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Low Expectations

„Low Expectations“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Die junge Musikerin Maja (Marie Ulven) war auf dem besten Weg, ein großer Star zu sein. Bis sie nicht mehr konnte, der Druck und die hohen Erwartungen ihr zu viel wurden, sie  zusammenbrach. Seither lebt sie wieder bei ihrer Mutter Astrid (Tone Mostraum) und hält sich mit einem Aushilfsjob bei der Schule über Wasser. Künstlerisch erfüllend ist dieser nicht, viel Geld macht sie damit auch nicht. Zumindest aber gibt ihr diese Auszeit die Gelegenheit, einmal über alles nachzudenken und zu überlegen, wie es weitergehen soll. Bisher war die Musik immer ihr wichtigstes, größtes Ziel gewesen. Doch was, wenn das nicht mehr geht? Wer ist Maja überhaupt, wenn sie nicht auf der Bühne steht und singt? Das weiß sie inzwischen selbst nicht mehr so genau …

Was vom Traum übrigbleibt

Für viele Menschen ist es der große Traum: mit künstlerischer Arbeit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Für die meisten davon wird das ein Traum bleiben. Ob man sich nun an der Schriftstellerei versucht, schauspielert oder musiziert, der Weg zum Erfolg ist oft mühselig. Das macht das Thema aber auch so dankbar für Filme. Immer wieder werden Geschichten erzählt, wie es jemand tatsächlich an die Spitze schafft, gerade auch im Musikgeschäft. Manche bleiben dort, was dann gern inspirierend angelegt ist. Andere Filme arbeiten mit dem Aufstieg-und-Fall-Motiv, siehe etwa A Star Is Born und Breaking Glass, wo Höhepunkte und Tiefpunkte miteinander konkurrieren. Low Expectations überspringt das mit dem Aufstieg gleich ganz und geht direkt zum Absturz über.

Das ist auf jeden Fall ein eigener Zugang zum Musikfilmgenre. Wobei man sich darüber streiten kann, ob das hier überhaupt noch ein Musikfilm ist. Denn die Szenen, in denen tatsächlich musiziert wird, sind rar gesät. Das ist auch deshalb überraschend, weil die Hauptrolle Marie Ulven spielt. Die auch als Girl in Red bekannte norwegische Sängerin war 2021 mit ihrem Debütalbum If I Could Make It Go Quiet schließlich weltweit erfolgreich. Da wäre schon zu erwarten gewesen, dass dieses Sangestalent unter Beweis gestellt wird. Doch Regisseur und Drehbuchautor Eivind Landsvik verzichtet bei seinem Langfilmdebüt Low Expectations bewusst darauf, solche Szenen zu zeigen. Vielmehr geht es ja um die Frage: Wer ist Maja eigentlich, wenn sie nicht auf der Bühne steht und musiziert? Das ist eine Frage, die nicht nur das Publikum umtreibt. Die Protagonistin selbst hat keine Ahnung, wer sie eigentlich ist.

Vielschichtiges Selbstfindungsdrama

Das Ergebnis ist eine Art Selbstfindungdrama, bei der es um Fragen der Identität geht und wie wir eigentlich festlegen, wer wir sind. Doch man würde dem Film nicht gerecht werden, ihn darauf zu reduzieren. Denn Low Expectations schneidet im Laufe der rund 105 Minuten eine ganze Reihe von Themen an. Unter anderem befasst sich Landsvik mit der Depression, unter der die Protagonistin leidet. Eigentlich hat sie viel: Talent, Erfolg, eine liebende Familie, ein stabiles Umfeld. Und doch findet sie weder darin noch in ihrer Musik Halt und Glück. Es geht also auch darum, wie man aus einer Krise wieder herausfindet. Die Suche nach einer Hoffnung, wenn um einen herum alles in Dunkelheit versinkt. Aber selbst das geschieht eher beiläufig, wenn der Film auch viel über die Menschen zu erzählen hat, denen Maja begegnet.

Das wirkt manchmal ein wenig ziellos, wenn man schon gar nicht mehr sagen kann, was genau der Film denn nun erzählen will. Und doch ist es sehenswert, wie hier verschiedene Themen beleuchtet werden, irgendwo zwischen Rückschau und Zukunftsvision. Das Drama, das 2026 in der Quinzaine des Cinéastes in Cannes Weltpremiere hatte, erzählt einerseits eine singuläre Geschichte über jemanden, der berühmt ist und zugleich unglücklich. Wer kann das schon von sich behaupten? Und doch bietet Low Expectations reichlich Identifikationsfläche, wenn ganz universelle Fragen gestellt werden. Denn auch wenn wir nicht alle Musikstars sein können, eine Form der Selbstverwirklichung suchen wir doch alle und müssen uns fragen: Was, wenn mein Leben nicht nach Plan verläuft? Eine Antwort auf diese Fragen bietet der Film nicht. Aber das ist kein Manko. Beim Leben selbst ist das ja nicht anders.

Credits

OT: „Lave forventninger“
Land: Dänemark, Norwegen
Jahr: 2025
Regie: Eivind Landsvik
Drehbuch: Eivind Landsvik
Musik: Frederikke Hoffmeier, Bendik Hovik Kjeldsberg
Kamera: Andreas Bjørseth
Besetzung: Marie Ulven, Anders Danielsen Lie, Tone Mostraum, Embla Berntsen, Snorre Kind Monsson

Trailer

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Low Expectations
fazit
In „Low Expectations“ rutscht eine aufstrebende Musikerin in die Krise und muss nach einem Weg suchen, ihr Leben fortzuführen. Der Film unterscheidet sich deutlich von anderen Musikdramen, wenn es stärker um Fragen der Identität geht, dabei aber auch andere Themen wie Depressionen verhandelt werden. Das wirkt zuweilen ziellos, ist jedoch unbedingt sehenswert – und stark gespielt.
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