
Die Trauer von Edda (Ann-Kathrin Kramer) ist groß, als ihr Mann Jaeckie (Steffen Groth) stirbt. Doch in diese Trauer mischt sich auch Wut, als sie durch ein Video des Verstorbenen erfährt, dass er ihr Briefe vorenthalten hat, die ihr Matteo (Paolo Francesco Möller) geschrieben hat. Diesen hatte Edda als junge Frau (Sinje Irslinger) über zwanzig Jahre zuvor auf Sizilien kennengelernt und einen schönen Sommer miteinander verbracht. Doch am Ende entschied sie sich gegen ihn, kehrte nach Deutschland zurück und heiratete ihren Ex Jaeckie (Lucas Englander). War die Entscheidung falsch? Um darauf eine Antwort zu finden, reist Edda mit ihrer Tochter Poppy (Hannah Schiller) noch einmal nach Italien und begibt sich auf eine Spurensuche …
Liebe auf zwei Zeitebenen
Am Freitagabend stehen im Ersten meistens Dramen oder Komödien an, mit denen die Zuschauer und Zuschauerinnen fürs Wochenende eingestimmt werden sollen. Zuletzt waren auf dem Programmplatz mehrere Anwältinnen im Einsatz: Erst gab es mehrere Folgen von Einspruch Schatz!, danach von Kanzlei Liebling Kreuzberg. Jetzt steht mit Amore mio – Niemand ist wie Du mal wieder ein Einzelfilm an, der komplett für sich ist und kein Teil einer größeren Reihe. Anwältinnen gibt es hier keine, auch keine sonstigen juristischen Themen. Stattdessen dreht sich in dem ARD-Drama alles um große Gefühle, wie schon der Titel ankündigt. Als Kontrastprogramm zu dem grauen Herbstwetter leben wir noch einmal eine Sommerliebe nach.
Der Film erzählt dafür auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart folgen wir der in die Jahre gekommenen Edda, wie sie mit ihrer Tochter durch die Gegend reist und dabei viel an früher denkt. Dazwischen gibt es die Flashbacks, in denen wir die junge Protagonistin sehen und wie diese Matteo näherkommt. Diese Flashbacks sind so umfangreich, dass man gar nicht so genau sagen kann, was jetzt eigentlich der Hauptstrang sein soll. Die gegenwärtigen Szenen haben in Amore mio – Niemand ist wie Du der Geschichte auch gar nicht so wahnsinnig viel beizusteuern. Ein bisschen gibt Edda zwar Einblicke in ihre Gefühle und schildert, wie es zu was gekommen ist oder füllt Lücken. Im Großen und Ganzen läuft diese Romanze völlig unabhängig und ist auch nicht sehr erklärungsbedürftig. Das hätte ohne die Rahmenhandlung auch funktioniert.
Vergebene Liebesmühe
Interessant ist die Gegenwart in erster Linie für die Frage: Was wäre gewesen, wenn Edda diese Briefe erhalten hätte? Natürlich kann sie diese gar nicht beantworten. Niemand kann das. Niemand weiß, ob sie dann doch nach Sizilien zurückgekehrt wäre. Und selbst wenn, hätte diese Sommerromanze eventuell gar nicht funktioniert. Ob sie dann heute Italienisch sprechen würde, fragt Poppy an einer Stelle. Die Frage ist verständlich. Allgemein schafft Amore mio – Niemand ist wie Du schon einiges an Identifikationsfläche, wenn auch das Publikum zum Spekulieren eingeladen wird. Wer hat nicht schon einmal über verpasste Chance und getroffene Entscheidungen nachgegrübelt? Nur ist das am Ende eben vergebene Liebesmühe, der Film kommt zu keinem Ergebnis. Kann das auch nicht.
Es ist nicht einmal so, dass die Liebesgeschichte für sich genommen sehr spannend wäre. Irgendwie ist das zwar schon alles ganz süß. Das ansprechende Setting trägt ebenfalls dazu bei, dass man sich das hier schon ganz gut nebenher anschauen kann. Aber es wird eben kein gehaltvoller Film draus. Und auch wenn Amore mio – Niemand ist wie Du sehr viel von Gefühlen spricht, sehr bewegend ist das Ergebnis nicht. Das liegt auch an den Figuren, die zu wenig Persönlichkeit entwickeln. Da vieles davon schauspielerisch zudem unauffällig bleibt, ist die zur Wehmut neigende TV-Produktion eine zwar passable Art und Weise, um den Abend irgendwie zu überbrücken. Man kann es aber auch ebenso bleiben lassen.
OT: „Amore mio – Niemand ist wie Du“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Sophie Averkamp
Drehbuch: Hardi Sturm
Musik: Lutz Moeller
Kamera: Sabine Panossian
Besetzung: Ann-Kathrin Kramer, Sinje Irslinger, Paolo Francesco Möller, Susanna Capurso, Hannah Schiller, Lucas Englander, Mathias Herrmann, Steffen Groth
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