Guru Gourou
© WY PRODUCTIONS - NINETY FILMS – STUDIOCANAL – M6 FILMS - Photographe Jérome Prébois

Guru

Guru Gourou
„Guru“ // Deutschland-Start: 18. Juni 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Matthieu Vasseur (Pierre Niney) weiß, wie er andere Menschen begeistert. Das erlebt er jedes Mal, wenn er auf der Bühne steht und seine Lebensweisheiten mit dem Publikum teilt. Zwar hat er nie eine Ausbildung gemacht, um als Life Coach zu arbeiten. Aber seinen Zuhörern und Zuhörerinnen ist das egal, sie kleben auch so an seinen Lippen und saugen alles auf, was er von sich gibt. Dabei hat er sich darauf spezialisiert, die anderen bei ihren Krisen zu unterstützen und eine positive Stimmung zu vermitteln. Damit hat er Erfolg und erregt auch die Aufmerksamkeit des US-Amerikaners Peter Conrad (Holt McCallany), ein Star in diesem Segment. Andere sind hingegen weniger begeistert, er muss sich beispielsweise vor der französischen Regierung rechtfertigen. Doch die größte Gefahr droht ihm von anderer Seite, als Matthieu beginnt, die Kontrolle zu verlieren …

Eine unerklärliche Begeisterung

Guru wartet nicht lange, um seinen Protagonisten in Szene zu setzen. Schon früh sehen wir ihn, wie er in seinem Element ist, wenn er zu den Menschen spricht und damit Euphorie auslöst. Erst mit der Zeit verrät der Film, mit wem wir es überhaupt zu tun haben, wer er ist, was er tut und was er sucht. Bis es so weit ist, verlässt man sich auf das Charisma der Figur und behauptet den Rest einfach. Was genau das Publikum an den nicht unbedingt tiefsinnigen Aussagen findet, ist dabei gar nicht so klar. Das muss man schon glauben wollen. Das heißt aber nicht, dass es unrealistisch ist. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass manche Leute nichts Intelligentes von sich geben müssen, um Anhänger und Anhängerinnen zu finden. Es muss nicht einmal wahr sein, solange man damit die Leute emotional packt. Und das tut Matthieu.

Daraus hätte man prinzipiell einen Film machen können, der sich eben mit solchen Verführungen befasst und untersucht, warum das alles so gut ankommt. Daran hat Regisseur und Co-Autor Yann Gozlan (Visions – Tödliches Verlangen, Black Box – Gefährliche Wahrheit) aber offensichtlich kein Interesse. Er konzentriert sich ganz auf den Protagonisten und degradiert das Publikum überwiegend zu einer Kulisse. Dann und wann werden zwar einzelne Geschichten erzählt. Aber das ist dann relativ schnell vorbei. Die einzige nennenswerte Ausnahme ist Julien (Anthony Bajon), einer der vielen Jünger von Matthieu. Denn der dient dazu, die Geschichte in eine andere, eine dunklere Richtung zu manövrieren, als man das vielleicht anfangs meinen könnte.

Als Thriller zu konstruiert

So wandelt sich das anfängliche Drama um einen Mann, der einem fragwürdigen Geschäft nachgeht, immer mehr in einen Psychothriller im Stil von Perfect Blue. Matthieu beginnt, die Bodenhaftung zu verlieren, verrennt sich in etwas und weiß auch nicht so recht, wie ihm geschieht. Manche könnten es bedauern, dass der Film die Geschichte nicht dazu nutzt, um etwas über das Thema an sich zu sagen, die Mechanismen, die Gefahren auch. Es muss aber kein Fehler sein, ein Film darf auch „nur“ unterhalten. Bei Guru ist das jedoch nur zum Teil der Fall. Ein großes Problem ist, dass diese Konflikte, mit denen Spannung erzeugt werden soll, ziemlich konstruiert sind. Dadurch nimmt man dem Thriller das Geschehen nicht ab, glaubt einfach nicht, was da genau geschieht.

Das bedeutet nicht, dass das Ergebnis schlecht ist. Da sind schon immer wieder gelungene Szenen dabei, die vor allem auf Hauptdarsteller Pierre Niney (Der Graf von Monte Christo) zurückgehen. Es gelingt ihm sehr gut, die Ambivalenz der Figur herauszuarbeiten. Denn auch wenn es naheliegend gewesen wäre, ist er kein manipulativer Schurke, der das alles zur eigenen Bereicherung macht. Matthieu glaubt an das, was er tut, er will den Menschen tatsächlich helfen. Und zumindest in der Hinsicht funktioniert das auch als Drama ganz gut, wenn da jemand letztendlich gar nicht wirklich sieht, was er da tut. Nur trägt das keinen ganzen Film. Guru bleibt trotz guter Ansätze unter den Möglichkeiten, da er in den entscheidenden Momenten versagt.

Credits

OT: „Gourou“
Land: Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Yann Gozlan
Drehbuch: Yann Gozlan, Jean-Baptiste Delafon
Musik: Chloé Thévenin
Kamera: Antoine Sanier
Besetzung: Pierre Niney, Marion Barbeau, Anthony Bajon, Christophe Montenez, Holt McCallany

Bilder

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Guru
fazit
„Guru“ folgt einem charismatischen Life Coach, dessen eigenes Leben außer Kontrolle gerät. Als Porträt über einen Mann, der nicht wirklich sieht, was er tut, ist der Film sehenswert. Der Psychothriller-Part funktioniert weniger, weil die Elemente zu konstruiert sind.
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