(„Snatch“ directed by Guy Ritchie, 2000)

Anknüpfend an die Erfolgswelle von Lock, Stock and Two Smoking Barrels legte Guy Ritchie im Jahr 2000 mit Snatch einen stilistisch sehr ähnlichen Film nach, der an einigen Stellen aber durchaus Eigenständigkeit beweist. Es wäre also unfair von einem zweiten Teil zu sprechen, auch wenn es sehr viele Ähnlichkeiten gibt und einem viele Gesichter bekannt vorkommen werden. Wieder sind nämlich Namen wie Jason Statham, Vinnie Jones oder Jason Flemyng in den Credits zu lesen aber das macht nichts, denn die Figuren die ihnen der Brite verpasst passen jedem wie die Faust aufs Auge.

Nachdem in Bube, Dame, König grAs vor allem das Pokerspiel im Vordergrund stand sind es diesmal getürkte Boxkämpfe bei denen vor allem Boss Brick Top (Alan Ford) die Fäden zieht. Natürlich handelt es sich um sogenannte „nicht genehmigte“ Kämpfe, die notwendigerweise eine breite Palette an düsteren und skurrilen Typen anzieht. Der Boxpromoter Turkish (Jason Statham) und sein „Sidekick“ Tommy (Stephen Graham) haben die Aufgabe willige Kämpfer anzuschleppen die in der von Brick Top erwünschten Runde zu Boden gehen. Mit dem scheinbar zurückgebliebenen und kauderwelsch sprechenden Gipsy Mickey O’Neil (Brad Pitt), glauben die beiden fündig geworden zu sein, doch der Roma wird ihnen noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Das ist aber nur Nebensache denn die eigentliche Geschichte dreht sich um etwas ganz anderes. Wenn in Lock, Stock noch die Unmenge an Gras das Objekt der Begierde war, so ist es hier ein 84 Karat-Diamant. Diverse Parteien, darunter die jüdische Gemeinde dessen Oberhaupt Avi Denovitz von einem grandiosen Dennis Farina gespielt wird, versuchen nun den Klunker in die Griffel zu bekommen und schlittern von einer witzigen Situation in die nächste. Genau wie in Ritchies Debüt verschachteln sich die Storys der einzelnen Figuren mit fortschreiten der Laufzeit (insgesamt ca. 105 Minuten), kuriose Zufälle spielen dabei wie gehabt ein wichtiges Mittel um den Zuschauer ein Lachen zu entlocken.

Mir persönlich gefällt Guys Erstlingswerk besser, nichts desto trotz bietet Snatch – Schweine und Diamanten sehr gute Unterhaltung aber wenn man ehrlich ist leben die Filme nur aufgrund ihrer abgefahrenen Charaktere. Ich könnte mir beispielsweise kaum Vorstellen wie der Film ohne den „Hitman“ Vinnie Jones ausgehen hätte. Obwohl er alles andere als ein Schauspielprofi ist, trumpft er hier groß auf.  Aber auch die kleineren Parts sind gut besetzt: das Trio Robbie Gee, Lennie James und Ade machen ihren Job ebenso gut wie der „verrückte Russe“ Rade Serbedzija.

Man merkt in jeder Sekunde dass der Autor eine ganz klare Vorstellung von seinen Figuren und deren Umgebung hatte. Schade nur dass sich Ritchie nicht wirklich weiterentwickelt hat sondern irgendwann in seinem eigenen Schatten stehen geblieben ist. Der Schnitt ist wie im ersten Film äußert gelungen, die visuellen Tricks sind cool aber nicht überheblich, die Dialoge und die Sprache wirken frech und erfrischend.

Weniger berauschend fand ich allerdings die aktuelle Blu-ray-Fassung von Sony. Bild und Ton sind natürlich besser als DVD, aber für eine BD-50 hätte man da mehr rausholen müssen, schließlich ist der Film nicht 40 Jahre alt! Die beiliegenden Extras sind dann auch noch lieblos und sehr langweilig, das Making-Of fast schon ein schlechter Witz.

Snatch – Schweine und Diamanten
4.1 (81.9%) 21 Artikel bewerten

Snatch - Schweine und Diamanten
Snatch - Schweine und Diamanten kann an den Debüterfolg von Guy Ritchie anknöpfen und wartet mit vielen bekannten Gesichtern auf
8von 10

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