Corpus Delicti
© LEONINE Studios / Philipp Haberlandt / Stanislav Honzik

Corpus Delicti

Corpus Delicti
„Corpus Delicti“ // Deutschland-Start: 1. Oktober 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

In der nahen Zukunft sind Gesundheit und Sicherheit für die Menschen quasi garantiert. Schließlich sorgt die „Methode“ dafür, dass alle rund um die Uhr überwacht werden und somit zu jeder Zeit feststeht, wer wo ist und wie es einem geht. Eine kleine Gruppe widersetzt sich jedoch diesem System und sucht nach Wegen, inmitten dieser Totalüberwachung ein Stück Freiheit zu bewahren. Zu diesen Rebellen gehört auch Moritz Holl (Damian Hardung), der sich immer wieder an unerlaubten Orten aufhält und auch seinen Chip manipuliert hat, um sich leichter entziehen zu können. Dies wird ihm jedoch zum Verhängnis, als seine DNA an einer Frauenleiche entdeckt wird und er nicht beweisen kann, nicht der Täter zu sein. Seine Schwester Mia (Hannah Herzsprung), die bislang dem System treu ergeben war, glaubt dennoch an seine Unschuld und versucht diese zu beweisen – womit sie selbst ins Visier gerät …

Die Vorgeschichte eines Bestsellers

25 Jahre ist es inzwischen her, dass Juli Zeh ihren Debütroman Adler und Engel vorgelegt hat. Seither ist die zu einer der bekanntesten deutschen Schriftstellerinnen der Gegenwart avanciert, hat eine Reihe von Bestsellern verfasst. Da verwundert es ein wenig, dass sie filmisch bislang so selten berücksichtigt wurde. An und für sich sollte man meinen, dass da der Andrang groß ist, diese Popularität zu nutzen. Die Ausbeute beschränkte sich aber auf die beiden Filme Schilf (2012) und Spieltrieb (2013), sowie die Serie Unterleuten – Das zerrissene Dorf (2020). Nun ist es aber doch mal wieder so weit, mit Corpus Delicti kommt ein Film in die deutschen Kinos, der auf einer ihrer Geschichten basiert. Genauer steht der gleichnamige Roman von 2009 Pate. Der wiederum hat seinen Ursprung in einem Theaterstück, das zwei Jahre zuvor veröffentlicht wurde.

Fans der Vorlage werden sich jedoch etwas irritiert die Augen reiben. Setzte die geschriebene Fassung nach einem traumatischen Ereignis ein, welche die Protagonistin gebrochen zurücklässt, da setzt der Film vorher an. Tatsächlich ist Corpus Delicti sogar eher eine Art Prequel, welches die Vorgeschichte des Stücks und des Romans erzählt. Damit einher geht auch eine inhaltliche Verschiebung. War Zehs Fassung überwiegend ein Diskurs, der vor Gericht oder zwischen Mia und einer künstlichen Intelligenz stattfand – die Autorin ist nun einmal auch Juristin –, da ist die Adaption über längere Zeit eine Art Krimi, bei dem herausgefunden werden muss, wer denn den Mord nun wirklich begangen hat. Die Auflösung kommt wie erwartet spät und ist auch überraschend. Letzten Endes ist sie aber auch überflüssig, da es ja eigentlich um ganz andere Fragen geht.

Oberflächlich und theatralisch

Diese sind in den vergangenen bald zwanzig Jahren nicht weniger aktuell geworden. Zum einen ist da der beliebte Gegensatz von Sicherheit und Freiheit, der uns immer wieder in Diskussionen begegnet. Wie viel Überwachung nehmen wir in Kauf, um Gefahren abzuwehren? Corpus Delicti ist da eindeutig in der Folge von 9/11 entstanden, durch spätere Ereignisse wie die Covid-Pandemie noch näher an uns herangerückt. Anknüpfungspunkte gibt es also genügend. Das klingt erst einmal gut, ist hier aber durchaus ein Manko. Denn die Themen, von denen der Film spricht, sind so allgegenwärtig, dass er selbst gar nichts mehr zur Diskussion beizutragen hat. Nur an einer Stelle kommt ein Gedanke auf, über den man nachdenken könnte: Ist es wert, ein Leben zu retten, wenn es völlig gläsern geworden ist? Aber das wird nur kurz angesprochen, danach geht es wieder weiter. So wie all diese Themen nicht über Stichworte hinauskommen.

Was dem Film an Tiefe mangelt, versucht er durch mehr Theatralik auszugleichen. An vielen Stellen wird er so plakativ, dass man sich schon fragen darf, ob das noch ernst gemeint ist oder schon eine Parodie sein soll. Ob es nun die sehr dramatische Musik ist, die über alles gelegt wird, oder die bedeutungsschwangeren Dialoge, die mit einem Hang zum Overacting vorgetragen werden: Hier ist wirklich nichts mehr natürlich. Manchmal wird das richtig albern, wenn nicht gar ärgerlich, wie mit diesem Stoff umgegangen wurde. Und auch, wie wenig dem Publikum zugetraut wurde, vielleicht selbst einmal Schlüsse zu ziehen. Corpus Delicti ist ein Science-Fiction-Thriller, der sich selbst als intelligent verkaufen möchte und doch nicht mehr die KI-Zusammenfassung anderer Gedanken ist.

Credits

OT: „Corpus Delicti“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Lena Stahl
Drehbuch: Lena Stahl
Vorlage: Juli Zeh
Musik: Volker Bertelmann, Lennart Saathoff
Kamera: Philipp Haberlandt
Besetzung: Hannah Herzsprung, Damian Hardung, Alexander Fehling, Christian Friedel, Haley Louise Jones

Bilder

Trailer

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Corpus Delicti
fazit
In „Corpus Delicti“ versucht eine Frau, in einem Überwachungsstaat, die Unschuld ihres wegen Mordes angeklagten Bruders zu beweisen. Die Romanadaption greift zahlreiche aktuelle Themen auf, verpasst es dabei aber, diesen auch eigene Gedanken hinzuzufügen oder wenigstens zu vertiefen. Stattdessen wird es auf geradezu ärgerliche Weise plakativ und theatralisch.
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