
Eigentlich ist Leo Harrigan (Ryan O’Neal) ja als Anwalt tätig. Doch mit dem Aufkommen von Filmen fühlt er sich dazu berufen, sich in dieser neuen Unterhaltungsindustrie zu betätigen und sich im Auftrag des Produzenten H.H. Cobb (Brian Keith) als Autor bzw. Regisseur zu versuchen. Erfahrungen hat er keine, was aber niemanden wirklich stört. Tatsächlich ist er bald kräftig am Drehen. Dabei kommt es eines Tages 1914 zu einem folgenreichen Zwischenfall, als sich Kathleen Cooke (Jane Hitchcock) versehentlich in einem Heißluftballon verheddert und mit diesem davonfliegt. Gemeinsam mit dem Schauspieler Buck Greenway (Burt Reynolds), der sich gerade im Ballon befand, landet sie auf einem fahrenden Zug. Obwohl die Szene so nicht geplant war, ist das Ergebnis spektakulär – und wird nachträglich in einen Film eingebaut, der zum Kassenschlager wird …
Eine unbeliebte Liebeserklärung
Im Laufe seiner mehrere Jahrzehnte umfassenden Karriere hat Peter Bogdanovich an zahlreichen erfolgreichen Filmen gearbeitet. Is‘ was, Doc? (1972) und Paper Moon (1973) gelten als große Klassiker, Die Maske (1985) wurde mit mehreren Preisen gewürdigt. Doch nicht jedes Werk des US-amerikanischen Regisseurs wurde zum Volltreffer. So ging Nickelodeon 1976 ziemlich baden, nur wenige Jahre, nachdem der Filmemacher an der Spitze gestanden hatte. Selbst die äußerst prominente Besetzung konnte nicht verhindern, dass die Komödie an den Kinokassen floppte. Die Kritiken waren auch nicht gerade berauschend, richtig großen Eindruck hinterließ das nicht. Bogdanovich selbst war so unzufrieden mit dem ganzen Projekt, dass er anschließend eine mehrjährige Pause einlegte. Dass heutzutage kaum jemand mehr den Film kennt, verwundert da nicht wirklich.
Aber ist er deswegen auch so schlecht, wie sich das alles anhört? Das nicht unbedingt. Man muss nur wissen, worauf man sich einlässt. Prinzipiell handelt es sich bei Nickelodeon um eine Liebeserklärung an die Anfänge von Hollywood, als es noch nicht so viele feste Prozesse und Strukturen gab. Damals war das alles noch einfacher, ging es um weniger Geld, weshalb man einfach mal machen und auf das Beste hoffen konnte. Wenn sich relativ früh der oben beschriebene Vorfall ereignet und ein Missgeschick zu einem zentralen Bestandteil eines Films gemacht wird, inklusive komplett neuer Geschichte, dann ist das schon lustig. Der Film lebt von seiner Atmosphäre der Unschuld, von einem gewissen Do-it-yourself-Charme, der mit der steigenden Professionalität verlorenging. Da schwingt schon eine deutliche Nostalgie mit für eine lang zurückliegende Vergangenheit – selbst wenn das Team hinter dem Film diese nicht selbst erlebt hat.
Viel harmloser Slapstick
Das Problem dabei ist jedoch, dass Bogdanovich und sein Co-Autor W.D. Richter nicht so wahnsinnig viel zu dem Ganzen zu sagen haben. Dass Nickelodeon ein Herzensprojekt war, ist zwar schon spürbar. Der zuvor als Filmkritiker tätige Regisseur dürfte auch genügend zu dem Thema wissen. Anstatt sich wirklich damit auseinanderzusetzen, gibt es aber primär Humor. Dieser ist dabei überwiegend von einer sehr harmlosen Natur. Obwohl es durchaus möglich gewesen wäre, satirische Elemente einzubauen, findet man in erster Linie Slapstick. Gegen einen solchen ist nichts einzuwenden. Minions & Monster, eine aktuelle Verneigung vor der Filmgeschichte, tut das auch. Nur ist das hier dann doch eher einfallslos und letztendlich austauschbar. Und mäßig witzig.
Das ist schade, weil das Potenzial für mehr da gewesen wäre. Nicht nur, dass es prinzipiell spannend ist, in die 1910er zurückzukehren, als das Filmgeschäft wirklich noch in den Kinderschuhen steckte. Auch die Besetzung lockt mit großem komödiantischem Talent. Wirklich genutzt wird dieses aber kaum. Nickelodeon ist ein schon irgendwie netter Film, den man sich durchaus anschauen kann, wenn er mal wieder im Fernsehen läuft. Aber er hinterlässt eben nicht so wahnsinnig viel Eindruck. Nur wenige Szenen sind dazu geeignet, wirklich im Gedächtnis zu bleiben. Das meiste ist nicht mehr als hübsche Berieselung, über die man schmunzeln kann.
OT: „Nickelodeon“
Land: UK, USA
Jahr: 1976
Regie: Peter Bogdanovich
Drehbuch: W.D. Richter, Peter Bogdanovich
Musik: Richard Hazard
Kamera: László Kovács
Besetzung: Ryan O’Neal, Burt Reynolds, Tatum O’Neal, Stella Stevens, John Ritter, Jane Hitchcock, Brian Keith
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