
Bei einem Restaurantbesuch werden die New Yorker Polizisten Nick Conklin (Michael Douglas) und Charlie Vincent (Andy Garcia) Zeugen eines Mordes. Vor ihren Augen tötet der japanische Gangster Sato (Yusaku Matsuda) zwei Männer auf brutale Weise. Nach einer langen Verfolgung können Conklin und Vincent den Täter stellen und merken schnell, dass sie mit Sato einen gefährlichen Yakuza festgenommen haben, der von den japanischen Behörden gesucht wird. Obwohl vor allem Conklin darauf beharrt, dass er und sein Partner den Mord untersuchen sollten, bestehen ihre Vorgesetzten auf der Auslieferung Satos an die japanische Polizei in Osaka.
Schon kurz nach ihrer Landung in der japanischen Metropole werden Nick und Charlie von einer Gruppe Yakuza getäuscht, die sich als Polizisten ausgeben. Sato gelingt die Flucht – sehr zum Unmut der kurz darauf eintreffenden echten Polizisten. Von der japanischen Polizei lediglich als Beobachter geduldet, stellt man Conklin und Vincent Masahiro Matsumoto (Ken Takakura) an die Seite. Dieser hat wenig Verständnis für Nicks impulsives und eigenmächtiges Vorgehen, während Vincent versucht, mit seinem japanischen Kollegen so gut es geht klarzukommen. Da sie für ihre japanischen Kollegen mehr oder weniger ein Klotz am Bein sind, ermitteln Conklin und Vincent auf eigene Faust und finden heraus, dass Sato in einen Machtkampf innerhalb der Yakuza verwickelt ist. Ihre Nachforschungen bleiben jedoch nicht unbeachtet – Sato hat ihnen bereits Killer auf den Hals gehetzt.
Die Folgen des schwarzen Regens
In Filmen wie Blade Runner hatte Regisseur Ridley Scott bereits eine Zukunftsvision einer technologisierten Gesellschaft gezeigt, in der Konzerne das Weltgeschehen definieren und die Welt unter der Skyline der schier unendlich wirkenden Metropolen von Verbrechen regiert wurde. Ganz so futuristisch und dystopisch ist Black Rain, der sieben Jahre später in die Kinos kam, zwar nicht, doch gewisse visuelle und thematische Parallelen zwischen den beiden Filmen sind nicht zu übersehen. Auf der einen Seite sah Scott die reiche Tradition Japans, jedoch ebenso den wirtschaftlichen Aufschwung und die Technologie, was sich nicht zuletzt im Stadtbild Osakas widerspiegelte. Black Rain ist deswegen ein Noir-Thriller, aber auch die Begegnung zweier Kulturen und ein Blick auf die Blütezeit von Japans Bubble Economy, die zu Beginn der 90er-Jahre ihr krachendes Ende fand.
Der Titel von Ridley Scotts Film bezieht sich auf die unmittelbaren Folgen des Atombombenabwurfs auf Hiroshima. Als die Überlebenden der Bombe sich aus ihren Verstecken trauten, prasselte ein schwarzer Regen auf sie herab – ein düsteres Omen für die gesundheitlichen Folgen der atomaren Verseuchung. Die Überlebenden und Betroffenen wurden in den folgenden Jahren zudem gesellschaftlich stigmatisiert und teilweise wie Aussätzige behandelt. Tomisaburo Wakayamas Figur erzählt dem New Yorker Cop Nick Conklin diese Geschichte und wie er und seine Familie die Tage nach der Bombe erlebten. Sugai verbindet diese Erfahrung mit der anschließenden amerikanischen Besatzung und dem Einfluss US-amerikanischer Werte und des Kapitalismus, der immer mehr Bereiche des öffentlichen Lebens übernahm und die Kultur des Landes mitprägte – wie man an der Skyline Osakas überdeutlich sehen kann. Scott inszeniert Black Rain damit nicht allein als den Zusammenprall zweier Kulturen, sondern als die Geschichte eines langen historischen Erbes.
In Sugais Erzählung wird der schwarze Regen zum Ausgangspunkt einer neuen Ordnung, in der sich auch die Yakuza verändert haben: Sie haben immer weniger mit den klassischen Gangstern gemein und immer mehr mit Unternehmern in einem Raubtierkapitalismus. Sugai geht sogar so weit, Sato und seinesgleichen als Produkt dieser Entwicklung und des amerikanischen Einflusses zu betrachten. Diese Verbindung stellt der Film durch Sugais Monolog ausdrücklich her.
Die beiden Polizisten bilden die zwei Seiten der US-amerikanischen Mentalität ab. Conklin will mit seinen bewährten Methoden in einer für ihn fremden Kultur überzeugen, doch ihm werden Grenzen gezeigt. Vincent geht moderater als sein Kollege vor, wirkt aber zugleich etwas dekadent und überheblich. Beim Besuch eines Nachtklubs lässt er seinen Charme und sein Geld sprechen – eine Sprache, die universell verständlich ist. Beide verkennen die Welt, in der sie sich befinden, ihre Grenzen und ihre Gefahren, was sie angreifbar macht. Vor allem für Michael Douglas’ Figur wird die Begegnung mit der eigenen Verwundbarkeit zu einem Moment der Klarheit oder zumindest zu einer stärkeren Motivation, Sato endlich das Handwerk zu legen.
Eine Grauzone
Die Begegnung zweier Kulturen ist in Black Rain auch die von zwei Generationen. Conklin, der in seiner Heimat unter Korruptionsverdacht steht, passt nicht zu jener Definition von Ehre, wie Matsumoto sie kennt und lebt. „Ein Dieb ist ein Dieb“, sagt er seinem Kollegen, der seinen Kumpel bei der Polizei in Schutz nehmen will, und impliziert damit eine Schwarz-Weiß-Trennung der Welt, die es in der Wirklichkeit gar nicht mehr gibt. Interessanterweise gibt es später eine ähnliche Szene zwischen Sato und dem von Wakayama gespielten Sugai, dem Vertreter der alten, traditionsbewussten Yakuza, für die sein junges Gegenüber nicht viel übrig hat. Sugai fühlt sich als Lehrer und Mentor für den Jungspund, doch dieser folgt einer ganz anderen Ideologie als der alternde Gangsterboss.
Black Rain ist nicht zuletzt auch wegen seines hervorragenden japanischen Ensembles sehenswert. In der bereits beschriebenen Szene treffen mit Tomisaburo Wakayama und Yusaku Matsuda zugleich zwei Generationen des japanischen Kinos unmittelbar aufeinander. Besonders Matsuda überzeugt durch sein intensives, expressives Spiel, das bisweilen sogar die US-Darsteller blass aussehen lässt. Er spielt Sato als einen psychotischen Rebellen, der nach Jahren des mangelnden Respekts nicht mehr länger warten und endlich sein eigenes Revier haben will, abseits von den Gangstern der älteren Generation. Sato ist das Zerrbild einer außer Kontrolle geratenen Ordnung.
OT: Black Rain
Land: USA
Jahr: 1989
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Craig Bolotin, Warren Lewis
Kamera: Jan de Bont
Musik: Hans Zimmer
Besetzung: Michael Douglas, Andy Garcia, Ken Takakura, Kate Capshaw, Yusaku Matsuda, Tomisaburo Wakayama
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