
Nachdem die USA 20 Jahre vergeblich versucht hatten, Afghanistan nach eigenen Vorstellungen zu formen, beschlossen sie, alle Truppen abzuziehen und das Land sich selbst zu überlassen. Für die Taliban ist das ein Geschenk, in Windeseile nehmen sie alles ein und sind nun auf dem Weg in die Hauptstadt Kabul. Während die feindlichen Truppen unaufhaltsam näher rücken, wird die französische Botschaft für viele zum letzten Zufluchtsort. Denn vielen droht der Tod, wenn sie in die Hände der Taliban fallen. Kommandant Mohamed Bida (Roschdy Zem) und sein Team versuchen deshalb, so viele Menschen wie möglich außer Landes zu schaffen und zu retten. Doch die Situation spitzt sich immer weiter zu – und die Zeit läuft ihnen davon …
Fünf Jahre ist es inzwischen her, dass sich die westlichen Truppen aus Afghanistan zurückgezogen haben und dabei ein mörderisches Chaos hinterlassen haben. Manche werden sich noch an die dramatischen Bilder erinnern, wie zahlreiche Menschen verzweifelt versuchten, geradezu bettelten, mitgenommen zu werden, aus Angst vor dem Schicksal, das sie erwartete. Schon damals war klar, wie schändlich die Leute im Stich gelassen wurden. Einige Jahre später machen sich offensichtlich einige an die Arbeit, diesen Schandfleck nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. So ist gerade erst bei uns mit einiger Verspätung die Serie Kabul – Flucht aus der Hölle im ZDF an den Start gegangen. Und auch „Operation: Kabul“ befasst sich mit den letzten Tagen und Stunden, bevor die Taliban die Hauptstadt eingenommen haben.
Der Film ist dabei aus naheliegenden Gründen fokussierter, als es die Serie war. Wo diese aus ganz verschiedenen Perspektiven die Situation schilderte, gibt es hier nur wenige tatsächliche Hauptfiguren. Im Mittelpunkt ist dabei Kommandant Biba. Dieser hat auch eine reale Vorlage. Tatsächlich basiert „Operation: Kabul“ auf dem Sachbuch 13 jours, 13 nuits dans l’enfer de Kaboul, welches Bida selbst geschrieben hat. So eine direkte Perspektive auf die Ereignisse kann Segen und Fluch zugleich sein. Auf der einen Seite bekommt man auf diese Weise einen authentischeren Blick. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass sich jemand als besser darstellt, sich zu einem Helden macht. Ein bisschen ist das hier schon der Fall, wenn der Protagonist ständig großes Mitgefühl zeigt und um jeden und jede kämpft.
Aber die Figuren sind ohnehin nicht unbedingt die große Stärke von „Operation: Kabul“ geworden. Zwar tritt der bekannte französische Darsteller Roschdy Zem (Winter in Sokcho, Elyas – A Mission Without Mercy) gewohnt intensiv auf und verleiht seiner Figur so Charakter. Aber viel Figurenzeichnung sollte man weder bei ihm noch den anderen erwarten. Die Taliban werden sowieso nur als uniforme brutale Masse gezeigt. Das ist zwar verständlich, es geht hier primär darum, Spannung zu erzeugen. Aber es hätte vielleicht doch noch etwas dabei geholfen, mit diesen Leuten mitzufiebern, wenn sie stärkere Individuen geworden wären. Wenn eine persönliche Bindung aufgebaut worden wäre.
OT: „13 jours, 13 nuits“
IT: „13 Days, 13 Nights“
Land: Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Martin Bourboulon
Drehbuch: Martin Bourboulon, Alexandre Smia, Trân-Minh Nam
Vorlage: Mohamed Bida
Musik: Guillaume Roussel
Kamera: Nicolas Bolduc
Besetzung: Roschdy Zem, Lyna Khoudri, Sidse Babett Knudsen, Christophe Montenez, Sina Parvaneh, Yan Tual, Fatima Adoum, Shoaib Saïd
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