
Es ist ein ganz normaler Tag im Leben von Familie Platt. Wie so oft streiten sich Denise (Anne Hathaway) und Greg (Ewan McGregor), weil ihr jeweiliges Leben nicht so verlaufen ist, wie sie sich das erhofft haben. Das geschieht mittlerweile so häufig, dass ihre Kinder Audrey (Maisy Stella) und Brian (Christian Convery) schon Angst vor dem Tag haben, wenn sie sich endgültig trennen. Aber auch der Streit mit Nachbar Mel Jacobs (P. J. Byrne) gehört zu ihrem Alltag, meistens geht es dabei um die unerwünschten Hinterlassenschaften von Hund Starbuck. Und doch wird dieser Tag anders sein als alle anderen. Zuvor gab es schon mehrere seltsame Vorkommnisse wie eine Pflanze, die aus dem Nichts aufgetaucht ist, oder ein überdimensionierter Misthaufen. Als jedoch am späten Abend ein gewaltiger Blitz die Familie aufschreckt, ist alles anders: Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. Dafür laufen auf einmal Dinosaurier durch die Nachbarschaft …
Faszination der Riesenechsen
Auch wenn wir sie nur aus Geschichten und fragmentarischen Fossilien kennen: Die Vorstellung, dass riesige Echsen vor langer Zeit über die Erde herrschten, fasziniert uns irgendwie alle. Während das allgemeine Bewusstsein für die Historie unserer Welt eher spärlich ausfällt, sind manche der Dinos so ikonisch, dass sie quasi Allgemeingut sind. Kein Wunder also, dass es immer mal wieder Versuche gab, mit diesen Wesen in Filmen Kasse zu machen. Letztes Jahr wwar Jurassic World: Die Wiedergeburt damit noch einmal recht erfolgreich. Aktuell gibt es in dem Animationsfilm PAW Patrol: Der Dino Film eine kindgerechte Begegnung mit den Urzeitviechern, wenn T-Rex und Co zu knuddeligen Haustieren werden. Dank The End of Oak Street ist nun auch der Rest der Familie an der Reihe. Knuddelig ist hier gar nichts, wir haben es mit blutrünstigen Bestien zu tun. Dennoch ist das Ergebnis so ausgerichtet, dass möglichst viele Leute zusehen können.
Das überrascht ein wenig, handelt es sich doch um den lang erwarteten neuen Film von David Robert Mitchell. Der US-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor landete 2014 mit dem ungewöhnlichen Horrorfilm It Follows einen Überraschungshit, bevor seine abstruse Schnitzeljagd Under the Silver Lake 2018 völlig floppte und sehr gemischte Reaktionen nach sich zog. Da durfte man neugierig sein, wie der Filmemacher nach dem Karriereknick weitermachen würde. Nun ist die Antwort da und fällt ernüchternd aus: Bei The End of Oak Street verneigt er sich nicht nur vor dem Mainstream und Kommerzzwang. Er kapituliert regelrecht davor, wenn der vierte Langfilm Mitchells nichts mehr von dem erhält, was seine vorangegangenen Werke so besonders gemacht haben. Tatsächlich würde man beim Anschauen kaum auf die Idee kommen, dass er dahintersteckt.
Reizvolles Szenario verschenkt
Dabei ist das anfängliche Szenario noch reizvoll. Dass es zu Begegnungen zwischen heutigen Menschen und Dinosauriern kommt, haben wir zwar in anderen Filmen schon gesehen. Da war es aber so, dass diese Wesen entweder an einem abgelegenen Ort überlebt haben oder durch die Wissenschaft auferstanden sind. Es gab also Erklärungen. The End of Oak Street verzichtet jedoch völlig darauf, reißt Löcher in die Zeit und tauscht Teile der Vergangenheit mit der Gegenwart – genauer den 1980ern. Warum das geschieht, wird nie erklärt. Wer eine Auflösung des Mysteriums erhofft, ist hier an der falschen Adresse. Das muss gar nicht mal ein Problem sein. Wichtig wäre es dann aber gewesen, diese Ausgangssituation auch zu nutzen.
Mitchell weigert sich jedoch, diese Idee auszuarbeiten. Man sieht anderthalb Stunden lang dabei zu, wie Dinosaurier durch einen Vorort stapfen und Menschen davonlaufen. Mehr ist da nicht. Auf Dauer ist das zu wenig und zu langweilig. Es wird nie so wild und bizarr, wie es bei solchen willkürlichen Crossovers möglich gewesen wäre. Und auch sonst ist The End of Oak Street erschreckend mutlos geworden. Das zeigt sich gerade beim völlig verhunzten Ende. Für einen kurzen Moment meint man noch, jetzt würde es mal ein bisschen garstiger und überraschender, bis dann doch die Dinos zurückgepfiffen werden. Ob der Regisseur das selbst so wollte oder das Studio angesichts des hohen Budgets die Vorgabe machte, darüber kann nur spekuliert werden. Klar ist nur, wie langweilig das Ergebnis ist.
Auf dreiste Weise schwachsinnig
Es ist aber auch ärgerlich. Von Anfang an sind da Situationen, bei denen man sich als Zuschauer bzw. Zuschauerin veralbert vorkommen darf. Und diese werden häufiger. Während die Geschichte selbst stagniert, kommen immer mehr idiotische Momente hinzu, bis am Ende wirklich gar nichts mehr funktioniert. Bei einer Komödie wäre das vertretbar gewesen, hier ist es eine Frechheit. Klar, man schaut sich solche Filme nicht an, wenn man etwas Realistisches und Glaubwürdiges sehen möchte. Das heißt aber nicht, dass dem Publikum alles vorgesetzt werden darf und nichts mehr Sinn ergeben muss. Denn dafür ist der Rest zu brav. Das ist schade, weil man bei Mitchell nicht nur deutlich mehr erwarten durfte. The End of Oak Street hat zudem durchaus seine Stärken: das stimmungsvolle 80er-Jahre-Ambiente, die Optik, die Besetzung. Aber all das ist nicht genug, um den schwachen Inhalt auszugleichen. Das ist dann zwar weit davon entfernt, der schlechteste Film des Jahres zu sein. Aber er ist sicher einer der enttäuschendsten.
OT: „The End of Oak Street“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: David Robert Mitchell
Drehbuch: David Robert Mitchell
Musik: Michael Giacchino
Kamera: Michael Gioulakis
Besetzung: Anne Hathaway, Ewan McGregor, Maisy Stella, Christian Convery
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