
Eigentlich waren die Menschen zusammengekommen, um bei einem Konzert der Sängerin Hevi ihren Spaß zu haben. Doch dann kommt es zu einer Katastrophe: Demir Karagül (Cansin Duman) gerät in einen Streit und wird kurze Zeit später von einem vermummten Motorradfahrer erschossen. Letzterer stirbt später aber ebenfalls, die Folge eines Unfalls. Inspector Ҫetin Ikmen (Haluk Bilginer), Mehmet Suleyman (Ethan Kai) und Ayse Farsakoglu (Yasemin Kay Allen) gehen der Sache nach und versuchen herauszufinden, was es mit dem Mord auf sich hat. Dabei steht die von Erol Karagül (Kevork Malikyan) angeführte Familie des Toten im Mittelpunkt, die durch Textilhandel schwer reich geworden ist und die in einem palastartigen Prachtbau über der Stadt thront …
Klassischer Krimi
Weiter geht es mit Inspector Ikmen – Tod in Istanbul. Die auf Romanen der britischen Autorin Barbara Nadel basierende Krimiserie war schon vor einiger Zeit auf Magenta TV zu sehen und kämpft nun am späten Sonntagabend im ZDF um ein Publikum. Den Auftakt machte dabei Willkommen in Istanbul über eine junge Frau, die auf einem Friedhof erschlagen wurde. Mit Sterben und Erben geht es nun nahtlos weiter, der zweiten von insgesamt vier Doppelfolgen rund um das Istanbuler Polizeitrio. Diese erzählt von einem neuen Fall, weshalb man prinzipiell auch direkt hier einsteigen kann. Lediglich für die persönlichen Geschichten des Trios, von denen es einige gibt, wären Vorkenntnisse von Vorteil, damit man gleich im Bilde ist, wer da wer ist und in welchem Verhältnis die Figuren zueinanderstehen.
Der Fall ist dabei ein sehr klassischer. Zwar geht es hier recht actionreich zu, wenn jemand in aller Öffentlichkeit erschossen wird und anschließend der Auftragsmörder bei der Flucht verunfallt und stirbt. Ansonsten ist Inspector Ikmen – Tod in Istanbul: Sterben und Erben aber wieder ein recht ruhiger Genrevertreter nach klassischer Whodunit-Manier. Am Anfang ist der Mord bzw. die Entdeckung der Leiche, danach wird anderthalb Stunden lang ermittelt, wer den Mord begangen hat. Genauer geht es um den Menschen, der den Auftragsmörder dafür engagiert hat. Dass dabei irgendwie Besitz oder Geld eine Rolle spielen muss, macht bereits der deutsche Titel klar. Wie so oft bei einem solchen Krimi haben wir es mit einer schwerreichen Familie zu tun, was automatisch Begehrlichkeiten weckt. Begehrlichkeiten, die schon einmal tödlich enden können.
Nichts Besonderes
Dieses Mal verzichtet man im Vergleich zur ersten Doppelfolge darauf, sich an gesellschaftlichen Themen zu versuchen. Das Ergebnis ist ein wenig gemischt. Auf der einen Seite war der Auftakt zu bemüht, weshalb das alles nicht so wirklich überzeugt hat. Andererseits bedeutet es, dass bei Inspector Ikmen – Tod in Istanbul: Sterben und Erben etwas fehlt, das einem in Erinnerung bleibt, zumindest im Hinblick auf den recht austauschbaren Fall. Die privaten Geschichten sind auch nicht wirklich interessant. Während die Familienangelegenheiten des Titelgebers irgendwie nett, aber ohne große Konsequenz sind, wird der Strang um Mehmet und Leyla Pamuk (Dilan Gwyn) fortgeführt, die ihr Gedächtnis verloren hat. Wo der eine Part eher banal ist, da ist der andere übertrieben. Bislang sind beide Charaktere noch nicht wirklich geeignet, einen dauerhaft an die Serie zu binden.
Ein großer Anlass zum Ärger dürfte für einige auch wieder das mit der Sprache sein. Da die Serie im Original mehrsprachig angelegt ist, sind einige Passagen hier nur untertitelt verfügbar, um den Unterschied deutlich zu machen. Grundsätzlich ist es zwar zu begrüßen, wenn versucht wird, auf solche Unterschiede einzugehen, wie es eben im wahren Leben auch ist. Für die Zielgruppe solcher Produktionen ist das aber ein bisschen viel, zumal eine wirkliche inhaltliche Begründung für die Mehrsprachigkeit fehlt. Bei Krimis mit einer internationalen Crew ist das etwas anderes, als wenn alle dieselbe Nationalität haben. So oder so, mehr als Mittelmaß ist Inspector Ikmen – Tod in Istanbul: Sterben und Erben wie schon der Auftakt nicht geworden. Die auch als The Turkish Detective bekannte Serie tut zu wenig, um sich innerhalb des Genres hervorzuheben. Nächstes Mal geht es in Die Stadt und der Müll um einen toten Müllsammler.
OT: „The Turkish Detective“
Land: UK, USA, Türkei
Jahr: 2023
Regie: Lynsey Miller
Drehbuch: Neil Biswas, Raymond Khoury
Vorlage: Barbara Nadel
Musik: Sertaç Özgümüş
Kamera: Philipp Haberlandt
Besetzung: Haluk Bilginer, Yasemin Kay Allen, Ethan Kai, Cansin Duman, Kevork Malikyan, Victoria Ekanoye, Miles Yekinni, Ömer Genç, Melissanthi Mahut, Dilan Gwyen
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