In the Grey
© Leonine

In the Grey

In the Grey
„In the Grey“ // Deutschland-Start: 21. Mai 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Selbst in den elitärsten Kreisen wird gestohlen, betrogen und sogar gemordet. Wenn in der Welt des finanziellen Hochadels konventionelle rechtliche Mittel an ihre Grenzen kommen, beginnt die Arbeit von Sophia (Eliza González). Als der illusive Industrie- und Technikmagnat Salazar (Carlos Bardem) sich weigert, eine Milliarde US-Dollar an seinen früheren Investor Goldstein zurückzuzahlen, fällt der Auftrag der Rückbeschaffung an sie. Während ein Team aus Anwälten den legalen Teil ihrer Arbeit betreut, sind es ihre loyalsten Mitarbeiter John Grey (Henry Cavill) und Michael Harris (Jake Gyllenhaal), die mit ihren speziellen Fähigkeiten den Druck auf Salazar und sein Netzwerk auf unkonventionellere, rechtlich fragwürdige Weise erhöhen sollen.

Guy Richies Fließbandkino

Kaum ein Regisseur erreicht den filmischen Output von Guy Ritchie. Seit Ende der Pandemie produzierte er sechs Langfilme und realisierte gleichzeitig mehrere Serienprojekte. Nach seinem kommerziellen Misserfolg an den Kinokassen mit The Ministry of Ungentlemanly Warfare führte er Regie bei Fountain of Youth, einem exklusiven Apple TV+ Direct-to-Streaming-Titel. 2026 kehrt er jedoch nicht nur mit Wife and Dog zurück in die Kinos, sondern auch mit dem bereits 2023 gedrehten und durch Distributionsprobleme lange verzögerten In the Grey. Für In the Grey bedient er sich dabei erneut eines Ensemble-Casts einiger seiner präferierten Schauspieler, allen voran Henry Cavill, Jake Gyllenhaal und Rosamund Pike, die allesamt bereits in seinen vergangenen Filmen vertreten waren.

Von Milliarden, Morden und mangelnder Konsequenz 

Die Prämisse ist dabei gleichermaßen einfach wie vage gehalten. Ein Milliardär schuldet einem noch reicheren Milliardär Geld, ist aber dank einer eigenen Insel und nahezu unbegrenzter finanzieller Mittel de facto unantastbar. Das internationale Rechtssystem erweist sich dabei nur bedingt als hilfreich. Zwar erlaubt es Sophia, privates Eigentum pfänden zu lassen und finanzielle Sanktionen zu verhängen, Kapitalverbrechen wie Entführung und Mord scheinen aber weder handhabbar noch relevant. Gleichermaßen nebensächlich erscheint das ungestüme mörderische Vorgehen des Teams rund um Cavill und Gyllenhaal, das Privatinsel oder nicht zumindest eine mittelschwere diplomatische Krise auslösen würde. Erneut wird also klar: Man darf nicht jede Zeile in Richies Drehbuch auf die Goldwaage legen oder gar ernsthaft hinterfragen. Während die Stigmata von Betrug, Korruption und Rücksichtslosigkeit auf den ersten Blick durchaus zur Welt des High Finance und der Milliardäre passen, verunglimpft man klammheimlich die Zunft der Juristen gleich mit.

Elaborierter Stillstand 

Abseits gravierender narrativer Lücken und Logikfehler ist In the Grey ein Paradebeispiel eines typischen Guy-Ritchie-Films. Eine Mischung aus Heist- und Actionfilm, ein Katz-und-Maus-Spiel, das nur oberflächlich betrachtet extravagant oder gar clever strukturiert ist und ähnlich viel Fallhöhe mitbringt wie ein Sprung vom Beckenrand. Der Regisseur von Bube, Dame, König, GrAs, The Gentlemen und Snatch – Schweine und Diamanten scheint trotz oder gerade wegen seines immensen filmischen Outputs mutloser und einfallsloser geworden zu sein. So auch hier: Nach kurzer Vorgeschichte präsentiert In the Grey einen elaborierten Plan zur Rückbeschaffung einer Milliarde Dollar und dem sicheren Verlassen von Salazars Insel. Ein Plan, der perfekt funktionieren würde, auch ohne sich in die direkte Proximität des rücksichtslosen Milliardärs und damit in tödliche Gefahr zu begeben.

Ein größeres Problem als logische Inkonsistenz ist hier einmal mehr die verfrühte Exposition jedes einzelnen Details eines Plans, der später wenig überraschend nach dem präsentierten Schema abläuft und damit gleich in doppelter Hinsicht keinerlei Überraschungen mehr bietet. Darüber hinaus verzichtet Richie auf Charakterzeichnung. Der hochkarätig besetzte Cast bekommt neben infantilem Humor und abgedroschener Punchlines keine Möglichkeit, charakterliche Tiefe und damit emotionale Bindung zu etablieren, was besonders während des Finales shcmerzhaft deutlich wird.

Letztlich ist es trotzdem der individuellen Qualität der Schauspieler geschuldet, dass In the Grey nicht vollends in sich zerfällt. Das Wechselspiel zwischen Gyllenhaal und Cavill gepaart mit ihrer karikativen Figurenzeichnung ist humoristisch ausreichend, um die Inhaltslosigkeit zwischen den handwerklich soliden Actionsequenzen der zweiten Filmhälfte zu überspielen. On-Location-Drehs auf Teneriffa und den spanischen Inseln komplettieren den authentischen Look der Actionszenen und setzen zumindest zahlreiche visuelle Anreize.

Credits

OT: „In the Grey“
Land: USA
Jahr: 2026
Regie: Guy Richie
Drehbuch: Guy Richie
Musik: Christopher Benstead
Kamera: Ed Wild
Besetzung: Henry Cavill, Jake Gyllenhaal, Eliza González, Kristofer Hivju, Fisher Stevens, Rosamund Pike

Bilder

Trailer

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In the Grey
fazit
Letztlich bleibt "In the Grey" ein weiterer Beleg dafür, dass Guy Ritchies enormer Output zunehmend zulasten erzählerischer Präzision und kreativer Eigenständigkeit geht. Zwischen logischen Brüchen, vorhersehbarer Heist-Struktur und oberflächlicher Figurenzeichnung reicht es trotz charismatischer Hauptdarsteller und solider Action nie für mehr als routinierte Genrekost, die ihrem Titel letztlich unfreiwillig gerecht wird und sich in der Grauzone der Mittelmäßigkeit wiederfindet.
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