
Schon seit einer Weile sind die Ressourcen in Griechenland knapp geworden, es mangelt an Wasser und Treibstoff. Das Land steht vor dem Kollaps. Umso härter sind die Verteilungskämpfe geworden, rivalisierende Banden kämpfen mit allen Mitteln um das, was geblieben ist. Nikos (Christos Loulis) führt eine dieser Banden und scheut dabei vor nichts zurück. Doch auch seine Zeit neigt sich dem Ende zu, weshalb er die junge Maria (Melissanthi Mahut) zu seiner Nachfolgerin auserkoren hat. Ein wirkliches Mitspracherecht hat sie dabei nicht, so wie Frauen insgesamt nur wenig zu sagen haben im Land. Als Maria die mysteriöse Sängerin Eleni (Aurora Marion) kennenlernt, scheint jedoch die Chance gekommen, das zu ändern. Gemeinsam nehmen die beiden Frauen den Kampf gegen das Patriarchat auf …
Endzeit mit antiken Wurzeln
Dass die Aussichten für die Menschheit eher trübe sind, scheint Konsens zu sein. Das gilt nicht nur für die Stimmungslage in der Bevölkerung, die oftmals jeden Optimismus vermissen lässt. Gerade auch in Filmen scheint die Lust an der Katastrophe groß zu sein. Positive Visionen für die Zukunft? Die muss man schon mit der Lupe suchen. Mit Gorgonà kommt nun der nächste Film zu uns, bei dem mal wieder alles kaputt ist, die Menschheit ihren Preis zu zahlen hat für die Gier und die Rücksichtslosigkeit, mit der sie den Planeten geplündert hat. Es sind die üblichen Themen, die in solchen Geschichten immer wieder behandelt werden.
An möglichen Referenzen mangelt es daher nicht. Eine offensichtliche ist Mad Max, einer der großen Klassiker der Endzeitapokalypse. Aber auch Quentin Tarantino schaut hier immer mal wieder als Einfluss vorbei. Das kann je nach Ansicht vielversprechend oder langweilig sein, eben weil einem das meiste ziemlich bekannt vorkommt. Zwar spielt Gorgonà in Griechenland, was mal ein anderes Setting für ein solches Szenario ist. Hier und da gibt es dann auch Verweise auf die eigene Mythologie. Der offensichtlichste wird durch den Titel vorweggenommen, wenn er die Fabelwesen der Gorgonen aufgreift, die mit Schlangenhaar und versteinerndem Blick zu den bekanntesten Figuren zählt. So richtig viel wird daraus aber nicht gemacht, auch die Fantasyanleihen bleiben reine Andeutungen.
Insgesamt zu wenig
Wichtiger ist Regisseurin und Co-Autorin Evi Kalogiropoulou da schon der feministische Aspekt. Während etwa die Umweltzerstörung nicht viel mehr als Hintergrunddeko ist, ein Mittel zum Zweck, wird offen mit dem Kampf der Frauen gegen ein von Männern bestimmtes System umgegangen. Mit Eleni wird eine tatsächliche Alternative ins Spiel gebracht, da sie nicht nur innerhalb desselben gegen Männer antritt, sondern die Spielregeln insgesamt ändern möchte. Allerdings lässt Gorgonà auch in der Hinsicht Konsequenz vermissen. So scheint er Film gleichzeitig den waffengeladenen Machismo kritisieren zu wollen und ist doch auch davon fasziniert, bleibt insgesamt in den Aussagen zu schwammig.
Schlecht ist das Ergebnis nicht. Das Drama, welches 2025 in der Settimana Internazionale della Critica in Venedig Weltpremiere hatte, fasziniert immer mal wieder mit seinem Mix aus bekannten und eigenen Elementen. Gerade das Raue, der Mangel an Oberflächenpolitur, sorgt für einen eigenen Reiz. Es ist nur nicht genug, um wirklich auf Dauer zu überzeugen. Gorgonà hat zwar gute Ansätze, eine gute Absicht sowieso. Das bedeutet aber nicht, dass der Film gut ist. Letzten Endes bleibt zu wenig von diesem zurück, er schafft es nicht, innerhalb des Untergangschors, der weltweit von Filmschaffenden betrieben wird, wirklich hervorzustechen.
OT: „Gorgonà“
Land: Griechenland, Frankreich
Jahr: 2025
Regie: Evi Kalogiropoulou
Drehbuch: Louise Groult, Evi Kalogiropoulou
Musik: Ilias Campanis, Karolos Berahas, Nick Athens
Kamera: Giorgos Valsamis
Besetzung: Melissanthi Mahut, Aurora Marion, Christos Loulis
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