
Mit dem Tod ist alles vorbei? Nicht unbedingt. Zumindest bei der Firma Wifelike ist man der Ansicht, dass der Verlust eines geliebten Menschen nicht permanent sein muss. Die Lösung sind Androiden, die verstorbenen Frauen nachempfunden sind, damit deren Witwer die alte Beziehung fortführen können. Einer dieser Männer ist der Polizist William Bradwell (Jonathan Rhys Meyers), der mit einem solchen Roboter seine tote Frau Meredith (Elena Kampouris) ersetzen möchte. Doch nicht alle finden diese Entwicklung toll. So sehen die Leute von der Aktivistengruppe S.C.A.I.R. diese Begleiterinnen als Sklavinnen, da ihnen der freie Wille verwehrt wird. Immer wieder stiehlt diese solche Androiden und programmiert sie um. William wiederum hat die Aufgabe, die entlaufenen Androiden zu finden und zu ihren Besitzern zurückzubringen …
Technik statt Trauer
Filme über künstliche Intelligenzen, die ein Eigenleben entwickeln, sind derzeit nicht gerade selten. Vor allem im Horror- und Thrillergenre finden sich zahlreiche Beispiele, wie Maschinen, die uns eigentlich dienen sollten, sich erheben und anfangen, die Menschen zu dominieren. M3GAN wurde mit einem solchen Szenario ein echter Überraschungshit. Aber auch Cassandra, Raptus – Sie verfügt über ihn oder T.I.M. arbeiteten mit solchen Szenarien. Da passt Wifelike natürlich gut in den aktuellen Zeitgeist, obwohl der Film eigentlich schon ein paar Jahre alt ist. Genauer ist er von 2022, findet derzeit aber dank einer späten Netflix-Veröffentlichung noch einmal ein ganz neues Publikum, welches offensichtlich noch nicht von dem Thema übersättigt ist.
Dabei muss man Regisseur und Drehbuchautor James Bird zugutehalten, dass er etwas größere inhaltliche Ambitionen verfolgt, als einfach nur Maschinen Amok laufen zu lassen. So werden die Androiden als Ersatz für Verstorbene eingeführt, damit die Hinterbliebenen nicht länger trauen müssen. Auch dieses Motiv ist nicht neu, The Trouble with Being Born oder dieses Jahr Sheep in the Box arbeiten mit ganz ähnlichen Ideen. Als Thema ist das ganz interessant. Wifelike fängt aber relativ wenig damit an. Anstatt sich mit der Frage zu befassen, ob ein solcher Ersatz etwas Gutes oder Schlechtes ist, von den moralischen Überlegungen ganz zu schweigen, wird das hier als gegeben angenommen. Da denkt niemand weiter drüber nach.
Aufstand gegen das Patriarchat
Wichtiger ist ein anderer Aspekt: Schon der Titel Wifelike gibt vor, dass es bei diesen Maschinen nicht allein um Trauerbewältigung geht. Schließlich fertigt die Firma lediglich Androiden verstorbener Ehefrauen an: keine Ehemänner, keine Kinder, keine sonstigen Familienmitglieder. Kein Wunder also, dass der Film gar nicht so sehr von Trauer spricht, sondern von Geschlechterbildern. Wenn die Roboter festen Regeln folgen müssen, keine Entscheidungsfreiheit haben und beim ersten Problem wieder auf die Werkseinstellung zurückgesetzt werden können, ist keine technologische Notwendigkeit, sondern Ausdruck eines archaischen männlichen Dominationswunsches. Wenn die Androiden hier den Aufstand wagen, hat das automatisch eine feministische Note. Denn es wird nicht allein gegen Menschen gekämpft, sondern gegen ein Patriarchat.
Das ist dann alles schlüssig, wenn auch nicht sonderlich subtil. Gleiches gilt für den Mysteryteil. So wird relativ früh klar, dass da irgendwas nicht stimmt an der Geschichte rund um William und Meredith. Die tatsächliche Auflösung, was da los ist, kommt zwar erst spät, dürfte aber niemanden vor den Bildschirmen überraschen. Und während Hauptdarstellerin Elena Kampouris (Kinder des Zorns) zumindest noch darum bemüht ist, dem Roboter Leben einzuhauchen, fällt ihr Co-Star Jonathan Rhys Meyers (Im Herzen des Dschungels, Disquiet) nicht gerade durch schauspielerische Ambition auf. Insgesamt ist Wifelike daher auch ein nur mäßiger Beitrag zu dem derzeitigen Trendthema. Gute Ansätze gibt es zwar, die Ausarbeitung lässt aber zu wünschen übrig. Richtig spannend wird es auch nicht.
OT: „Wifelike“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: James Bird
Drehbuch: James Bird
Musik: Rich Walters
Kamera: Graham Talbot, Nelson Talbot
Besetzung: Jonathan Rhys Meyers, Elena Kampouris, Doron Bell
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