Eurotrash
© Salvatore Vinci, Walker + Worm Film

Eurotrash

Eurotrash
„Eurotrash“ // Deutschland-Start: 24. Dezember 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Der Schriftsteller Philipp (Alexander Fehling) reist in die Schweiz, um seine schwer kranke Mutter Helene (Barbara Sukowa) aus einer Klinik abzuholen. Helene trinkt, nimmt zu viele Medikamente, ist exzentrisch und verletzend – und braucht ihren Sohn trotzdem. Bei einer Bank heben die beiden mehrere Hunderttausend Franken ab. Das Geld stammt aus dem Familienvermögen und Helen will es möglichst schnell unter die Leute bringen. Dann geht es quer durch die Schweiz, auf der Suche nach Edelweiß und der besten „Forelle blau“. Alkohol, alte Vorwürfe und Kindheitserinnerungen fahren mit, dazu eine eigenwillige Taxifahrerin (Luna Wedler). Nach und nach wird die Reise zu einer Begegnung mit der Familiengeschichte und mit einer Mutter-Sohn-Beziehung, in der Abhängigkeit, Kränkung und Zuneigung dicht beieinanderliegen.

Eine Reise ohne Richtung

Frauke Finsterwalder hat Eurotrash nach dem gleichnamigen Roman ihres Mannes Christian Kracht verfilmt, das Drehbuch schrieben beide gemeinsam. Nach den überzeugenden Finsterworld und Sisi & Ich ist es ihre dritte Zusammenarbeit. Krachts 2021 erschienener Roman wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert, entsprechend interessant ist die Ausgangslage. Ein Sohn, eine schwer kranke Mutter, eine Plastiktüte voller Geld: Daraus ließe sich einiges machen. Nur findet der Film keinen Rhythmus, der seine einzelnen Stationen miteinander verbindet. Philipp und Helene fahren von einer Episode zur nächsten, treffen Menschen, geraten in Situationen, erinnern sich – und fahren weiter. Aber was sich zwischen ihnen verändert, bleibt oft unklar. Die Reise kommt zwar voran, die Geschichte jedoch kaum.

Das hat nichts mit den Schauspielern zu tun. Barbara Sukowa ist als Helene großartig. Wer sie als Rosa Luxemburg oder Hannah Arendt kennt, erlebt hier eine ganz andere Frau: verwahrlost, betrunken, boshaft, komisch und zugleich verletzlich. Es ist erfreulich, sie schon wieder in einer großen Rolle in einem deutschen Kinofilm zu sehen, nachdem sie zuletzt unter anderem in Enkel für Fortgeschrittene, Klandestin und Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes zu sehen war. Auch Alexander Fehling findet für den Sohn genau den richtigen Ton aus Erschöpfung, Gereiztheit und Nähe. Die Nebenrollen sind ebenfalls gut besetzt, allen voran Luna Wedler als Taxifahrerin. Gerade bei ihr zeigt sich aber ein grundsätzliches Problem des Films: Die Figur ist interessant, nur bleibt offen, was ihre Anwesenheit für Philipp und Helene eigentlich verändert. Ähnlich verhält es sich mit anderen Begegnungen. Sie sind teils witzig, teils skurril, verschwinden aber wieder, bevor daraus etwas für die Geschichte entstehen könnte.

Schöne Bilder, wenig Zusammenhang

Auf der Bildebene ist das alles auch durchaus reizvoll. Gedreht wurde auf 35-mm-Film, unter anderem im Wallis und im Berner Oberland, und die Schweiz sieht entsprechend großartig aus. Die Landschaften haben Raum, die Figuren bekommen starke Bilder – nur entsteht daraus kein Ganzes. Bei Eurotrash kommt also einiges zusammen, was auf dem Papier vielversprechend klingt: Christian Krachts Roman, Frauke Finsterwalder als Regisseurin, Barbara Sukowa und Alexander Fehling in den Hauptrollen, dazu ein auffälliger visueller Stil. Auf der Leinwand bleibt davon vor allem die Frage, warum so viele gute Einzelteile so wenig miteinander anfangen können. Die Reise führt von A nach B und weiter nach C, aber ein Ziel ist nirgends zu erkennen. Vielleicht soll genau darin die Pointe liegen. Mich hat dieser Film allerdings eher ratlos zurückgelassen.

Credits

OT: „Eurotrash“
Land: Deutschland, Schweiz, Österreich
Jahr: 2026
Regie: Frauke Finsterwalder
Drehuch: Frauke Finsterwalder, Christian Kracht
Vorlage: Christian Kracht
Musik: Anna Drubich
Kamera: Thomas W. Kiennast
Besetzung: Barbara Sukowa, Alexander Fehling, Luna Wedler, Stefan Kurt, Michael Maertens, Helmut Mooshammer, Jennifer Ehnert, Ingo Ospelt, Anna Schinz

Trailer

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Eurotrash
fazit
Barbara Sukowa ist großartig, auch die Bilder können sich sehen lassen. Doch die vielen Einfälle führen nicht zu einer Geschichte, die trägt. „Eurotrash“ fährt durch die Schweiz – nur leider meist im Kreis.
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