
Es ist ein grausiger Anblick, als die Leiche von Hark Reimers (Thomas Ziesch) in einem Netz der von ihm geführten Fischerei Hark & Sea gefunden wird. Er versuchte zwar noch, sich aus diesem zu befreien. Doch ohne Erfolg. Die Polizei macht sich auf die Suche nach Spuren und möglichen Verdächtigen. Jule Zabek (Sophie Pfennigstorf) folgt dabei ihrer Intuition, dass die Fischereiauszubildende Ella Brodersen (Hannah Schiller) etwas mit der Geschichte zu tun hat, auch wenn diese ein Alibi hat. Zur gleichen Zeit grübelt Karl Hidde (Alexander Held) über sein Leben und die Arbeit nach, woran das Wiedersehen mit seiner Ex-Frau Vera (Lena Stolze) seinen Anteil hat. Wäre es vielleicht an der Zeit, das alles hinter sich zu lassen?
Abschied einer TV-Ikone
Seit 2009 wird Stralsund inzwischen ausgestrahlt, seither gibt es meistens jährlich mehrfach Nachschub. Zuletzt erzählte Jetzt komm ich! Anfang des Jahres von einem Bauunternehmer in der Krise, der sich an mehreren Leuten rächen will. Jetzt kommt mit Dunkle Tiefen ein weiterer Teil heraus, es ist der 28. der ZDF-Krimireihe. Und für Fans wird es ein sehr bitterer sein. So ist der vor einigen Monaten überraschend verstorbene Hauptdarsteller Alexander Held, der seit dem zweiten Film dabei war, hier zum letzten Mal zu sehen. Und als wäre das nicht schon unheimlich genug, behandelt ein Nebenstrang, wie dessen Figur ganz nachdenklich wird und mit der Polizeiarbeit aufhören möchte. Besser kann man die Figur wohl kaum verabschieden – und emotionaler geht es wohl auch nicht.
Überhaupt geht es dieses Mal richtig emotional zu. So wird immer wieder das Tempo rausgenommen und die Figuren setzen sich mit irgendwelchen persönlichen Dingen auseinander. Das betrifft zum einen die besagte Nachdenklichkeit des Polizisten, der in eine Sinnkrise gerät und gar nicht mehr weiß, wofür er das alles tut. Auch seine Kollegin stolpert in innere Abgründe und meint, dadurch in die zermarterte Seele der Auszubildenden blicken zu können. Das ist jetzt nicht übermäßig überraschend: Seit ihrem ersten Fall sticht Zabek durch ihre impulsive Art hervor, macht Alleingänge, hält sich nicht an Regeln – was sie sehr nervig machte. Bei Stralsund: Dunkle Tiefen ist das zwar nicht mehr so stark ausgeprägt wie bei den Anfängen. Aber es schimmert noch genug durch, um nachvollziehen zu können, warum sie diese Verbundenheit spürt.
Mehr Emotion als Spannung
Und dann ist da noch der Fall an sich. Auch bei diesem wird es später hoch hergehen, wenn es aus den beteiligten Personen geradezu herausschreit. Da ist Wut, da sind Schmerzen. Manche Szenen sind dabei auch durchaus eindrucksvoll geworden, wenn sich das Ensemble mit voller Wucht in diesen Abgrund stürzt. Andere sind dafür schon dick aufgetragen. Wer einfach auf der Suche nach einem Rätselkrimi ist, ist bei Stralsund: Dunkle Tiefen vielleicht nicht an der besten Adresse gelandet. Da dürfte es so einige Zuschauer und Zuschauerinnen geben, denen das wieder zu viel Psycho ist. Die eigentlich lieber einen entspannten Abend vor dem Fernseher wollten.
Zumal die Spannung selbst auch eher überschaubar ist. Eben weil so viel um das persönliche Befinden geht, rückt der Krimiteil immer mal wieder in den Hintergrund. Die Ermittlungen gehen dann nicht wirklich weiter, weil alle Figuren anderweitig beschäftigt sind. Unbedingt gesehen haben muss man das Ergebnis daher nicht. Stralsund: Dunkle Tiefen ist zwar nicht wirklich schlecht, da hat es in dem Segment – und dieser Reihe – schon Schlimmeres gegeben. Und doch hätte man Alexander Held einen besseren Film gewünscht. So passend der Abschied geworden ist, der Film selbst ist nicht mehr als Mittelmaß.
OT: „Stralsund: Dunkle Tiefen“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Neelesha Barthel
Drehbuch: Mia Maariel Meyer, Lars Henning, Paul Bachmann
Musik: Oliver Kranz
Kamera: Alina Albrecht
Besetzung: Sophie Pfennigstorf, Alexander Held, Jakub Gierszal, Christian Näthe, Hannah Schiller, Claude Albert Heinrich, Britta Steffenhagen, Lena Stolze, Boži Kocevski, Claudiu Mark Draghici, Bernhard Piesk
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