
Es ist ein kniffliger Fall, den der Istanbuler Inspector Ҫetin Ikmen (Haluk Bilginer) da zu lösen hat: Auf dem Friedhof wurde die Leiche von Gözde Seren (Güneş Nezihe Şensoy) entdeckt, jemand hat die junge Frau erschlagen. Nur wer? Und aus welchem Grund? Ikmen versucht das herauszufinden und wird dabei tatkräftig von seinem Team unterstützt. Da sind Mehmet Suleyman (Ethan Kai), der gerade erst aus London zurückgekehrt ist, und Ayse Farsakoglu (Yasemin Kay Allen). Auch Technikspezialist Tarik (Erol Afsin) steht mit Rat und Tat zur Seite. Und Unterstützung kann der erfahrene Polizist gebrauchen, als er das Umfeld der Toten unter die Lupe nimmt. Dazu zählen unter anderem ihr Verlobter Mesut Ҫalak (Bariş Kişlak) und ihr Vater Cahit (Haydar Köyel), der mit strenger Hand über seine Familie herrscht …
Türkei-Krimi mit britischen Wurzeln
Krimifans wissen es natürlich: Am späten Sonntagabend werden im ZDF Produktionen aus dem Ausland gezeigt, zusätzlich zu den ganzen eigenen Filmreihen und Serien. Unter anderem laufen Inspector Barnaby und Dan Sommerdahl auf diesem Programmplatz. Zuletzt gab es dort Back Up – Auf Streife mit der Ex zu sehen, eine neuseeländische Serie über eine Polizistin, die plötzlich mit ihrer Ex-Freundin zusammenarbeiten muss – wovon der Ehemann nichts wissen darf. Ganz so ungewöhnlich ist die Konstellation in Inspector Ikmen – Tod in Istanbul nicht. Dafür steht hier ein Ausflug in die Türkei an, was auf dem Programmplatz ein Novum ist. Die Serie selbst ist dafür schon ein paar Jahre alt, lief unter dem Originaltitel The Turkish Detective. Insgesamt acht Folgen enthält die erste Staffel, wobei immer zwei zusammen einen Fall bilden. Los geht es mit Willkommen in Istanbul.
Trotz des Titels und des Settings ist die Vorlage aber nicht türkisch, sondern britisch. Genauer basiert die Serie auf Romanen der Autorin Barbara Nadel. Die Herkunft macht sich an der einen oder anderen Stelle bemerkbar. Zum einen wurde die Serie mehrsprachig gedreht, weshalb Teile davon auch in der deutschen Fassung untertitelt sind. Außerdem lebte einer aus dem Team bis vor Kurzem selbst in London. Mehmet hat in Inspector Ikmen – Tod in Istanbul: Willkommen in Istanbul dann auch noch eine zweite Funktion, die über das bloße Ermitteln hinausgeht. So dreht sich ein Nebenstrang um Leyla Pamuk (Dilan Gwyn), mit der er in London zusammen war und die in einen mysteriösen Unfall verwickelt wurde, seither hat sie Erinnerungslücken. Diese Geschichte zieht sich durch die Staffel, ist losgelöst von dem eigentlichen Fall.
Einseitig und nicht sehr spannend
Dieser ist, gerade im Kontrast zu dem überzogenen Nebenstrang, erst einmal nicht sonderlich auffällig. Inspector Ikmen – Tod in Istanbul: Willkommen in Istanbul konzentriert sich ganz auf den privaten Bereich ihres Lebens: Familie und Partner. Auffällig ist zudem, dass nur Männer als Täter in Betracht gezogen werden. Das ist einerseits zwar schon nicht unpassend, da irgendwann auch das Thema Machismo im Mittelpunkt steht. In der Türkei laufen der Serie zufolge schon viele Männer herum, die Frauen keinen eigenen Willen zugestehen. Auf der einen Seite ist es sicherlich nicht verkehrt das anzuprangern. Wenn allerdings nahezu alle Frauen in der Serie nur als Love Interest oder Opfer vorkommen, ist das ein bisschen wenig. Ayse ist die einzige Ausnahme, ist innerhalb des Teams aber auch nur eine Nebenfigur. Die eigentlichen Geschichten haben die Männer.
Darüber kann man sich ärgern. Man kann es aber auch langweilig finden, weil das hier einfach keine übermäßig spannende Geschichte ist. Die eine oder andere falsche Fährte ist zwar drin, weshalb man nicht alles bei dem Krimi vorhersehen kann. Dafür gibt es an anderen Stellen Klischees. Insgesamt ist der Auftakt der Serie daher nicht mehr als Mittelmaß, Inspector Ikmen – Tod in Istanbul: Willkommen in Istanbul macht nicht so wirklich viel dafür, dass man hier auch weiter am Ball bleibt. Nächstes Mal geht es in Sterben und Erben um einen reichen Erben, der während eines Konzerts erschossen wird.
OT: „The Turkish Detective“
Land: UK, USA, Türkei
Jahr: 2023
Regie: Niels Arden Oplev
Drehbuch: Ben Schiffer
Vorlage: Barbara Nadel
Musik: Sertaç Özgümüş
Kamera: Eric Kress
Besetzung: Haluk Bilginer, Yasemin Kay Allen, Ethan Kai, Güneş Nezihe Şensoy, Erol Afsin, Bariş Kişlak, Haydar Köyel, Yalim Danişman, Dilan Gwyn
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