Frau Winkler verlaesst das Haus
© Zeitsprung Pictures / Wild Bunch Germany, © Foto: Mathias Bothor

Frau Winkler verlässt das Haus

Frau Winkler verlaesst das Haus
„Frau Winkler verlässt das Haus“ // Deutschland-Start: 1. Oktober 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Bislang war es die frühere Schauspielerin Frau Winkler (Angela Winkler) gewohnt, sich selbst zu versorgen und alles allein zu machen – selbst mit stolzen 80 Jahren! Doch als sie eines Tages unglücklich stürzt, hat sich das mit der Selbständigkeit erledigt. Auf einmal ans Bett gefesselt, braucht es jemanden, der sich um sie kümmert und auch pflegt. Ihre eigene Tochter Emi (Laura Tonke) hat dafür jedoch keine Zeit, da sie ein neues Engagement am Theater bekommen hat. Also engagiert sie einen Pflegeroboter, ein ganz neues Modell, das sich an ihre Bedürfnisse anpasst. Ihr größtes Bedürfnis wäre aber, den Roboter gleich wieder zu verschrotten. Nur widerwillig und weil ohne realistische Alternative fügt sie sich aber ihrem Schicksal …

Zwischen Humor und Melancholie

Doris Dörrie gehört ohne Zweifel zu den bekanntesten deutschen Regisseurinnen, hat im Laufe ihrer mittlerweile 50 Jahre andauernden Karriere eine ganze Reihe bekannter Filme gedreht. Und auch jenseits der 70 denkt sie nicht ans Aufhören, da sind noch zu viele Themen, zu denen sie sich äußern will. Zumindest hat man den Eindruck. So wandte sie sich 2022 mit ihrer Komödie Freibad diversen aktuellen Themen zu, sprach unter anderem von Schönheitsidealen und Freiheit. Der titelgebende Schauplatz wurde zum Treffpunkt der unterschiedlichsten Menschen und wurde so zu einer Art gesellschaftlichem Querschnitt. Jetzt meldet sich die Veteranin mit ihrem neuen Werk Frau Winkler verlässt das Haus zurück und zeigt sich dabei kein Stück weniger ambitioniert.

Dabei unterscheidet die beiden Werke deutlich. Anstatt die Geschichte um einen Ort herum aufzubauen, nimmt sie hier eine Frau und deren erwachsene Tochter als Mittelpunkt. Die Zahl der Figuren ist auch deutlich geringer. Es gibt neben den beiden Protagonistinnen zwar noch weitere Charaktere, darunter die Enkelin Billie (Zoë Baier) und Selma (Via Jikeli), die für den Hersteller des Roboters arbeitet. Doch diese sind nicht sonderlich relevant. Man hätte sie auch weglassen können, ohne dass es einen großen Unterschied gemacht hätte. Und auch, was die Tonalität betrifft, geht Frau Winkler verlässt das Haus eigene Wege. Zwar gibt es auch hier humorvolle Momente, wenn beispielsweise die Protagonistin mit dem Roboter fremdelt. Der Film ist aber deutlich ruhiger und ernster angelegt, verfällt zwischendurch auch immer mal wieder der Melancholie.

Konzeptlos und künstlich

Inhaltlich gibt es gleich ein ganzes Füllhorn an Themen. Das offensichtlichste ist die Frage, wie die Pflege der Zukunft aussieht, wenn es immer mehr Alte gibt, aber immer weniger Leute, die sie pflegen können. Dann ist da das schwierige Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, beides Schauspielerinnen. Frau Winkler verlässt das Haus verbringt auch viel Zeit im Theater, wo sie an einer Neuaufführung von Anton Tschechows Stück Drei Schwestern arbeiten – das dann auch ständig zitiert wird. Hinzu kommt das Trendthema Künstliche Intelligenz, ein bisschen Kapitalismuskritik, wir haben Elemente des Trauerdramas und auch einen Blick auf gesellschaftliche Veränderungen. Man kann Dörrie also nicht vorwerfen, nichts zu sagen zu haben.

Das Problem ist vielmehr das „wie“. So weiß man irgendwann überhaupt nicht mehr, wovon der Film denn überhaupt handeln soll, wenn wahllos alles Mögliche zusammengeworfen wird. Das meiste funktioniert für sich genommen schon. Es gelingt Dörrie aber nicht, diese Stränge zusammenzuführen und zu einem in sich stimmigen Ganzen zu machen. Hinzu kommen Mängel bei der Detailarbeit, gerade bei den Dialogen ist Frau Winkler verlässt das Haus oft befremdlich weltfremd – insbesondere für einen Film, der ja so viel zur Welt sagen will. Hin und wieder ist da schon mal ein rührender Moment dabei, zumal das Talent der beiden Hauptdarstellerinnen ohne Zweifel ist. Aber das reicht nicht aus, um die Schwächen eines Drehbuchs auszugleichen, dem ein klares Konzept fehlt und zu oft zu künstlich ist.

Credits

OT: „Frau Winkler verlässt das Haus“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Doris Dörrie
Drehbuch: Doris Dörrie
Musik: Ideal, Hania Rani
Kamera: Leah Striker
Besetzung: Angela Winkler, Laura Tonke, Josef Ellers, Via Jikeli, Eugene Boateng, Zoë Baier

Bilder

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Frau Winkler verlässt das Haus
fazit
In „Frau Winkler verlässt das Haus“ muss sich eine 80-Jährige nach ihrem Unfall gegen ihren Willen von einem Roboter pflegen lassen. Die Tragikomödie spricht eine ganze Reihe relevanter Themen an, verpasst es aber, aus diesem Wirrwarr einen in sich schlüssigen Film zu machen. Erschwerend kommt die Künstlichkeit hinzu, wenn die Dialoge zu weltfremd werden.
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