Minotaurus
© MK Productions, CG Cinema
Minotaurus
„Minotaurus“ // Deutschland-Start: 5. November 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Russland im Jahr 2022: Nach außen hin führt Gleb (Dmitriy Mazurov) ein echtes Traumleben. So lebt er mit seiner Frau Galina (Iris Lebedeva) und dem gemeinsamen Sohn Seryozha (Boris Kudrin) in einem schicken Haus. Sein Unternehmen läuft gut. Doch diese Idylle beginnt zu zerbrechen, als der Ukraine-Krieg beginnt. Nicht nur, dass Teile seiner Belegschaft ins Ausland fliehen, er muss zudem Männer aus seiner Firma benennen, die eingezogen werden sollen. Während er versucht, diesen Ausfall zu kompensieren und die Firma am Laufen zu halten, kommt bereits die nächste Hiobsbotschaft. Seine Frau, die schon länger unzufrieden mit der Ehe ist, hat eine Affäre begonnen …

Eine böser werdende Ehekrise

So richtig oft dreht Andrey Zvyagintsev ja keine Filme. Wenn, dann darf man sich aber auf etwas gefasst machen. So erzählte er in Leviathan (2014) von einem einfachen Automechaniker, der sich gegen die Enteignung seines Landes stemmt. 2017 folgte Loveless, das Porträt eines entfremdeten Paares, das sich nicht einmal für den gemeinsamen Sohn interessiert – bis dieser verschwindet. Neun Jahre dauerte es im Anschluss, bis der russische Regisseur und Drehbuchautor sich mit einem weiteren Werk zurückmeldete, auch weil er zwischenzeitlich stark erkrankt war. Doch die Wartezeit hat sich gelohnt, mit Minotaurus kann der Filmemacher problemlos an seine früheren Werke anschließen. Nur muss man sich auch dieses Mal auf ganz harten Tobak gefasst machen.

Wie bei seinem letzten Film erzählt er dabei die Geschichte eines Paares, das durch eine Krise geht. Diesmal ließ er sich hierfür aber anderweitig inspirieren. Genauer ist es der Klassiker Die untreue Frau von Claude Chabrol, der Pate stand. Im Gegensatz zum vorangegangenen Werk existiert die Ehe in Minotaurus aber noch, zumindest Gleb ist auch nach wie vor davon überzeugt, dass sie funktioniert. Schockierte beim letzten Mal noch die Eiseskälte und die Gleichgültigkeit, wird es diesmal durchaus emotional. Das bedeutet aber nicht, dass der Film deswegen irgendwie schöner geworden. Wer die Vorlage kennt, ahnt bereits, in welche Richtung das hinauslaufen wird. Was als Drama beginnt, erhält später noch Thrilleranleihen, wenn die Situation immer weiter eskaliert und es richtig böse wird.

Gesellschaftskritik bis zum bitteren Ende

Anstatt das Szenario eins zu eins zu übernehmen, betten Zvyagintsev und sein Co-Autor Simon Lyashenko dieses in ein zeitgenössisches Russland ein. Das verwundert nicht wirklich, der Regisseur ist schließlich dafür bekannt, sehr ausgiebig über seine Heimat zu sprechen. Und sehr negativ: Jedes Mal beleuchtet der überzeugte und im Ausland lebende Regierungskritiker andere Abgründe der Gesellschaft, irgendwo zwischen dem Privaten und dem Politischen. Bei Minotaurus ist beides eng miteinander verknüpft. Hintergrund ist hier der Krieg in der Ukraine und wie dieser anfängt, sich auf das Leben der Menschen auszuwirken. Das ist erwartungsgemäß bitter. Zwar zeigt der Film keine Kriegsszenen, das ist hier alles ganz weit weg. Dafür müssen die Unternehmer entscheiden, wer aus der Belegschaft entbehrlich ist und eingezogen werden darf, in der Erwartung, nicht wieder lebend zurückzukommen.

Das Drama, das 2026 im Wettbewerb von Cannes Weltpremiere hatte und dort den Großen Preis der Jury erhielt, ist deshalb in vielerlei Hinsicht ein deprimierender Film. Lichtblicke gibt es in den knapp zweieinhalb Stunden kaum, und wenn, dann sind sie sehr flüchtig. Ein echtes Glück ist hier selten spürbar. Vor allem zum Ende hin wird es sehr finster. Das muss man aushalten können, wenn man sich Minotaurus anschaut. Ebenso das geringe Tempo: Zvyagintsev lässt sich gern Zeit, zeigt zwischendurch auch Szenen, in denen nicht wirklich etwas geschieht und die mehr dem Zweck dienen, den Alltag der Figuren zu verdeutlichen. Zusammen mit der zurückgenommenen Art hat der Film schon eine dokumentarische Anmutung, zeigt ganz unaufgeregt das Böse und das Menschenverachtende, als wäre das alles gar nichts Besonderes.

Credits

OT: „Minotaur“
Land: Frankreich, Deutschland, Lettland
Jahr: 2026
Regie: Andrey Zvyagintsev
Drehbuch: Simon Lyashenko, Andrey Zvyagintsev
Kamera: Mikhail Krichman
Besetzung: Dmitriy Mazurov, Iris Lebedeva, Boris Kudrin, Yuriy Zavalnyouk, Varvara Shmykova

Bilder

Trailer

Filmfeste

Cannes 2026
Toronto International Film Festival 2026
Filmfest Hamburg 2026
Zurich Film Festival 2026
BFI London Film Festival 2026

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Minotaurus
fazit
„Minotaurus“ erzählt von einem erfolgreichen russischen Unternehmer, der privat und beruflich in eine Krise rutscht. Unaufgeregt verknüpft das Drama eine persönliche Krise mit den Auswirkungen des Krieges, reichert das noch mit Thrillerelementen an. Dafür braucht es Geduld – und die Bereitschaft, sich auf einen zutiefst deprimierenden Film einzulassen.
Leserwertung0 Bewertungen
0
8
von 10