufnahme einer trügerisch friedlichen Endzeitidylle. Und das alles, ohne viele Worte zu verlieren.

A Quiet Place
3.82 (76.36%) 22 Artikel bewerten

A Quiet Place
Ein Horror-Stummfilm im Jahr 2018? Was soll das denn? Wenn in „A Quiet Place“ jedes Geräusch tödlich sein kann, nimmt der Film eine im Grunde altbekannte Szene und dehnt sie auf anderthalb Stunden aus. Das wird mit einem etwas langwierigen Familiendramateil gestreckt, ist insgesamt aber einer der originellsten und auch spannendsten Genrevertreter, die zuletzt auf der großen Leinwand gezeigt wurden.
7von 10

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Eine Antwort

  1. Manni

    Leider hat man hier ein interessantes Konzept gegen die Wand gesetzt. Das Ganze ist recht langweilig und auch noch unlogisch. Ich kann auch nicht wirklich mit den Protagonisten mitfiebern, schon am Anfang kann ich mir nur an den Kopf fassen wegen der dämlichen Aktion des Jungen.
    Auch sonst hab ich mich gefragt, wie diese Leute eigentlich so lange überleben konnten, wo sie sich so dumm anstellen. Z.B. die Szene mit dem Nagel – ist ja nicht so, daß man den vorher hätte entfernen können.
    Außerdem, ist zwar Geschmackssache, aber die Häßlichkeit der jugendlichen Tochter war schon eine Geduldsprobe für meinen Magen.

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