
Nach außen hin scheint Clare Bleecker (Bella Thorne) eine ganz normale Schülerin zu sein. Das denkt auch der Mann, der neben ihr hält und ihr anbietet, sie mit dem Auto mitzunehmen. Aber das ist ein Irrtum, wie sich bald herausstellt. Denn Clare hat zu dem Zeitpunkt bereits mehrere Menschen auf dem Gewissen: Sie macht gezielt Jagd auf Männer, die sich an Frauen vergreifen, um sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Oder das, was die junge Frau für Gerechtigkeit hält. Unterstützt wird sie dabei von einem Mann (Frank Whaley), der ebenso tot ist wie ihre Opfer. Während sie selbst ins Visier von Detective Rich (Ryan Phillippe) gerät, ist die Jugendliche fest entschlossen, das Rätsel um einige verschwundene Frauen zu lösen – und wenn sie dafür über Leichen gehen muss …
Eine Serienmörderin als Heldin?
Filme um Serienmörder gibt es natürlich wie Sand am Meer. Der Krimi- und Thrillerbereich ist voller Beispiele, auch Horrorfans finden reichlich Anschauungsmaterial. Üblicherweise ist der Killer der Gegenspieler, der von den Hauptfiguren gejagt wird oder vor dem diese auf der Flucht sind. Filme wie Sieben oder Das Schweigen der Lämmer sind damit zu Klassikern geworden. Eher selten ist hingegen das Szenario, in dem die Hauptfigur selbst mordet und wir an diese gekettet sind. Schließlich sind wir aus guten Gründen darauf konditioniert, Helden und Heldinnen die Daumen zu drücken. Neuere Beispiele dafür, dass wir die Seiten wechseln, sind dabei In A Valley of Violence und Trap: No Way Out. Mit Saint Clare – Engel der Vergeltung findet nun ein weiterer solcher Titel seinen Weg zu uns.
Wobei der Vergleich ein wenig hinkt. In den meisten Fällen verfolgen die Killer und Killerinnen niedere Ziele, wollen sich etwa an den Opfern bereichern oder genießen die Morde an sich. Hier ist das anders. Die Titelfigur von Saint Clare – Engel der Vergeltung tötet nicht wahllos unschuldige Menschen, sondern hat es gezielt auf solche abgesehen, die selbst Verbrecher sind. Ein typischer Fall von Selbstjustiz also, wo jemand für sich in Anspruch nimmt, über dem Gesetz zu stehen und ein eigenes durchzusetzen. Der Vergleich zu Promising Young Woman drängt sich geradezu auf. In beiden Fällen will eine Frau Männer bestrafen, die sich an Frauen vergreifen, weil offensichtlich die Justiz nicht dazu in der Lage ist.
Zu unschlüssig
Was Saint Clare – Engel der Vergeltung jedoch von der Seelenverwandten unterscheidet, ist der seelische Zustand der Protagonistin. So ist Clare eindeutig psychisch labil. Das zeigt sich nicht nur in den religiösen Anwandlungen der Jugendlichen. Auch die Sache mit dem Toten, der zu Beginn immer an ihrer Seite ist, lässt auf eine deutliche Beeinträchtigung schließen. Wobei es die Adaption des Romans Clare at 16 von Don Roff offenlässt, ob der Verstorbene als Geist umherwandert oder doch nur eine Einbildung ist. Sie vergisst ihn später auch, hat dann offensichtlich keine Verwendung mehr für den Mann. Das ist schade, weil der Film dann am unterhaltsamsten ist, wenn das ungleiche Duo gemeinsam unterwegs ist. Er setzt dabei auf überraschend viel Humor. Ob man so weit gehen muss, hier von einer Horrorkomödie zu sprechen, sei mal dahingestellt. Amüsant sind die Szenen aber durchaus.
Ansonsten ist der Film aber nicht besonders gut geworden. So lässt die Hauptgeschichte um die verschwundenen Frauen Spannung vermissen, weil man schon ahnt, worum es dabei geht. Und auch die Enthüllung der Tatperson fällt nicht unbedingt überraschend aus, das sieht man doch eher kommen. Dafür wird viel drumherum erzählt, was es nicht gebraucht hätte. Und zu guter Letzt bringt Hauptdarstellerin Bella Thorne (The Babysitter, Girl) nicht die notwendige Intensität mit, um eine solche Figur mit Leben zu füllen. Für eine verkorkste Serienmörderin mit göttlichem Gerechtigkeitsanspruch ist die Protagonistin zu blass. Tatsächlich schlecht ist Saint Clare – Engel der Vergeltung zwar nicht, der Thriller hat schon seine Momente. Es sind nur nicht genügend, um damit einen ganzen Film zu füllen.
OT: „Saint Clare“
Land: USA
Jahr: 2024
Regie: Mitzi Peirone
Drehbuch: Mitzi Peirone, Guinevere Turner
Vorlage: Don Roff
Musik: Zola Jesus
Kamera: Luka Bazeli
Besetzung: Bella Thorne, Rebecca De Mornay, Ryan Phillippe, Frank Whaley
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